Parkour-Sportler lassen Bielefeld beben
Bild: Nienaber
Haben ein cineastisches Abenteuer hinter sich: die Parkour-Freunde Johann Wurz, Fabian Goldschmied und der Langenberger Phillip Riedel (v. l.). Die Mitglieder der Gruppe New Parkour Order aus Bielefeld haben mit ihrem Kurzfilm „Bielefeld bebt“ die Nischensportart, die ursprünglich aus Frankreich stammt, ins rechte Licht gerückt. Aber auch Standard- und Hip-Hop-Tänzern haben sie mit dem zehnminütigen Film die Möglichkeit gegeben, sich zu präsentieren.  
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Die so genannten Traceure haben cineastisch festgehalten, wie ihr Parkour-Trainings-Alltag aussieht – und wie sie dafür die Bielefelder Kulisse nutzen. Seit rund vier Jahren treffen sich die Mitglieder der NPO nämlich schon regelmäßig, „um den urbanen Raum als Plattform für den in der Öffentlichkeit wenig bekannten Sport zu nutzen“, wie Riedel erläutert. Weil Parkour in der Regel im abgeschotteten Bereich über die sprichwörtliche Bühne gehe, sei es an der Zeit gewesen, das Ganze auf Film zu bannen. „Es gibt zwar schon viele Videos im Netz über Parkour, aber nur ganz wenige, die an den Örtlichkeiten gedreht wurden, an denen wir gerne sind. Und wenn, dann sind es einfache Handy-Videos“, unterstreicht Fabian Goldschmied, der für „Bielefeld bebt“ vor und hinter der Kamera stand.

Dank des Bielefelder Programmkinos „Filmhaus“ sei es nun möglich gewesen, eine professionelle Ausrüstung nutzen zu können, um Parkour ins rechte Licht zu setzen. Seit Frühjahr haben sich die Freunde der NPO damit beschäftigt, das Projekt zu planen. Mit an Bord war von Anfang an auch Johann Wurz, der als „Filmhaus“-Praktikant den Kontakt zum Programmkino herstellte. Der Gedanke, in tollen Bildern zu zeigen, dass sich die Traceure auch kreativ mit anderen Dingen auseinandersetzen können, war allen Beteiligten schon früh gemeinsam. „‚Bielefeld bebt‘ soll in Bildern sagen: ‚Hey, wir existieren auch.‘ Und weil das nicht nur auf den Parkour-Sport zutrifft, haben wir Freunde von uns gefragt, ob sie mitmachen möchte“, erläutert Fabian Goldschmied. So springen in dem zehnminütigen „Filmbeben“ nicht nur Phillip Riedel und seine Mitstreiter waghalsig von Mauer zu Mauer, von Parkbank zu Parkbank, sondern auch Standard- und Hip-Hop-Tänzer lassen ihre Hüften Kreisen oder zeigen ihre „Moves“.

Die in Szene gesetzten Drehorte wie die Bielefelder Kunsthalle, markante Bürogebäude oder die Rudolf-Oetker-Halle werden bei all dem Treiben vor der Kamera zur Nebensache. In der Tat: Dass die Protagonisten Leidenschaft für Sportarten außerhalb des Rampenlichts eint, wie Phillip Riedel es beschreibt, wird beim Betrachten des Kurzfilms mehr als deutlich.

Von Mai bis Juli sind Phillip Riedel und seine Mitstreiter mit der zur Verfügung gestellten 20 000-Euro-Ausrüstung durch die OWL-Metropole gezogen. Hilfe von außen, etwas von professionellen Filmemachern wollten sie aus ideologischen Gründen nicht einholen. „Wir haben alles selbst auf die Beine gestellt. Schließlich sollten alle irgendwie im Rampenlicht stehen – vor und hinter der Kamera“, sagt Fabian Goldschmied. Der Schnitt der etlichen Szenen lag darauf in den Händen von Johann Wurz. Zu sehen ist das Werk auf der Videoplattform Youtube. Seine Premiere feierte „Bielefeld bebt“ allerdings in sehr viel beeindruckenderer Kulisse: im vollbesetzten „Filmhaus“.

„Das war schon ein tolles Gefühl, sich im Kinosessel zurückzulehnen und etwas auf der großen Leinwand zu sehen, in das wir viel Herzblut gelegt haben“, bringt es Phillip Riedel auf den Punkt. Die Rückmeldungen auf den Kurzfilm seien durchweg positiv ausgefallen, so dass die Freunde der NPO bereits das nächste Projekt in Planung haben. Im kommenden Jahr soll erneut das Thema „Parkour“ Filmthema werden. Angedacht ist, Traceure aus den eigenen Reihen über mehrere Monate mit der Kamera zu begleiten und so zu zeigen, wie sich der außergewöhnliche Sport auf das Privatleben auswirkt.

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