40-Meter-Schlot ist nur noch Schutt
Bild: Nienaber
Vom Winde verweht: In Form von zentnerschweren Bruchstücken, einzelner Ziegel und reichlich Staub fiel der Schlot auf dem Gelände der früheren Firma Pflug am Donnerstag nach und nach in sich zusammen. Das Unternehmen Landwehr war dem einst stolzen Schornstein mit einem 40-Tonnen-Seilbagger samt „Bombe“ zu Leibe gerückt.
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Lediglich der stillgelegte Schlot zeugte von der Blütezeit des Unternehmens. Nun ist auch er Geschichte.

Mehr als drei Tonnen wiegt die Stahlkugel, mit der Dimitri Kuwschinow dem 40 Meter hohen Schornstein zu Leibe rückt. Die „Bombe“, wie das Abrisswerkzeug in der Fachsprache heißt, hängt an einem Stahlseil, das der Mitarbeiter der Firma Landwehr mit einem 40-Tonnen-Seilbagger hin und her schwingen lässt. Berührt die Kugel den einst so stolzen Schlot auch nur ansatzweise. Standhalten kann er den ungeheuren Kräften nicht. Meter für Meter schrumpft das Bauwerk zusammen, bis nur noch ein wenige Meter hoher Stump zurückbleibt. „Den Rest erledigt der Raupenbagger“, sagt Projektleiter Stefan Kleinelümern.

Letztes Gebäude auch das höchste

Das höchste ist gleichzeitig auch eines der letzten Gebäude, die im Zuge des Abrisses der früheren Möbelfirma dem Erdboden gleichgemacht werden. Seit November sind die Mitarbeiter des Herzebrocker Abrissunternehmens damit beschäftigt, das 22.000 Quadratmeter große Areal, von dem einst 16.000 Quadratmeter bebaut waren, freizuräumen. „Wir haben uns von innen nach außen gearbeitet, um die schützenden Außenwände der Hallen möglichst lange stehen zu lassen“, sagt Stefan Kleinelümern. Eine gute Entscheidung, wie er meint, da sich der Ort des Geschehens inmitten einer dicht bebauten Wohngegend Wiedenbrücks befindet.

Sprengung keine Alternative

Auch die Art, wie dem Schlot der Garaus gemacht wurde, habe einen Hintergrund, sagt der Vorarbeiter. „Eine Sprengung hätte zu starke Erschütterungen mit sich gezogen. Von daher standen nur eine geordnete Fällung, ein Abtragen und das Umstoßen auf althergebrachte Weise zur Diskussion. Für Letzteres habe man sich aus Zeitgründen entschieden. Kaum eine Stunde hat es schließlich gedauert, bis von dem 40-Meter-Riesen nur noch ein Schutthaufen blieb.

Während der Seilbagger lediglich für den Abriss des Schlots per Sattelschlepper herangekarrt wurde, sind zwei Raupen- und ein Radbagger seit Wochen Stammgäste auf dem Gelände, auf dem in Zukunft ein innenstadtnahes Wohngebiet entstehen soll. Bis zu zehn Lkw-Ladungen Abräummaterial, getrennt nach Stahl, wiederverwertbarem Leichtbeton, Holz und Bauschutt, fährt das Unternehmen täglich ab.

Altlasten nicht ausgeschlossen

Bis das Gelände komplett frei liegt, wird es aller Voraussicht nach noch etwas dauern. Nach den oberirdischen Arbeiten steht für Stefan Kleinelümern und seine Kollegen die Beseitigung der Fundamente sowie abschließende Erdarbeiten an. Letztere könnten sich nach Aussage des Projektleiters hinziehen. „Die Abrissgenehmigung sieht ausdrücklich eine gutachterlich betreute Bodensanierung vor“, sagt Stefan Kleinelümern. Es sei nicht auszuschließen, dass man dabei auf Altlasten stoße, deren Beseitigung den Abrissprozess in die Länge ziehen könnte.

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