„Nur Musik machen, ist nicht genug“
Bild: Schulte-Nölle
Nur zuhause nutzt Julian Beerhues sein eigenes DJ-Equipment. Ist er in seiner Stamm-Diskothek in Herford unterwegs, benötigt der Benteleraner lediglich Kopfhörer und einen USB-Stick.
Bild: Schulte-Nölle

Seit sieben Jahren legt der Benteleraner als Discjockey in verschiedenen Clubs auf. Aktuell ist er einer der Stamm-DJs in einer Herforder Großraumdiskothek. Aus dem anfänglichen Hobby ist dabei längst eine professionell gelebte Leidenschaft geworden. Und die hat Julian Beerhues vor allem eines gelehrt: „Einfach nur Musik machen, ist nicht genug – zumindest dann nicht, wenn man die Gäste mehr als 90 Minuten bei Laune halten soll.“ Wenn der angehende Maschinenbautechniker freitags oder samstags auflegt, hat er daher in den Pausen immer ein Ohr am Partyvolk. Und beim Club-Personal. „Gerade die Mitarbeiter an der Theke bekommen viel von den Gesprächen der Gäste mit. Dabei geht es häufig auch um das, was den Abend über gespielt wird“, sagt Beerhues.

Eigentliche Arbeit spielt sich vor dem Wochenende ab

Die eigentliche Arbeit spielt sich für den Studenten allerdings in den Tagen vor dem Wochenende ab. Um zu wissen, was sich im Clubmusik-Sektor tut, welche Neuerscheinungen es gibt und was angesagt ist – oder das Potenzial hat, es zu werden –, durchforstet Julian Beerhues regelmäßig das Internet. Die neu entdeckten Tracks müssen erworben und dann teils noch bearbeitet werden. „Wenn in einem sonst für den Club super geeigneten Song über weite Passagen nichts passiert und man zusätzlich davon ausgehen kann, dass die meisten das Lied nicht kennen, muss man es tanzbar machen. Sonst ist die Tanzfläche ganz schnell leer“, erklärt Beerhues. Dafür schneidet der Benteleraner in der Regel die sogenannten Breaks (Pausen) zusammen und führt die rhythmuslastigen Parts ineinander.

200 bis 300 Alben, in wechselnder Zusammenstellung, befinden sich jederzeit auf dem USB-Stick, den Beerhues mit in die Disco nimmt. Manchmal geht es auch ins Freie, so zuletzt nach Rietberg in den Gartenschaupark. Dort findet seit 2012 jährlich am 1. Mai der „Groove-Garden“ statt. Der heimische DJ gehört zu den Mitorganisatoren des Festivals für elektronische Musik. „Dort kann ich dann auch mal das spielen, was in den Clubs eher nicht gefragt ist“, sagt der 24-Jährige, der auch schon in Bremen, Dortmund, Bielefeld, Gütersloh und weiteren Städten im Umland aufgelegt hat.

Experimentieren reizt besonders

Seit drei Jahren ist Julian Beerhues jedes Wochenende als DJ in Herford anzutreffen. Das langfristige Engagement helfe ihm dabei, das Publikum und seine Wünsche an die Musik zielsicher einschätzen zu können, sagt der Benteleraner. Um das Auflegen „auf Nummer sicher“ komme er dennoch nicht immer herum. „Gerade zu Beginn ist die Tanzfläche oft noch leer. Dann setzt man besser auf bekannte Songs, von denen man weiß: die zünden“, erklärt Beerhues. Ist die Party in vollem Gang, experimentiert der Student aber auch gern, legt frisch veröffentlichte Tracks auf oder mischt ungewöhnlich ab. Für Beerhues sind genau dies die Momente, die den größten Reiz ausmachen. In der kommenden Woche wird Julian Beerhues seine Abschlussprüfung zum Maschinenbautechniker ablegen. „Dann wird das selbstverständlich mein Hauptberuf sein“, betont er. Von seiner Leidenschaft, dem Auflegen, werde er deshalb aber nicht lassen, versichert der 24-Jährige: „Das wird weitergehen – auf jeden Fall.“

SOCIAL BOOKMARKS