Aktivisten protestieren bei Tönnies
Foto: Guido Kirchner/dpa
Vier Aktivisten vom „Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ haben am frühen Samstagmorgen ein Dach der Firma Tönnies besetzt und von dort ein Transparent mit der Aufschrift: „Shut down Tierindustrie“ aufgehangen. Links steht ein Mitarbeiter der Tönnies Security auf dem Treppenaufgang zum Dach.
Foto: Guido Kirchner/dpa

Vier Aktivisten des Bündnisses „Gemeinsam gegen die Tierindustrie“ hatten auf dem Dach des Betriebes ein Plakat gezeigt, weitere Demonstranten hatten Zelte in der Einfahrt des Fleischbetriebs aufgebaut und diese blockiert, hieß es. In einer Erklärung forderte das Bündnis, der aktuell wegen zahlreicher Coronavirus-Infektionen unter den Mitarbeitern stillgelegte Schlachthof müsse dauerhaft geschlossen bleiben. Nach Angaben eines Reporters der Deutschen Presseagentur (dpa) hatten sich einige der Protestierenden mit Fahrradschlössern zusammengekettet. Die Polizei sprach am Morgen von insgesamt etwa 25 Aktivisten, später von 17. 

Die Gruppe hat am Montag weitere Aktionen, darunter einen bundesweiten Protesttag, unter dem Motto „Shut down Schweinesystem – Gegen Rassismus, Leiharbeit und Lohndumping" angekündigt.

Söder für mehr Agrar-Ökologie

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) machte sich indes in einer Videobotschaft für kleinere Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland stark. „Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus - das könnte doch ein Weg sein für die Zukunft“, sagte der 53-Jährige. Er forderte derweil mehr Geld für die Landwirtschaft, „aber für eine Wende hin zu mehr Agrar-Ökologie“, sagte Söder. Die Landwirte müssten mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. Viele Bürger seien auch bereit, dann mehr Geld auszugeben. „Es soll so sein, dass Fleisch nicht unendlich teuer wird, es soll für jeden erschwinglich sein.“

In dem Tönnies-Standort hatte sich das Coronavirus so weit verbreitet, dass regional strenge Beschränkungen für die Bevölkerung der Kreise Gütersloh und Warendorf verhängt wurden. Die Fälle von Infektionen in Schlachtbetrieben warfen ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen und Werksverträge in der Branche. Nach Angaben der Stadt Rheda-Wiedenbrück waren bei einer Reihenuntersuchung unter den 6139 Betriebsangehörigen von Tönnies (Stand 21. Juni) mit 1413 etwa 23 Prozent positiv auf Corona getestet worden. Die Stadt spricht vom größten einzelnen Ausbruchsgeschehen in Deutschland.

Weitere Versammlung am Mittag

Die Demonstranten hatten sich einer Pressemitteilung der Polizei Bielefeld zufolge gegen 4.30 Uhr auf dem Gelände vor dem Haupteingang von Tönnies im Rahmen einer nicht angemeldeten Versammlung getroffen. Um 11.30 Uhr begann laut Polizei eine weitere Versammlung, die ordnungsgemäß angemeldet worden war und mit der nicht angemeldeten Aktion nichts zu tun hat. Vor der Fabrik demonstrierten zu diesem Zeitpunkt nach Augenzeugenberichten knapp 100 Personen gegen die Tierindustrie. Diese Versammlung verlief friedlich.

Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU) war mittags ebenfalls vor Ort und hat mit Medienvertretern sowie Demonstranten gesprochen.

Die Polizei forderte die Teilnehmer der nicht angemeldeten Versammlung gegen 12.40 Uhr auf, sich der ordnungsgemäß angemeldeten Demo anzuschließen, hieß es am

 Nachmittag. Die meisten Demonstranten kamen demnach der Aufforderung nach. Wenige, die sich der anderen Versammlung nicht hätten anschließen wollten, hätten einen Platzverweis erhalten, dem sie auch nachgekommen seien. Die angemeldete Demo sei gegen 13.50 Uhr von der Versammlungsleiterin ohne besondere Vorkommnisse beendet worden.

Drei Frauen, die auf das Dach des Werksgebäudes geklettert waren, seien zwecks Identitätsfeststellung in Gewahrsam genommen und zur Polizeiwache Gütersloh gebracht worden, teilten die Beamten weiter mit. Der an der Aktion beteiligte Mann habe sich im Verlauf der angemeldeten Versammlung, der sich die vier Aktivisten angeschlossen hatten, einer Personenkontrolle durch die Polizei entziehen können. Es sei ein Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und wegen Hausfriedensbruchs eingeleitet worden.

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