Alltagsmenschen vom Leben gezeichnet
Bild: Marvin Feldmann
100 Prozent Handarbeit steckt in jedem der Alltagsmenschen, die ab Sonntag, 29. März, an vielen Stellen in der Wiedenbrücker Innenstadt zu bewundern sind. Lechner-Mitarbeiterin Bettina Bülow-Böll bereitet die Figuren auf ihren nächsten Einsatz vor.
Bild: Marvin Feldmann

Zum runden Geburtstag der beliebten Freiluftausstellung hat sich Künstlerin Christel Lechner aus Witten eine ganz besondere Überraschung für die Fans der putzigen Betonfiguren einfallen lassen: In den vergangenen Monaten ist eine siebenköpfige Skulpturengruppe entstanden, die den Namen „Himmelwärts“ trägt und speziell auf Wiedenbrück zugeschnitten ist. Zu finden sind die Alltagsmenschen mit direktem Bezug zur Emsstadt in Kürze auf dem Marktplatz.

Schutz vor neugierigen Blicken

Weitere Details zu ihrer neuesten Arbeit verrät Christel Lechner nicht – die Spannung soll bis zum Start der zehnten Ausstellung anlässlich des Bürger- und Vereinemarkts am Sonntag, 29. März, erhalten bleiben. Auch ein Besuch des Lechnerhofs am Rand des unteren Sauerlands, den die Künstlerin in ein riesiges Atelier umfunktioniert hat, ist diesbezüglich nicht besonders aufschlussreich: Die meisten der sieben Figuren werden mit Decken und Planen vor neugierigen Blicken geschützt.

Gekonnt in Szene gesetzt

Unter den etwa 70 Alltagsmenschen, die bis weit in den Spätsommer hinein in der Innenstadt zu sehen sind, befinden sich auch zahlreiche alte Bekannte. Die Figuren überwintern Jahr für Jahr in einem Geheimversteck bei Wiedenbrück und werden für die Ausstellung zumeist an wechselnden Orten in der City vom Aufbau-Team der Firma Effertz gekonnt in Szene gesetzt. Alltagsbeobachtungen, banale Begebenheiten und ganz gewöhnliche Menschen dienen Christel Lechner als Vorlage.

Gegen den Schönheitswahn

Modelmaße und faltenfreie Gesichter haben die wenigsten ihrer Alltagsmenschen. Damit tritt die Künstlerin ganz bewusst dem weit verbreiteten Schönheitswahn entgegen: „Gesichter, die eine Geschichte zu erzählen haben, sind viel spannender als ein perfekter Teint und eine makellose Haut“, sagt sie. Das Konzept kommt an – nicht nur in Wiedenbrück erfreuen sich die Alltagsmenschen einer stetig wachsenden Fangemeinde.

Kaum Schäden durch Vandalismus

Über Schäden durch Vandalismus muss sich Christel Lechner nach eigenen Angaben selten ärgern: Noch nie sei eine ihrer Figuren durch Graffitisprayer verunstaltet worden. Der Grund dafür ist naheliegend: Die treu bis verträumt dreinschauenden Alltagsmenschen muss man einfach lieb haben.

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