Renaturierung nimmt Gestalt an
Bild: Nienaber
Heinz Brenke und Peter Bosse von der Kreisverwaltung haben die Planungen im Griff.
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Aber eigentlich sollte das Projekt schon weiter fortgeschritten sein. „Wir hängen ein bisschen im Zeitplan“, sagt Peter Bosse. Im laufenden Planungsverfahren laufe nicht alles so, wie man es sich im Vorfeld vorgestellt hatte. „Der Teufel steckt im Detail“, betont Bosse, der das Projekt für den Kreis Gütersloh als Planungsträger betreut. Schließlich gelte es, unterschiedliche Interessen beim Ausbau des kleinen Flusses unter einen Hut zu bringen.

Landwirte äußern Bedenken

Und das gestalte sich nun mal schwieriger als gedacht, gibt der Kreismitarbeiter offen zu. So soll insgesamt auf einer Länge von rund einem Kilometer die Glenne, der Schwarze Graben, der Landgraben sowie der Haustenbach nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie naturnah umgestaltet werden, um die Gewässer so zu revitalisieren. Zum anderen sollen die Landwirte im Einzugsbereich weiter die Gewässer zur Ent- und Bewässerung ihrer Felder nutzen können. „Wir müssen nun etwas schmieden, was beiden Seiten gerecht wird“, sagt Peter Bosse. Nur wie dieser Konsens aussehen könnte, das stehe noch in den Sternen.

Ersatzaue

Das Augenmerk der derzeitigen Planung liegt laut Bosse auf dem Ufergebiet nördlich der Glenne zwischen Haustenbach und Bundesstraße. Dort soll, wie Peter Bosse im Rahmen der Bauausschusssitzung der Gemeinde Langenberg erläuterte, eine so genannte Ersatzaue entstehen. Dafür soll das Gelände an dieser Stelle deutlich abgeflacht werden, um so ein künstliches Überflutungsgebiet zu schaffen. Bis zu 2,50 Meter anlehmiger Sandboden müsste dafür an manchen Stellen abgetragen werden, erläutert Bosse.

Glenne wird teilweise verlegt

Durch dieses neue „Tal“ soll die dann verlegte Glenne verlaufen. Zwischen Haustenbach und Landgraben soll auf der in diesem Teilbereich ebenfalls verlegten Glenne eine so genannte Sohlgleite entstehen, um der Tierwelt in und auf dem Gewässer wieder eine Durchlässigkeit zu ermöglichen. Die Glenne, wie sie zwischen dem Haustenbach und der Wehranlage nahe der Bundesstraße 55 noch existiert, soll lediglich als Totarm, also als Stillgewässer bestehen bleiben. Gleiches gilt für den Landgraben. Auch dieses Gewässer soll im Mündungsbereich zur Glenne verlegt werden und eine Sohlgleite erhalten. Rund 200 Meter Landgraben sollen als Totarm erhalten bleiben.

„Es besteht Handlungsbedarf“

Bei den vier Wasserläufen im südlichsten Zipfel des Kreises Gütersloh handele es sich zwar um „ganz unterschiedliche Gewässertypen“, sagt der Fachmann von der Unteren Wasserbehörde. Alle vier hätten aber eins gemeinsam: „Es besteht Handlungsbedarf, denn sie sind wenig vital“, unterstreicht Bosse. Der geplante naturnahe Ausbau sei daher an einer idealen Stelle platziert: „Wir erhoffen uns bei der Renaturierung eine Strahlwirkung in vier Richtungen.“

Einvernehmliche Lösung gesucht

Weniger euphorisch als Peter Bosse sind derzeit die Landwirte, die Glenne und Co. als Nutzgewässer in Gefahr sehen. Weil die Wehranlage, die bisher im Sommer für einen hohen und im Winter für einen niedrigen Wasserstand gesorgt hat, zwar bestehen, aber kontinuierlich geschlossen bleiben soll, befürchten die Landwirte, dass eine Be- und Entwässerung der ufernahen Felder nicht mehr gewährleistet sein wird. „Die Sorgen der Landwirte kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Daher versuchen wir, eine einvernehmliche Lösung zu finden“, sagt Bosse. Derzeit würden verschiedene Versuche durchgeführt, die eine kontinuierliche Wehrschließung simulieren und die Auswirkungen dadurch erkennbar machen sollen.

Mit Landesmitteln gefördert

Einmal einen Konsens unter allen Beteiligten gefunden, könnte der naturnahe Ausbau der Gräben und Flüsschen im Herbst 2013 begonnen und frühestens 2014 abgeschlossen werden. Um die Arbeiten überhaupt durchführen zu können, musste der Kreis Gütersloh 13 Hektar Grund und Boden erwerben. Mindestens 700 000 Euro nur für die Baumaßnahmen, im schlimmsten Fall sogar 1,2 Millionen Euro inklusive des Bodenabtransports lässt sich der Kreis das Projekt kosten. Weil aber das Land Nordrhein-Westfalen verantwortlich für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie zeichnet, werden bis zu 80 Prozent der Maßnahme mit Landesmitteln gefördert.

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