Mädchen (5) ist Patenonkel ausgeliefert
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Vot dem Bielefelder Landgericht muss ich ein 45-jähriger Langenberger wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs verantworten. Der Prozess gestaltet sich jedoch zäh.
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Der Prozess gestaltet sich zäh. Beteiligte, insbesondere der Vertreter der Nebenklage, wollen die Öffentlichkeit weitgehend ausgeschlossen sehen. Der Jurist begründete dies am Mittwoch mit dem Schutz des von ihm vertretenen betroffenen Kindes und dessen Familie. Es handelt sich um eine zum Tatzeitpunkt fünf Jahre alte Tochter von Bekannten des 45-Jährigen.

Kriminalhauptkommissar berichtet über Datensichtung

Zwischen 2017 und 2019 soll der Angeklagte das Mädchen in seiner Wohnung sexuell missbraucht haben. Die Eltern vertrauten ihm, als er sich angeboten hatte, die Rolle des Patenonkels zu übernehmen. Das Mädchen war laut Klageschrift nicht nur der Begierde seines Peinigers hilflos ausgeliefert. Der Langenberger stellte bei insgesamt fünf Gelegenheiten auch zahlreiche Fotos und Videos kinderpornografischen Inhalts her. Viele davon soll er im Februar 2020 ins Internet gestellt haben. Und im Juni 2020 soll er laut Anklage 384 Bild- und 77 Filmdateien kinderpornografischen Inhalts auf seinem Rechner gespeichert haben.

Am Mittwoch sprach ein Kriminalhauptkommissar aus Gütersloh im zunächst öffentlichen Teil der Verhandlung von insgesamt 1400 Dateien, die er im Kontext geprüft habe. Eine Fülle von Übergriffen ist damit aktenkundig geworden. Das Opfer habe er „mit Gesicht gesehen, teils aber nur die Umgebung der Wohnung“, gab der Kriminalhauptkommissar zu Protokoll. Aufnahmedaten, technische Fakten wie Belichtung, Blenden und Hinweise, welche Kameras für bestimmte Bilder und Videos zum Einsatz gekommen sind, habe er ebenfalls nachverfolgen können.

Angeklagter gehörte Pädophilen-Chat-Gruppe an

Der 45-jährige Angeklagte gehörte einer Clique von gleichgesinnten Chat-Partnern an. In der Stadt Rotenburg an der Wümme im nordöstlichen Niedersachsen flog 2019 ein Netzwerk von Pädophilen auf, die auf Internetplattformen wie Skype und ICQ Kinderpornographie ausgetauscht haben. In diesem Zusammenhang ging auch der Langenberger der Polizei ins Netz.

Am Mittwoch sichtete die Strafkammer das belastende Bild- und Filmmaterial, auf dem das Opfer zu sehen ist. Die Öffentlichkeit war zuvor auf Beschluss der Richterin ausgeschlossen worden, weil ansonsten die schutzwürdigen Interessen des Kindes verletzt worden wären, hieß es in der Begründung. Am Dienstag, 16. Februar, wird der Prozess fortgesetzt.

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