Patient treibt Ärzte in den Wahnsinn
Bild: Wieneke
Verbrecherjagd im Krankenzimmer: Bewusstlos liegt Kriminalinspektor Kojambel (René Kölbel) und nicht der Dieb am Boden. Vor Schreck erstarren „Winnetou“ (Martin Mersmann), Schwester Veronika (Gaby Zielinski) und Patient Kurt Klopfer (Michael Henke, r.).
Bild: Wieneke

Das ist der Stoff, aus dem die heitere Komödie „Amnesie für Fortgeschrittene“ in acht Szenen gemacht ist. Das fesselnde Treiben garantiert in der 45. Spielsaison der Laienspielschar Langenberg einen unterhaltsamen Theaterabend mit einem ständigen Angriff auf das Zwerchfell der Besucher. Denn die acht Akteure auf der Bühne der Brinkmannschule verkörpern mit sichtlicher Freude am Spiel, Brillanz, Esprit und feinem Gespür für Humor die unterschiedlichen Menschentypen so überzeugend, dass die Besucher bei den ersten beiden komplett ausverkauften Vorstellungen aus vollem Herzen lachten und sich köstlich amüsierten.

Sämtliche Erinnerungen ausgelöscht

Als sich der Vorhang zum dreistündigen Theaterfestival öffnet, richtet sich der Blick des Publikums auf ein komplett ausgestattetes Klinikzimmer. Als engagierter Regisseur hält Prof. Dr. Ulrich Birnenbieger (Franz-Josef Trostheide) alle Fäden in der Hand. Doch das ändert sich schnell, mischt doch der am Kopf schwer verletzte Alfred Heinze (Martin Mersmann) die Klinik extrem auf: Der Patient hat zum Leidwesen seiner Verlobten (Anke Vielstedde) keinerlei Erinnerung mehr an sein bisheriges Leben. Er schläft fast nur noch, aber wenn er aufwacht, dann versetzt er das Ärzteteam und seine Mitpatienten in ungläubiges Staunen: Er verkörpert ständig andere Persönlichkeiten vom Filmschauspieler bis zum Schlagerstar, von geschichtsträchtigen Forschern und Feldherrn bis zu Pumuckl, Winnetou und Papst Franziskus.

Mal Sänger, mal Literaturpapst

Diese äußerst anspruchsvolle Aufgabe meistert Martin Mersmann mit Bravour und schauspielerischem Glanz. Er verkörpert auf der Bühne überzeugend mehr als 15 Persönlichkeiten – singend Udo Lindenberg, Karel Gott und Hans Albers oder erzählend Komiker Heinz Erhard und Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki. Der begnadete Laienspieler Mersmann versetzt das Publikum regelrecht in Extase. Leitende Ärztin Dr. Wusler (Gisela Rickmann) versucht, ihren Patienten mit seinen persönlichen Fotos ins Leben zurückzuholen. Oberschwester Hiltrud (Andrea Sander) dagegen regiert mit harter Hand, während Schwester Veronika (Gaby Zielinski) die Patienten liebevoll versorgt.

Mit Bauernschläue zum Erfolg

Die übrigen Krankenhausbewohner auf Zeit – der durch einen Beinbruch gehandicapte Ignaz Besenbinder (Martin Schröder) und Kurt Klopfer (Michael Henke), der beide Arme gebrochen hat, – glänzen dagegen durch stilles Beobachten und eine gewisse Portion Bauernschläue. So denken sie sich eine Wettaktion aus, bei der es darum geht, vorauszusagen, als welche Person Patient Heinze als nächstes aus dem Schlaf erwacht.

Langfinger kommt bei Dunkelheit

Die verworrene Situation eskaliert vollends, als ein Dieb nachts in der Klinik sein Unwesen treibt. Patient Besenbinder macht nicht nur unglaubliche Entdeckungen bezüglich des gedächtnisgestörten Heinz’, sondern auch in Bezug auf den Klinikdieb. Allerdings kommt ihm dabei Kriminalinspektor Kojambel (René Kölbel) in die Quere.

Ihr Bestes hinter den Kulissen geben Kathleen Drescher (Maske), Martina Hartmann und Hildegard Arens (Frisuren) sowie Souffleuse Karin Südhoff. Für den Bühnenbau haben Christian Heft, Stefan Venker-Metarp und Luis Rickmann gesorgt.

Erlös wird gespendet

Den Reinerlös der 45. Spielsaison spenden die Laienspieler zum Großteil für den an ALS erkrankten Mirco Weigand, dessen Leben nur durch eine 30.000 Euro teure Stammenzellentherapie in Tel Aviv zu retten ist („Die Glocke“ berichtete). Das restliche Spendengeld geht an das Patenkind der Laienspielschar, Divyia aus Indien, und an den Sozialfonds der Brinkmannschule. Karten für die weiteren Aufführungen können online bestellt werden.

www.laienspielschar-langenberg.de

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