10.000 Euro: Bahr zahlt per Scheck
Bild: Grujic
Am Ende sind alle Beteiligten die Gewinner: (v.l.) Berthold Lönne (Bürgerstiftung), Lars Schnippering (Vertriebsleiter Max Bahr), Klaus Großmann (Marktleiter von Max Bahr in Rheda-Wiedenbrück), Bettina Windau (Bürgerstiftung), Maximilian Prinz zu Bentheim-Tecklenburg, Bürgermeister Theo Mettenborg, Rechtsanwalt Dr. Paul Hoffmann und Kanzleidirektor Albrecht Wrede vor dem Rhedaer Schloss.
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Berthold Lönne, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, brachte es auf den Punkt: „Eine billigere und bessere Werbung hätte es für die neue Baumarktfiliale gar nicht geben können.“ In der ganzen Stadt sei das Thema tagelang kontrovers diskutiert worden, pflichtete ihm Albrecht Wrede, Direktor der Fürstlich zu Bentheim-Tecklenburgischen Kanzlei, bei. Und Schlossherr Maximilian Prinz zu Bentheim-Tecklenburg ließ sich zu der Vermutung hinreißen, dass die unerlaubte Verwendung des Adelssitzes als Plakatmotiv westfalenweit Wellen geschlagen habe.

Am Ende der Provinzposse um das gelb getünchte Schloss waren alle zufrieden: Lars Schnippering, Vertriebsleiter der Baumarktkette Max Bahr, weil sich das Hamburger Unternehmen außergerichtlich mit dem Fürstenhaus einigen konnte.

Hintergrund

Alles andere als erfreut war das Rhedaer Fürstenhaus, als Ende Februar in Rheda-Wiedenbrück und den umliegenden Städten 170 Plakate mit dem Bild des Schlosses auftauchten. Die Fotomontage zeigte einen Mann auf einer Leiter, der den Adelssitz gelb anstrich. Mit ähnlichen regional unterschiedlichen Motiven hatte die Baumarktkette Max Bahr bundesweit die Übernahme zahlreicher ehemaliger Praktiker-Filialen beworben. Stein des Anstoßes für Maximilian Prinz zu Bentheim-Tecklenburg war die Tatsache, dass das Foto vom privat genutzten Teil des Schlossparks aufgenommen worden war. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts untersage jedoch eindeutig die Verwendung von Bildern zu Werbezwecken, die von privatem Grund und Boden geschossen wurden. In diesen Fällen sei zwingend die Zustimmung der Eigentümer einzuholen, was Max Bahr unterlassen habe.

Prinz Maximilian, weil nun „ein für alle Mal geklärt ist, dass das Schloss für Werbezwecke nur mit unserer ausdrücklichen Zustimmung genutzt werden darf und Nachahmern von vornherein der Wind aus den Segeln genommen wurde“. Und Bettina Windau, Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, weil mit der Spende der Baumarktkette in Höhe von 10.000 Euro viel Gutes bewirkt werden kann. Das Geld soll größtenteils in den Bildungsfonds der Stiftung fließen, der die Frühförderung von Jungen und Mädchen in Kindergärten unterstützt. Bettina Windau: „Wir sorgen dafür, dass die Hilfe gezielt und unbürokratisch ankommt.“

Das Fürstenhaus hatte die Spende an eine gemeinnützige Organisation der Doppelstadt zur Bedingung für die außergerichtliche Einigung mit der Baumarktkette gemacht. Darüber hinaus musste sich die Firma Max Bahr verpflichten, das Schloss auf Werbematerialen aller Art in Zukunft nicht mehr zu verwenden. „Bei Zuwiderhandlungen wird eine Vertragsstrafe von jeweils 5000 Euro fällig“, erläuterte Rechtsanwalt Dr. Paul Hoffmann, der die Rhedaer Adelsfamilie in dem Fall vertreten hatte.

„Wenn es nach mir geht, darf Max Bahr die ganze Stadt gelb anmalen“, scherzte Bürgermeister Theo Mettenborg. Denn weitere Spenden der Baumarktkette, die Mitte März die ehemalige Praktiker-Filiale an der Hauptstraße übernommen hatte, seien immer gerne gesehen.

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