Kopfweiden büßen an Bedeutung ein
Ein Bild aus längst vergangenen Tagen, als die Korbflechter noch mit einem Handwagen von Haus zu Haus zogen und ihre aus Weidengerten hergestellten Körbe verschiedener Größen anboten.

Die Menschen brauchten ihre biegsamen Gerten vor allen Dingen zur Herstellung von Körben. Da die Weide heutzutage kaum noch genutzt wird, müssen die aus dem Kopf sprießenden Äste alle paar Jahre entfernt werden.

Das Anwesen der Familie Antonius Handing an der Königsallee in Benteler ist ein Eldorado für seltene Vögel wie den Steinkauz. Naturfreund Antonius Handing, der das Umfeld seines Hauses an der Königsallee im Einvernehmen mit Flora und Fauna abgestimmt hat, ist es eine Freude, dass diese geschützten „Krummschnäbel“ sich bei ihm seit Jahren wohlfühlen und ihren Nachwuchs dort aufziehen. Für die Straße zu seinem Zuhause, an dem die Kopfweiden ein Spalier bilden, wäre Steinkauz-Chaussee eigentlich treffender, sagt er schmunzelnd.

Dazu tragen auch die etwa 100 Kopfweiden bei, die an der Straße und im direkten Umfeld seit 1928 wachsen und stattliche „Dickköpfe“ gebildet haben, die bis zu drei Metern Durchmesser aufweisen. In ihnen hätten sich im Lauf der annähernd 90 Jahre ihres Wachstums zahlreiche große und kleine Höhlen gebildet, die seltene Vögel als Nistplatz nutzten, sagt Handing.

Scheiteln gehört zum regelmäßigen Geschäft

Die Kopfweiden wurden gesetzt, als der Schulgraben zur Entwässerung der Gegend gebaut worden ist. Sie habe der Landwirtschaft einen großen Aufschwung beschert, beschreibt Handing die Maßnahme. Die Pflege der Kopfweiden übernimmt zu zwei Drittel die Gemeinde und zu einem Drittel der Benteleraner mit seinem Sohn Christian.

Für den Bauhof der Gemeinde gehört der regelmäßige Rückschnitt, das Scheiteln, in den Herbst- und Wintermonaten zum täglichen Geschäft. Dadurch soll ein Auseinanderbrechen der Bäume aufgrund zu schwerer und zu langer Gerten verhindert werden.

Die Kopfweide drohte einst aus dem Bild der Gemeinde zu verschwinden, was vor allen Dingen für die heimische Vogelwelt nebst Kleingetier lebensbedrohend gewesen wäre. „Diese Gefahr wurde von Naturschützern und den zuständigen Behörden noch gerade früh genug erkannt, so dass in den vergangenen Jahren eine umfangreiche Rettungskampagne angelaufen ist“, erläutert Heimatfreund Heinz Heckemeier. Dabei hätten sich die Biologischen Stationen, die Jäger sowie Naturschützer eingesetzt.

Gleich einem Fabelwesen mit Bürstenschnitt

Das Aussehen der Kopfweide erinnert an ein Fabelwesen mit einem riesigen Kopf mit aufrecht stehenden Borsten, den Zweigen. Als Stecklinge beginnen sie ihr Wachstum und bilden durch ständiges Stutzen ihrer „Frisur“, einen riesigen Holzklumpen, auf dem es munter sprießt und die schlanken Gerten ständig mehr werden. Diese erntete die hiesige Landbevölkerung früher in der Winterzeit, denn sie waren besonders dafür geeignet, Körbe daraus zu flechten. Es gab sogar Familien, die ihren Lebensunterhalt mit dieser Arbeit bestritten.

Während in der kalten Jahreszeit die unterschiedlichen Körbe entstanden, fuhren die männlichen Familienmitglieder in der übrigen Zeit mit dem Bollerwagen – gut betuchte mit Pferd und Wagen – durchs Land, um ihr Flechtwerk an den Mann zu bringen. Sie waren zusätzlich auf den Jahrmärkten der umliegenden Orte zu finden.

Damit war die Nutzung der Kopfweide allerdings noch nicht beendet. Die stärker werdenden Äste dienten der Bevölkerung im Winter als Brennholz und übers Jahr zur Befeuerung der Kochstelle. Die Unempfindlichkeit der Bäume gestattete es den Landwirten sogar, den Weidezaun an ihrem Stamm zu befestigen, sodass sie auch als wachsender Riegelpfahl zu verwenden war und heute noch vereinzelt zu sehen ist.

„Die Möglichkeit, das Weidenholz zu verwerten, ist jedoch stetig zurückgegangen“, weiß der Heimatfreund Heinz Heckemeier zu berichten. Es seien keine jungen Weiden mehr gesetzt worden, während die alten Baumveteranen häufig auseinandergebrochen seien.

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