Amateure filmen Olympische Spiele 1936
Eindrücke von der Berliner Prachtstraße „Unter den Linden“ werden im Film „Olympia 1936 – Die Olympischen Spiele 1936 in privaten Filmaufnahmen“ von Emanuel Hübner gezeigt.

„Die Glocke“: Wie sind sie auf das Thema des Films gekommen?

Emanuel Hübner: Ich schreibe meine Doktorarbeit über das Olympische Dorf von 1936. Im Zuge der Recherche bin ich auf einen Filmsammler aus Gescher gestoßen, der Amateurfilme über die olympischen Ereignisse 1936 (Sommerspiele in Berlin, Segelwettbewerbe in Kiel und Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen) hatte. Und da bisher ausschließlich die offiziellen Filme von Leni Riefenstahl bekannt sind, dachte ich, dass das eine einmalige Chance ist, eine neue Perspektive zu zeigen.

„Die Glocke“: Wer waren damals die Amateurfilmer?

Hübner: Es waren zumeist besser gestellte Menschen, die sich das leisten konnten, zu den Spielen zu gehen und das dann auch noch zu filmen. Privatfotografie und Amateurfilme wurden im Dritten Reich zudem massiv gefördert. Das Material war deutlich günstiger als vor 1933. Und: Amateurfilme waren von keiner Zensur betroffen.

„Die Glocke“: Leni Riefenstahl wurde mit ihrem zweiteiligen Film „Fest der Völker“ und „Fest der Schönheit“ berühmt. Worin liegen die Unterschiede zwischen ihren Olympia-Filmen und dem Werk, das Sie jetzt angefertigt haben?

Hübner: In Riefenstahls Film, der übrigens vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Auftrag gegeben worden ist, werden die Athleten heroisch verehrt. Es geht rein um den Sport. In den Amateuraufnahmen sieht man auch Bilder vom drumherum bei der Olympiade, beispielsweise von der geschmückten Straße „Unter den Linden“, dem Lustgarten und dem Roten Rathaus. Die Amateuraufnahmen entmystifizieren die Spiele von 1936 ein Stück weit.

„Die Glocke“: Warum sind Amateuraufnahmen von den Olympischen Spielen 1936 so unbekannt?

Hübner: Die Menschen, die gefilmt haben, lebten zumeist in Großstädten. Diese wurden im Krieg dann stark zerbombt und damit wurden auch viele der Filme zerstört. Aber auch nach 1945 kamen viele Filme abhanden, weil man ihren historischen Wert nicht erkannt hat.

„Die Glocke“: Was war das Schwierigste bei Ihrer Arbeit zu dem Film?

Hübner: Der Film besteht aus mehr als 1200 Einzelszenen. Das Material musste ich erstmal sichten und einordnen, da die rund 30 Filme, die mir in digitaler Form vorlagen, teilweise kaum beschriftet waren. Ich musste also erst herausfinden, welcher Wettkampf es ist, um welche Sportart es sich handelt und einen erläuternden Sprechertext verfassen. Ich habe insgesamt ein Jahr an dem Film gearbeitet, der rund zwei Stunden dauert.´

Emanuel Hübner stellt seinen Film „Olympia 1936. Die Olympischen Spiele 1936 in privaten Filmaufnahmen“ am Freitag, 10. Februar, ab 19 Uhr im Pfarrheim von St. Clemens an der Wilhelmstraße in Rheda vor.

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