Mühsame Ernte mit Sense und Rechen
Bild: Heckemeier
Pferde wurden früher noch angespannt, um das Getreide abzufahren. Heimatfreunde haben diese Zeitreise nachgestellt. Heutzutage sind in Langenberg und Benteler wie andernorts auch moderne Mähdrescher im Einsatz.
Bild: Heckemeier

An einem Tag verschlingen die stählernen „Vielfraße“ viele Hektar goldgelben Getreides und arbeiten sich so, von einer Staubwolke umgeben, von Kornschlag zu Kornschlag und von Hof zu Hof voran. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist nur noch vom Hörensagen bekannt, dass die Ernte der verschiedenen Getreidearten in früheren Jahren sehr viel mühseliger vonstatten ging. „Die Glocke“ wirft in einer Zeit, in der heimische Landwirte mit Gerste, Roggen, Weizen, Hafer und später auch mit Mais für ihre Arbeit auf dem Feld belohnt werden, einen Blick in die Geschichte der Erntearbeit. Jahrhunderte lang rückte die Landbevölkerung in Langenberg und Benteler dem reifen Korn mit der Sense an den Halm. Mit weit ausholenden Armbewegungen bahnten sich die Männer mit den Stahlmessern einen Weg durch das reife Getreide. Bauern und Gehilfen standen auf den Feldern einträchtig nebeneinander, um stundenlang in gebeugter Haltung das Korn zu mähen. Ihnen folgten Frauen mit Rechen, mit denen sie die Halme zu Garben zusammenfügten und mit einem Bündel Halme als Bindegarn fest verknoteten.

 Anschließend wurde das Getreide in Richten gestellt – zehn Garben bei Hafer und 20 Garben bei Roggen. So stand es ein- bis anderthalb Wochen zum Trocknen im Feld. In den Anfängen des vorigen Jahrhunderts kam mit der Erfindung des Mähbalkens die erste Erleichterung. Diese Maschine bewegte sich von einem oder zwei Pferden gezogen. Von seinem Sitz aus lenkte der Landwirt die Tiere, während ein Gehilfe mit einem langen Stab die Menge Getreide für eine Garbe zusammenhielt und dann über ein bewegliches Holzrost ablegte. Einige Jahre später kam mit der Einführung des Binders eine weitere Erleichterung hinzu. Ab jetzt brauchte niemand mehr dem Mähwerk zu folgen. Die Garben wurden automatisch mit einem Strohband gebunden. Eine Trockenzeit der Richten auf dem Felde war allerdings weiterhin vonnöten. Im Langenberger und Benteler Raum bevorzugten die Landwirte damals Roggen, Hafer und Weizen, Gerste war weniger üblich. Während das Getreide auf dem Acker noch in Richten stand, gingen die Bauern schon daran, das bereits freiliegende Feld für eine Rübensaat vorzubereiten.

Spreu vom Weizen trennen

Nach der Trockenzeit wurde die „Spreu vom Weizen getrennt“. Am Dreschtag waren zahlreiche Hände nötig, um alle anfallenden Arbeiten zu verrichten. Nachbarn und Bekannte halfen aus, wenn auf dem Hof oder in der Scheune der Dreschkasten dröhnte und eine Garbe nach der anderen verschlang. Neben dem „nimmersatten“, brummenden Ungetüm stand stets ein Kornwagen und ein weiterer sorgte im Feld für Nachschub. Auf dem Kasten standen zwei Personen, eine weitere schleppte die gedroschenen Strohbunde von der Presse, welches diese am laufenden Band aus dem dunklen „Schlund“ des Dreschkastens auswarf. Die Rückseite der Maschine erforderte einen starken Mann, denn dort füllte sich ein Kornsack nach dem anderen, der auf der Schulter zur Kornbühne zu transportieren war. Jeder Sack brachte um die 70 Kilogramm auf die Waage. Die Strohballen wurden von einem weiteren Gehilfen mit der Gabel auf dem Boden gestemmt, wo sie für den Winter lagerten.

In der Regel setzten die Landwirte drei Dreschtage an: einen für die Roggen-, einen für die Hafer- beziehungsweise Weizenernte sowie in der Winterzeit für den Rest der Ernte, die zwischenzeitlich in der Scheune lagerte. Anders verhielt es sich für die Kleinbauern, die nur ein oder zwei Fuder (Wagenladungen) ernteten. Sie fuhren mit ihrer Ladung zu einem sogenannten Dreschplatz. Dort stand die Dreschmaschine mehrere Tage bereit, bis alle Kleinbetriebe abgefertigt waren. Während Roggen und Weizen für das täglich Brot Verwendung fanden – einiges auch für die Schweinemast –, war der Hafer ausschließlich für das Vieh bestimmt. Das Roggenstroh diente als Streu, während das Haferstroh als zusätzliches Futter im Winter verbraucht wurde. Diese Art Korn zu mähen und zu dreschen, wandte die Landbevölkerung auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch an. Der Mähdrescher war zwar in den 1930er-Jahren schon bekannt, blieb aber noch unbedeutend.

Mähdrescher setzt sich durch

In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts setzte sich der Mähdrescher dann mehr und mehr durch und in den 1960er-Jahren erfolgte die vollkommende Umstellung. Mit ihm veränderte sich auch der Getreideanbau. Winter- und Sommergerste löste zum Teil den Roggen ab. Anfang der 1970er-Jahren hielt mit Riesenschritten der Anbau von Mais Einzug, der vorher im hiesigen Raum eher eine unbedeutende Rolle spielte.

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