Alten Menschen Zuwendung schenken
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Einfühlungsvermögen gehört zu den wichtigen Anforderungen, die in der Altenpflege Menschen beherrschen müssen.
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Gemeinsam mit seinen Kollegen pflegt er alte Menschen. Sie sind bei ihrer Arbeit zugleich bemüht, den guten Ton zu pflegen, denn ihr Anspruch ist es, Menschen in der letzten Phase ihres Lebens mit Würde zu behandeln und deren Wünsche zu erkennen. „Ein Bewohner hatte einmal den Wunsch geäußert, dass er gerne wieder Pommes essen würde“, nennt André Diecks ein Beispiel. Einer seiner Kollegen habe nicht lange gezögert und den alten Mann nach Feierabend mit den Kartoffelsticks versorgt.

Moderner Pflegeberuf setzt viel voraus

„Solche Mitarbeiter muss man pflegen“, sagt André Diecks. Sie seien es, die auch in Zeiten von Geldknappheit und Effizienzdruck menschliche Wärme garantieren. Körperpflege, An- und Ausziehen, Essen reichen und Verbandswechsel – das sind die klassischen Felder der Altenpflege. Der moderne Pflegeberuf setze heute aber viel mehr voraus, sagt André Diecks. Beratung, Prophylaxen, soziale Betreuung, Spritzen setzen, in Pharmakunde fit sein, Bettlägerige auch mit Rücksicht auf die eigene Rückengesundheit richtig bewegen, EDV-Kenntnisse, sicherer Umgang mit der Dokumentation – alles das müsse ein Pfleger heute können. „Allein über 30 unterschiedliche Lernbereiche gibt es während der dreijährigen Ausbildung“, berichtet der Pflegedienstleiter in dem Haus des Vereins katholischer Altenpflegeeinrichtungen (VKA).

Auf die Wünsche der Bewohner eingehen

Die Pflege habe sich in den vergangenen Jahren immer mehr professionalisiert – und auch emanzipiert. André Diecks sagt: „War man früher eher ,Erfüllungsgehilfe‘ des Arztes, wird der Pflege heute zugestanden, in bestimmten Bereichen am besten Bescheid zu wissen. Etwa wenn es um die Vorbeugung von Druckgeschwüren bei Bettlägerigen oder die Vermeidung von Stürzen geht.“

Das Menschenbild in der Pflege habe sich über die Jahrzehnte radikal geändert, meint Pflegedienstleiter André Diecks. „Früher mussten sich die Bewohner den Einrichtungen anpassen, heute bestimmen die Wünsche der Bewohner den Alltag im Altenheim“, sagt er. „Früher hieß es: 7 Uhr aufstehen. Heute fragen wir: Wann möchten Sie morgen aufstehen?‘“

Einfühlungsvermögen gefragt

Die Bewohner würden als Individuen betrachtet, deren Fähigkeiten und deren Selbstständigkeit die Pflege fördern und erhalten sollen. Dazu ist es laut Diecks wichtig, einen pflegebedürftigen Menschen nicht auf seine Krankheiten zu reduzieren, sondern ihn aus einer „ganzheitlichen Perspektive“ zu betrachten. Um den Beruf gut zu machen, müsse man persönlich gefestigt sein, informiert Diecks. Schicksale, mit denen man konfrontiert wird, seien oft nicht leicht zu verarbeiten. „Vor allem aber muss man professionell kommunizieren können“, sagt der Fachmann. Man müsse jederzeit in der Lage sein, sich in die Lebenswelt der alten Leute hinein zu fühlen, auf diese zugehen und mit ihnen reden zu können. Zudem gelte es, auch auf der nonverbalen Ebene die Bedürfnisse des Pflegenden zu erkennen.

Zeit und Geld knapp

Weil Zeit und Geld knapp sind, und es trotzdem Raum für Zuwendung geben muss, „verlangt man den Pflegenden einen Menge Flexibilität ab“, sagt Diecks. „Wenn wir bei einem Bewohner sehen, er braucht heute besonders viel Zuwendung, heißt das: Man muss einen Kollegen rufen und ihn bitten, bestimmte Arbeiten zu übernehmen.“ Er ist dankbar dafür, dass viele seiner Mitarbeiter „aus Überzeugung unkompliziert bereit sind, auch mal länger zu machen“.

Nachwuchs-Problem

Es macht Diecks dagegen nachdenklich, dass die Budgets in der Altenpflege immer knapper bemessen werden. Er wünscht sich, dass sich das Nachwuchs-Problem etwas entschärft. Angesichts der demografischen Entwicklung habe man „traumhafte Berufsaussichten“. Außerdem gebe es eine Vielzahl an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, bis hin zu pflegebezogenen Studiengängen. Dennoch hapert es. „Ich glaube, das muss auch über die Bezahlung gehen. Das allerdings geht nur, wenn Politik und Gesellschaft auch bereit sind, mehr Geld in das deutsche Pflegesystem zu stecken“, sagt er. Dann würden sich sicherlich auch wieder mehr Männer für den Beruf des Altenpflegers interessieren. 90 Prozent der Beschäftigten seien Frauen. André Diecks: „Mehr Männer wären auch fürs Team gut. Und es ist für einen alten Herrn sicherlich auch toll, mal über klassische Männerthemen wie Fußball zu sprechen.“ Vielleicht bei einer Schale Pommes und einem Bierchen.

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