Landflucht: Anderssein als Chance nutzen
Bild: Nienaber
Ein wissenschaftliches Buch widmet sich aktuell „750 Jahre Dante in Langenberg“. Leider ist aber nicht die Kommune im Kreis Gütersloh damit gemeint.
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 Die Sache hat nur einen Haken. Die Sammlung lässt sich nicht im Süden des Kreises Gütersloh finden, sondern im Rheinland. Es wäre auch zu schön gewesen, um wahr zu sein: Ein denkwürdiges Jubiläum, und die Welt der Wissenschaft richtet ihren Blick auf die 8000-Seelen-Gemeinde, ohne dass deren Bewohner etwas davon mitbekommen. Bei näherer Betrachtung der Nachrichten, die derzeit die Fachpresse beherrschen, erkennt man aber recht schnell, dass mit der sogenannten „Bücherstadt“ nicht das hiesige Langenberg gemeint sein kann und es sich bei Dante tatsächlich um den italienischen Dichter und nicht um eine heimische Pizzeria handelt. Unerwartete Besucherströme sind hierzulande demnach wohl eher nicht zu erwarten. Das Namens-Pendant, ein Stadtteil von Velbert, gilt als ein Paradebeispiel, wie sich kleine Orte gegen eine Landflucht zur Wehr setzen können.

15 000 Einwohner zählt jenes Langenberg, das nun im kulturellen Bereich in aller Munde ist. Wer dort durch die Altstadt schlendert, findet keine Leerstände vor, sondern einen Buch- und Antiquitätenladen nach dem anderen. Der Ort lebt – weil er für sich eine Nische gefunden hat. Der ansässige „Verein zur Förderung der Bücherstadt Langenberg“ hat ihn in ein großes Antiquariat verwandelt. Das Konzept zeigt Wirkung: Zahlreiche Touristen zieht es mittlerweile ins Niederbergische, Unterstützer liefern regelmäßig Nachschub an historischem Lesematerial.

Bedeutendster Clou der jüngeren Vergangenheit war der Nachlass Ernst Knölls in Form seiner umfangreichen Privatsammlung. Etliche Werke des italienischen Dichters und Philosophen Dante Alighieri (1265 bis 1321), darunter 30 Ausgaben seiner „Göttlichen Komödie“, können fortan im Vereinsquartier angefasst und begutachtet werden. Was das Ganze mit der Gemeinde zwischen Forthbach und Glenne zu tun hat? Erst einmal nichts. Dennoch zeigt das Beispiel, dass es sich manchmal lohnt, anders zu sein als der Rest. So ergeben sich Chancen, die es zu ergreifen gilt. Und wer weiß: Vielleicht zieht es ja irgendwann auch einmal Touristenströme in hiesige Gefilde – warum auch immer.

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