18 Stadtwächter mit Kanone
Nur mit Platzpatronen schießt die Kanone der alten Wiedenbrücker Stadtwache.

 Allerdings müssen die Mitglieder der Wache die Bewohner heutzutage nicht mehr vor fremden Eindringlingen schützen. Sie sind vielmehr eine Erinnerung daran, welche Bedeutung diese „Garde“ einst für die Stadt besaß.

Wer in den vergangenen Jahren aufmerksam beim Festumzug der Sebastianer zugeschaut hat, wird sich mitunter verdutzt die Augen gerieben haben. Zwischen all den uniformierten Schützen und weiteren Gästen stach eine Gruppe heraus: die alte Stadtwache Wiedenbrück. Mit ihren roten Gewändern, den Hüten mit wallenden Federn und ihren am Gürtel befestigten Schwertern sahen sie so ganz anders aus als alle anderen.

„Wie die Stadtwache aussehen sollte, belegt ein altes Schreiben des Bischofs von Osnabrück aus dem Jahr 1604“, erklärt Willi Pierenkemper, „Obbermann“ und damit auch Chef der Abteilung. Der Geistliche hätte sich damals gewünscht, dass die Wiedenbrücker Wachmitglieder ihn mit roten Hosen und Mänteln vor den Toren der Stadt abholten, berichtet Pierenkemper. „Weil die Sachen zumeist kaputt waren, haben wir zudem schwarze Streifen auf unseren Uniformen als sichtbaren Kontrast.“

Die Bekleidung ist jedoch nicht die einzige Besonderheit der historischen Stadtwache. Auch die Kanone, die sie während des Umzugs und bei weiteren Veranstaltungen dabei haben, weckt großes Interesse. „Es gibt häufig spontanen Szenenapplaus und vor allem die Kinder wollen die Kanone immer anfassen“, sagt der Anführer der Gruppe, die am Anfang zwölf ausschließlich männliche Mitglieder umfasste. Im Jahr 2008 sind sechs Frauen – das „Weibsvolk“, wie es genannt wird – aufgenommen worden.

Mehr als die aktuell 18 Mitwirkenden sollen es in Zukunft nicht werden. „Es sollte doch etwas Besonderes bleiben“, betont Pierenkemper. Er sieht in der Wiederbelebung auch eine Rückbesinnung an die längst vergangenen Zeiten: „Wir wollen damit die Geschichte unseres Vereins auch wieder ein Stück weit aufleben lassen.“ Und so soll auch an das Jahr 1646 erinnert werden, als die Schützen während des Dreißigjährigen Kriegs die Emsstadt bewachten. „Der damals zuständige Kommandant, Balduin von Reumont, war mit Helfern ins besetzte Paderborn gereist, um es von den Hessen zu befreien“, erläutert Adolf Eustermann, Major des Vereins. „Heute könnten wir die Stadt mit unserer Kanone nicht mehr beschützen“, sagt er. „Wir könnten höchstens ein paar Tauben verjagen.“

Mehr darüber zu lesen gibt es in der „Glocke“ am Freitag.

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