Alltagsmenschen zurück in Wiedenbrück
Bild: Sudbrock
Rückkehr aus dem Winterquartier: Die Alltagsmenschen der Künstlerin Christel Lechner sind wieder da. Vor der Bäckerei Sudbrock an der Hauptstraße in Wiedenbrück erwartet die Besucher der Freiluftausstellung die neu zusammengestellte Figurengruppe „Heimat“.
Bild: Sudbrock

„Auf zu neuen Ufern“ lautet der Titel der 14. Alltagsmenschen-Saison in der Emsstadt. Dabei ist der Titel durchaus doppeldeutig zu verstehen: Nicht nur die mitunter neuen Konstellationen, in denen sich die Alltagsmenschen seit Dienstag an 20 Stellen in Wiedenbrück zeigen, signalisieren Aufbruchstimmung. Auch die Positionierung der Figurengruppe „Pause“ auf der schmalen Landzunge zwischen Ems und Emssee unweit des Konrad-Adenauer-Platzes kann als Hinweis darauf gedeutet werden, dass sich in dem Bereich demnächst baulich etwas tut: Denn die Installation der Sitzstufenanlage ist beschlossene Sache. Die Realisierung steht für die nächste Zeit an.

Durchschnittsgewicht: 95 Kilogramm

„Noch lassen sich diese im Schnitt 95 Kilogramm schweren Herrschaften nicht von der Emstreppe aus bewundern“, sagt Ausstellungskoordinatorin Ute Ehlert von der Burckhard-Kramer-Stiftung. „Trotzdem werden sie sicherlich für viele Rad- und Bustouristen zum beliebten Zwischenstopp werden.“

Dass die lustige Kaffeerunde alle Blicke auf sich zieht, war bereits während der Aufstellung der Figurengruppe durch das heimische Gerüstbauunternehmen Ferdinand Effertz zu beobachten. Als am Vormittag zunächst nur die grüne Plattform auf der Emsinsel in Position gebracht worden war, fragte sich mancher Anwohner, ob das womöglich schon ein erster Versuchsballon für die Emstreppe sein könnte.

Tipps

Die Alltagsmenschen sind zurück. Diesmal sind sie bis zum 22. September an 20 Stellen im Herzen der historischen Innenstadt anzutreffen. Die Figuren und ihre Standorte im Überblick: „Franziskaner, vier Nonnen“ (Marienkirche), „Großes Tanzpaar“ (Ecke Mühlenwall), „St. Aegidius“ (Drostenweg), „Horrido“ (Pfarramt St. Aegidius, Kirchplatz), „Pause“ (Emsinsel), „Männer“ (Marktplatz), „Hamburger Paar“ (Marktplatz), „Das Schwein Eberhard“ (Wichernstraße), „Wiedenbrücker Original“ (Kirchstraße), „Sonnenanbeter“ (Hauptstraße), „Ariadne“ (Hauptstraße), „Heimat“ (Hauptstraße), „Grauer Mann und Frau mit grünem Kleid“ (Lange Straße), „Frau mit Hund“ (Lange Straße), „Tanz in den Morgen“ (Lange Straße), „Peter mit Heidi und Clara“ (Auf der Schanze), „Himmelsgucker“ (Klingelbrink), „Der Lesende mit Vera“ (Klingelbrink), „Heimatfrau mit Intellektuellem“ (Klingelbrink) und „Einkaufsfrauen“ (Wasserstraße).

Nachdem die Alltagsmenschen der Wittener Bildhauerin Christel Lechner einige Stunden später folgten, war jedoch klar: Hier wollen es sich in Sichtweite zum Seecafé sechs pummelige Betonskulpturen bei Kaffee und Kuchen einen Sommer lang gut gehen lassen. Ihren persönlichen Konditor, der stets süßen Nachschub produzieren kann, haben sie übrigens direkt mitgebracht. Er ist – na klar – auch ein Alltagsmensch.

Heimat ist für jeden etwas anderes

Vor der Bäckerei Sudbrock an der Hauptstraße haben sich Vertreter unterschiedlicher Alltagsmenschen-Gruppen zur neuen Formation „Heimat“ zusammengefunden. Für Christel Lechner ist das Wort ein vielsagender Begriff: „Mit Heimat verbindet jeder etwas anderes.“ Fest stehe, dass ihre Skulpturen in Wiedenbrück längst Wurzeln geschlagen haben.

Älter geworden - und weiser

„Wir alle sind mit den Alltagsmenschen ein Stück älter geworden“, sagt Christel Lechner mit Verweis darauf, dass die Freiluftausstellung in Wiedenbrück bereits seit 2005 läuft. Das von vielen gemiedene Wort ist für die Bildhauerin, die in Witten ihr Atelier hat, aber keineswegs negativ besetzt. „Alter hat immer auch etwas mit Lebenserfahrung und Angekommensein zu tun“, sagt die Künstlerin. Ihr Ziel, das sie mit den Alltagsmenschen verfolgt, hat sich über die Jahre indes nicht geändert: „Es geht um eine Art Selbstspiegelung des Betrachters. Und dafür will ich die Menschen dort abholen, wo sie gerade sind. In typischen Alltagssituationen eben.“

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