Schräger Tannenbaum aus dem Laumoor
Den verschneiten Tannenwald  hat Heinz Heckemeier gemalt. Das Bild erinnert an die Zeit, als er als Kind das Laumoor besuchte. 

 Kaum zu glauben, dass diese Lichtgestalt erst um 1900 in Westfalens einfachen Stuben Einzug gehalten hat. „Glocke“-Mitarbeiter Heinz Heckemeier erinnert sich an seine Kindheit und die Tannenbäume:

 „Bei mir zu Hause war der Weihnachtsbaum Mittelpunkt in des Wohnzimmers. Meine Kindheit fiel in die Zeit des Zweiten Weltkriegs und der schlechten Zeit danach. Unseren Weihnachtsbaum bekamen wir von einem großen Bauernhof, der ein eigenes Waldstück in Benteler besaß.

Zweige gebohrt

Im Gegensatz zu heute, wo nur die schönsten Tannen einen Käufer finden, wurden vormals die Bäume aus der Schonung entfernt, die nicht geeignet waren, prächtig zu gedeihen. Der Wuchs war uns auch egal, Hauptsache, wir hatten überhaupt ein Nadelbaum zur Verfügung. Wenn mein Bruder und ich mit dem etwas ungleichen und vielleicht auch schiefen Gewächs aus dem Laumoor per Fahrrad daheim angekommen waren, übernahm mein Vater die „kosmetische“ Verschönerung des Weihnachtsschmucks. Wenn irgendwo ein Ast fehlte, so wurde kurz entschlossen ein Loch in den Stamm gebohrt und dort ein Zweig eingesetzt. Die weitere Veredelung mit Kugeln und Lametta übernahm meine Mutter. Wir Kinder schauten dabei mit glänzenden Augen zu. Als Lametta diente in winzige Streifen geschnittenes Silberpapier, zur Not aus gebrauchtem Schwarzbrotpapier hergestellt. Unter dem Weihnachtsbaum stand die Krippe, ein selbst gebastelter Holzstall mit bunten Tonfiguren. Von uns wurden Josef und Maria mit Kind, Lämmer, Ochs und Esel jedes Jahr aufs Neue angehimmelt, wenn wir sie vorsichtig auf dem mit Moos ausgelegten Boden stellen durften. Am Zweiten Weihnachtstag ging es stets auf „Schusters Rappen“ über fünf Kilometer durchs Laumoor in Benteler zu meinen Großeltern im Grenzbereich von Benteler und Mastholte, in der Nachbarschaft des landwirtschaftlichen Anwesens Große Wietfeld. Der Weihnachtsbaum meiner Großeltern – er stand stets im besten Zimmer, da roch es immer etwas muffelig, denn es wurde nur an den Feiertagen genutzt – war völlig anders geschmückt, als der bei uns. An ihm waren bunte Kugeln und Ketten angebracht und mehrere gläserne Vögel hockten im Tannengezweig.

Farbige Spirale

 Alle Jahre wieder nahm ich diese Weihnachts-Paradiesvögel erst einmal unter die Lupe. Die Wachskerzen, sie waren wie Spiralen gedreht und ebenfalls recht farbenfroh. Manchmal kam mir der etwas abwegige Gedanke, wenn eine Kerze mal den Halt verlöre und ins Geäst fallen würde, ob der Baum wohl brennen würde? Meine Frage blieb unbeantwortet, denn Oma passte auf wie ein Luchs und verfolgte jede unserer Bewegungen in der Nähe des Baumes mit Argusaugen.“

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