Langenberger richtet Fokus auf Turmfalken
Bild: Inderlied
Auf der Lauer: Auf einem Stativ hat Manfred Aulbur seine Vollformatkamera platziert, damit der Greifvogel ungestört seine Jungen füttern kann.
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Das Gras ist noch taunass, als Aulbur an diesem Morgen seine Apparatur vorbereitet. Auf einer Metallschiene befestigt er die Lichtschranke, die er mit einem befreundeten Tierfotografen aus Bielefeld aus einer industriellen Anlage zu Fotozwecken umgerüstet hat. „Wir mussten ganz schön tüfteln“, erinnert er sich, während er auf einer Leiter zum Nistplatz des Paars klettert.

Danach richtet der 46-Jährige seine Vollformatkamera ein, die er auf einem Stativ durch ein zweites Loch in der Bretterwand befestigt hat. Den Fokuspunkt setzt er genau auf die Einflugschneise der Tiere. Sobald ein Objekt durch die Lichtschranke fliegt, wird die Kamera ausgelöst. „Das werden richtig eindrucksvolle Bilder“, sagt der Langenberger. Frei von Fehlern ist die Technik jedoch nicht: Die Sensoren sind so empfindlich, dass sie auch auf Fliegen reagieren. Am Vortag sei seine Speicherkarte voll mit Ausschussbildern ohne dem gewünschten Motiv gewesen. Aulburs Aktivitäten rund um die Brutstätte des Greifvogels sind nicht unbemerkt geblieben. Plötzlich taucht über dem Gerstenfeld gegenüber das Turmfalken-Männchen auf, eine Maus in den Fängen, und versucht laut kreischend auf sich aufmerksam zu machen. Dann dreht das Tier ab, und lässt sich in gut 200 Meter entfernten Bäumen nieder.

Fünf Jungtiere geschlüpft

Vor zwei Jahren hat der Tierfotograf, der im Hauptberuf Konrektor an einem Berufskolleg mit den Fächern Biologie und Mathematik ist, den 50 mal 30 Zentimeter großen Nistkasten in einer früheren Viehstallung gebaut. „Ich habe einfach gehofft, dass der Turmfalke irgendwann kommt.“ In diesem Februar war es soweit: Erst kundschaftete das Männchen die Gegend aus, um dem Weibchen die mögliche Niststätte zu zeigen. „Es gab ein richtiges Gezeter“, berichtet Aulbur wie sich die Turmfalken gegen die benachbarten Dohlen im Kampf um den Nistplatz durchsetzen mussten. Weil sich beide danach lange nicht mehr blicken ließen, glaubte der 46-Jährige nicht mehr daran, dass das Pärchen sein Grundstück aufsuchen würde. Doch Anfang Mai kam es zur Eiablage. Fünf Jungtiere sind am 12. Juni geschlüpft. Ungewöhnlich viele. „Aber sie sind in einem guten Zustand und werden durchkommen“, sagt Aulbur.

Immer weniger offene Höfe

Turmfalke im Anflug, bei der Landung, bei der Fütterung der Jungtiere: Mit seiner selbstgebauten Fotofalle sind Manfred Aulbur auf Anhieb atemberaubende Bilder gelungen. Auch an diesem Morgen sind innerhalb kürzester Zeit zwei gelungene Aufnahmen dabei. Der Biologie- und Mathelehrer, der viel mit der Biologischen Station Bielefeld-Gütersloh zusammenarbeitet und in seinem Garten auch ein Biotop für Laubfrösche geschaffen hat, ist fasziniert: „Wenn man die Tierfotografie mit dem Naturschutz verbinden kann, kann ich ohne schlechtes Gewissen meinem Hobby und meiner Passion frönen“.

Wichtig ist dem 46-Jährigen, dass die Jungtiere ungehindert aufwachsen können. 2007 war der Turmfalke als bedrohte Tierart Vogel des Jahres. „Es gibt immer weniger offene Höfe. Dadurch geht der Bestand zurück“, erklärt Aulbur, der auf dem elterlichen Grundstück anderthalb Hektar Fläche zu bieten hat. Um sowohl Artenschutz als auch seine Fotoleidenschaft in Einklang zu bringen, nahm der 46-Jährige alle Veränderungen behutsam vor. So hat er das Loch für die Kamera nach und nach geschnitten, damit sich der Turmfalke daran gewöhnen kann. „Die Vögel werden durch die Apparatur wenig gestört, und sie gewöhnen sich schnell daran, dass die Kamera klappert, wenn sie den Schuppen anfliegen“, sagt er und fügt hinzu: „Der Turmfalke als Fotoobjekt hat mich immer gereizt. Ich finde den Rüttelflug sehr faszinierend.“

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