Abschaffung der Praxisgebühr begrüßt
Bild: Wille
Entlastung für die Patienten: Ab dem 1. Januar muss Sprechstundenhilfe Stefanie Hornberg keine zehn Euro mehr einfordern.
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„Die Abschaffung der Praxisgebühr ist eine erhebliche Erleichterung für die Sprechstundenhilfen“, erklärt Dr. Klaus Giesen, Allgemeinmediziner aus Wiedenbrück. Seiner Auffassung nach hat die Einführung der Praxisgebühr nicht ihren Sinn erfüllt: „Ziel war es, die Patienten von häufigen Arztbesuchen abzuhalten. Das ist jedoch nicht eingetreten. Die Leute, die chronisch krank sind oder einen Krankenschein brauchen, kommen sowieso in die Praxis.“ Dr. Giesen meint: „Die Politik hat etwas getan, was nicht im Sinn der Bürger und Patienten, sondern nur der Krankenkassen war.“

Für die Abschaffung der Praxisgebühr spricht sich auch Dr. Maria Hornberger aus: „Wir begrüßen das. Wir wollen nicht weiter im Namen der Krankenkassen abkassieren“, betont die praktische Ärztin aus Wiedenbrück. Dennoch sei es „für das Wohl der Patienten“ weiterhin wichtig, dass diese sich ihre Facharzt-Überweisungen beim Hausarzt holen. „Der Hausarzt sollte über alle Arztbesuche Bescheid wissen, so dass eine optimale Behandlung gewährleistet werden kann“, sagt sie.

Auch in Krankenhäusern wird ab dem 1. Januar die Notfall-Gebühr in Höhe von zehn Euro wegfallen. Dr. Georg Rüter, Geschäftsführer des St.-Vinzenz-Hospitals in Wiedenbrück, erklärt, dass diese Gebühr zu einem hohen Verwaltungsaufwand geführt habe: „Gerade bei einem Notfall war es schwierig, die zehn Euro von den Patienten zu bekommen. Menschen, die einen Unfall hatten und schnellstmöglich in die Notaufnahme mussten, haben natürlich nicht daran gedacht, zehn Euro in der Tasche zu haben. Dann mussten wir Rechnungen ausstellen – mit allen dazugehörigem Aufwand.“

Dennoch spricht sich der Krankenhausmanager gegen die Abschaffung der Praxisgebühr aus: „Die Krankenkassen haben jährlich zwei Milliarden Euro durch die Praxisgebühr eingefahren. Wenn diese Einnahmen wegfallen, werden die Krankenkassen in finanzielle Nöte kommen. Ich halte die Abschaffung für kurzsichtig und grob fahrlässig“, betonte Dr. Rüter.

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