Altstadt zum Fest im Rampenlicht
Bild: Dresmann
Die drei mit dem Holzschuh: (v.l.) Heimatvereinsvorsitzender Professor Dr. Ernst Albien, Bürgermeister Theo Mettenborg und „Altstadtbürgermeister“ Klaus-Dieter Weiner.  
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Es ist der ganz besondere Charme der engen Altstadtgassen mit ihren teilweise mehrere 100 Jahre alten Häusern, der dieses Fest ausmacht. Und wenn dann noch, wie in der Handwerkergasse geschehen, Jahrhunderte alte Traditionen präsentiert werden, ergibt das alles eine Symbiose, um die Rheda jeder beneiden kann, nein jeder beneiden muss. Das gibt sogar die „Ur-Wiedenbrücker“ Familie Leiwes zu. Die Kaffeeröster waren der Einladung des Heimatvereins gefolgt und zeigten an ihrem Stand erstmalig, wie in Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg noch Kaffee geröstet wurde, „zum Beispiel mit diesem Pfannenröster“, erläuterte Hubert Leiwes. Natürlich sei diese Art der Röstung mit der Qualität heutiger Tage nicht mehr zu vergleichen, „denn diese Bohnen hier sind zum Beispiel oben dunkler als unten“, wusste Tilman Leiwes. Seine früher mit Holz und heute mit Gas beheizten Pfannenröster zogen zum Fest in Rhedas guter Stube zahlreiche Besucher an. Familie Leiwes durfte somit viele Fragen beantworten und am Stand nebenan den Kaffee direkt ausschenken.

Für ausreichend Nachschub, auch von kühlen Getränken, ist beim Altstadtfest sowieso gesorgt. Nach zwei Jahren war erstmals wieder der Doktorplatz mit seinen Kneipen und Cafés stärker ins Geschehen eingebunden. „Wir konnten uns mit den Wirten über eine Kostenbeteiligung einigen“, unterstrich der Vorsitzende der Altstadtinitiative Rheda, Klaus-Dieter Weiner, im Gespräch mit der „Glocke“. „So war für uns eine stärkere Einbindung wieder möglich“, sagte der „Altstadtbürgermeister“ weiter. So wanderte auch die Eröffnung am Samstagmittag wieder vom Rathausparkplatz auf den optisch wesentlich attraktiveren Doktorplatz. Zum Startschuss hatte Bürgermeister Theo Mettenborg als Zeichen der festen Verwurzelung der Initiative in Rheda einen Baum dabei, „den wir in den nächsten Tagen in der Altstadt zusammen pflanzen werden“, betonte Mettenborg. Seinem Altstadt-Pendant Weiner stellte das Stadtoberhaupt für die 35. Auflage des Feiermarathons weitreichende Machtbefugnisse über die Altstadt aus.

„Klompen“ an den Füßen

Zahlreiche Gäste kamen am Wochenende in Rhedas Innenstadt. Darunter der Stadtrat aus Rheda-Wiedenbrücks niederländischer Partnerstadt Oldenzaal mit Bürgermeister Theo Schouten an der Spitze. Beim Umzug durch die Altstadtgassen nahmen Maximilian Fürst zu Bentheim-Tecklenburg, Klaus-Dieter Weiner und Theo Mettenborg ihren niederländischen Freund in die Mitte. Heimatvereinsvorsitzender Professor Dr. Ernst Albien hatte Weiner und Mettenborg zur Freude der niederländischen Gäste passgenaue Holzschuhe besorgt. Mit den „Klompen“ in den Größen 43 (Weiner) und 47 (Mettenborg) an den Füßen machten sich die beiden auf den Weg durch die Altstadt. Albien trug seine Holzschuhe hingegen am Spazierstock über der Schulter. Während die fussballinteressierten Besucher am Verstärkeramtsstand am Radio mit den Bundesligaspielständen versorgt wurden, wartete die Kolpingsfamilie mit Waffeln in Herzform auf. Zusätzlich konnten sich die kleinen Besucher schminken und die großen sich die Schuhe wienern lassen. Von dem Schuhputzdienst machten nicht zuletzt auch zahlreiche ehrenamtliche von Feuerwehr und DRK gebrauch.

Beide Vereine rührten am Wochenende fleißig die Werbetrommel für neue Mitglieder. Eine Bereicherung für das 35. Altstadtfest war die Teilnahme des Heimatvereins aus Greven. Sie waren der Einladung der hiesigen Heimatfreunde gefolgt und bauten ihren Stand direkt gegenüber dem Leinewebermuseum auf. Anschaulich zeigten die Gäste aus dem Kreis Steinfurt, wie aus Flachs Stoff werden kann. „Den Flachs bauen wir selber an“, berichtete Carmelo Virga. „Vor allem viele ausländische Mitbürger sprechen uns immer wieder begeistert an“, sagte Mechthild Alfing, die am Spinnrad saß. Direkt neben den Grevenern leisteten die Mitglieder der Gemeinschaft für Natur und Umwelt (GNU) Aufklärungsarbeit. Dabei hatten sie einige Insektenhotels.

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