Amazon-Ansiedlung beschäftigt Stadtrat
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Das Internetkaufhaus Amazon hat ein Auge auf das interkommunale Gewerbegebiet Aurea geworfen. Während die CDU das Vorhaben kritisch sieht, wollen die übrigen Ratsfraktionen erst dann öffentlich Stellung beziehen, wenn es zur endgültigen Vertragsunterzeichnung gekommen ist. Das Bild entstand in der Lagerebene des Amazon-Logistikzentrums in Leipzig.
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Über die Auswirkungen einer Unternehmensansiedlung dieser Größenordnung – in Rede stehen ein Investitionsvolumen von mehr als 200 Millionen Euro und die Schaffung von bis zu 2000 Arbeitsplätzen – müsse öffentlich diskutiert werden, waren sich die Fraktionen einig. Das gelte vor allem mit Blick auf den Ausbau der örtlichen Infrastruktur, sagte Grünen-Fraktionschef Volker Brüggenjürgen. Die Frage, ob die Plätze in den bestehenden Schulen und Kindergärten sowie der zur Verfügung stehende Wohnraum ausreichen, müsse beispielsweise geklärt werden. Denn durch die Amazon-Ansiedlung sei mit dem Zuzug von Beschäftigten des weltweit agierenden Internetriesen und ihren Familien in Rheda-Wiedenbrück und Umgebung zu rechnen.

Grüne verärgert über CDU

Kritik übte Brüggenjürgen an CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Henkenjohann. Dieser hatte in einem „Glocke“-Bericht die Bedenken seiner Partei gegen den Bau des Logistikzentrums zum Ausdruck gebracht. Brüggenjürgen bezeichnete dies als „absolut nicht in Ordnung“. Es könne nicht sein, dass einzelne Fraktionen potenzielle Investoren bereits im Vorfeld einer Vertragsunterzeichnung bewerten.

„Höchst öffentliches Interesse“

Probleme damit, über „ungelegte Eier“ zu diskutieren, hatte SPD-Fraktionssprecher Dirk Kursim. Erst wenn definitiv feststehe, dass Amazon auf die Aurea kommt, mache eine politische Debatte über die damit verbundenden Auswirkungen Sinn. Uwe Henkenjohann verteidigte sein Vorgehen. Das Thema Amazon beschäftige viele Menschen in der Stadt. „Und sie erwarten von uns Politikern zurecht, dass wir uns nicht wegducken.“ Die Fragestellungen, die sich durch die Ansiedlung ergäben, gehörten öffentlich in den zuständigen Fachausschüssen des Rats behandelt. Henkenjohann: „Wir können uns nicht aus der Sache heraushalten und einfach auf den Aufsichtsrat der Aurea-GmbH verweisen.“ Auch Dirk Kamin (UWG) bescheinigte dem Thema ein „höchst öffentliches Interesse“.

Nach Informationen der „Glocke“ hat der US-amerikanische Projektentwickler IDI Gazeley die Option auf ein knapp 16 Hektar großes Grundstück auf Oelder Seite des Gewerbegebiets Aurea. Dort könnte das Amazon-Warenlager mit einer Grundfläche von 130.000 Quadratmetern entstehen. Der Aurea-Aufsichtsrat hat bereits Ende März grünes Licht gegeben. Die finale Vertragsunterzeichnung steht aber offenbar noch aus. Amazon wollte sich am Dienstag nicht äußern.

Mettenborg hüllt sich in Schweigen

In Schweigen hüllt sich auch Rheda-Wiedenbrücks Bürgermeister Theo Mettenborg. Er ist seit 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Aurea. Zu Vertragsverhandlungen und Inhalten der Aufsichtsratssitzungen könne er sich grundsätzlich nicht äußern. Nur so viel: „Wenn es einen Vertrag geben würde, hätte es auch längst eine öffentliche Stellungnahme gegeben.“

Richtig sei, dass der Projektentwickler IDI Gazeley seit sieben Jahren ein Optionsrecht für die Vermarktung der besagten 16-Hektar-Fläche besitze und es in der Vergangenheit immer wieder Anfragen unterschiedlichster Unternehmen gegeben habe.

Sollte es zur Amazon-Ansiedlung kommen, sei es denkbar, dass das Thema in den drei Aurea-Mitgliedskommunen Oelde, Rheda-Wiedenbrück und Herzebrock-Clarholz unterschiedlich bewertet werde. Grund dafür seien die jeweiligen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen, sagte Mettenborg.

Potenzial für vierte Erweiterungsstufe

Von der neuen NRW-Landesregierung wünscht sich Bürgermeister Theo Mettenborg die Möglichkeit, das interkommunale Gewerbegebiet Aurea um einen vierten Bauabschnitt zu erweitern. Infrage dafür kommt eine 25 Hektar große Fläche jenseits der Autobahn. An das Areal, das komplett auf Rheda-Wiedenbrücker Gebiet liegt, grenzt ein ausgedehntes Waldstück an. Im näheren Umfeld befinden sich zudem zwei Windräder. Voraussetzung für die Vergrößerung der Aurea an dieser Stelle sei die Aufnahme der Fläche in den Landesentwicklungsplan, sagt Mettenborg. Woanders gebe es für die Aurea keinen Erweiterungsspielraum, betont der Bürgermeister. „Zumindest nicht auf Rheda-Wiedenbrücker Territorium.“

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