Mit dem Bagger durchs Auenland
Bild: Nienaber
Wie auf dem Mond: Das Areal nördlich der begradigten Glenne ist kaum wiederzuerkennen. Dort sind in den vergangenen Wochen erste Teile der geplanten Aue entstanden. Bis Ende 2019 werden insgesamt 80 000 Kubikmeter Boden bewegt und der Bereich ursprünglich gestaltet. Träger der Maßnahme ist der Kreis Gütersloh. Er setzt unter anderem mit der Maßnahme in Benteler die Europäische Wasserrahmenrichtlinie um.  
Bild: Nienaber

Ortstermin inmitten einer Mondlandschaft: Wo bis vor einigen Wochen Mais und andere Feldfrüchte angebaut wurden, türmen sich derzeit haushohe Sandberge auf. Dazwischen mäandert ein kleines Rinnsal, welches derzeit vor allem Regen- und Grundwasser führt. Während ein Teil der geplanten Aue bereits in groben Zügen zu erkennen ist, werden an anderer Stelle mit schwerem Gerät erste Erdbewegungen durchgeführt.

„Er ist der wichtigste Mann auf dieser Baustelle“, sagt Stefan Sibilski, Sachgebietsleiter Kultur- und Wasserbau beim Kreis Gütersloh, und klopft dabei Norbert Wehner vom Unternehmen Brummel aus Steinhagen auf die Schulter. Der Brandenburger Garten- und Landschaftsbauer hat sich auf den Gewässerbau spezialisiert und ist federführend für die Profilierung des neuen Glenne-Arms nördlich des bereits vor Jahrhunderten begradigten Verlaufs zuständig. Mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen bringt Wehner mit.

Winter durchgearbeitet

Unwägbarkeiten bringen ihn daher nicht so schnell aus dem Konzept. Er steuert seinen tonnenschweren Bagger millimetergenau. Würde sich die Schaufel einmal zu tief ins Erdreich fressen, würden tieferliegende Schichten unnützerweise ans Tageslicht befördert und die natürliche Bodenbeschaffenheit dadurch unwiderruflich verändert. Damit das nicht passiert, müsse man ein ruhiges Händchen haben und die Technik beherrschen. Beides treffe in höchstem Maße auf den Rathenower zu, lobt Oliver Juhnke von der Kreisbehörde, der die Bauoberaufsicht innehat.

Dass das 1,7 Millionen Euro teure und auf mehr als zwei Jahre terminierte Projekt bereits weit fortgeschritten ist, sei nicht selbstverständlich, betont Stefan Sibilski. Trotz teils widriger Wetterbedingungen mit Sturm, Starkregen und Frost sei das Team des ausführenden Betriebs aus Steinhagen den kompletten Winter vor Ort gewesen. Nur so sei es möglich gewesen, die 20 000 Kubikmeter Oberboden, die im Zuge des Maßnahmenbeginns abgetragen wurden, Landwirten der Region vor der Feldbestellung zur Verfügung zu stellen.

Eigenanteil des Kreises beträgt 350 000 Euro

 Die Renaturierung der Glenne setzt der Kreis Gütersloh im Zuge der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie um. Ziel dieser ist es, die Qualität von Gewässern nachhaltig zu verbessern, so dass diese wieder Lebensraum für früher dort heimische Tierarten werden. Das Projekt in Benteler ist die bislang größte Einzelmaßnahme, die der Kreis in diesem Rahmen angegangen ist. Insgesamt werden 80 000 Kubikmeter Sand, Lehm und Schluff abgetragen, um eine sogenannte Sekundäraue zu schaffen. Diese soll bei Hochwässern als naturbelassener Puffer dienen und das Einzugsgebiet der Glenne vor Überflutungen schützen.

Die Fertigstellung ist für Ende 2019 geplant. Für die Kosten, rund 1,7 Millionen Euro, muss der Kreis als Träger nicht allein aufkommen. 80 Prozent werden von der Bezirksregierung Detmold gefördert, so dass lediglich ein Eigenanteil von 350 000 Euro verbleibt. Ursprünglich hatte das Planungsbüro Sönnichsen und Partner höhere Summen für die Umsetzung prognostiziert. Unter anderem durch das Weglassen einer gezielten Bepflanzung des Areals konnte der Kostenrahmen jedoch zusammengestaucht werden, ohne die Wirkung der neuen Auenlandschaft zu beeinträchtigen.

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