Anklage bezieht Dekodolch mit ein
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Das Landgericht Bielefeld hat einen 42-jährigen aus Rheda-Wiedenbrück zu zweieinhalb Jahren Haft mit Anordnung des Maßregelvollzugs verurteilt. Der Mann hatte mit Rauschgift gehandelt – unter „Beiführung eines Dolchs“.
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Die mitangeklagte 42-jährige Ehefrau wurde freigesprochen. Damit schloss sich die Kammer, wie der Vorsitzende begründete, „komplett den rechtlichen Äußerungen der Verteidigung an“. Rechtsanwalt Martin Rother aus Gütersloh hatte das Schicksal der Mitangeklagten betont. Das Ehepaar lebte lange getrennt. Doch aus Mitleid nahm sie ihren Gatten, der wohnungslos war, 2014 wieder auf. Eine Entscheidung, die ihr zum Verhängnis werden sollte. Während sie als Schneiderin arbeiten ging, empfing er in ihrer Wohnung nachmittags „Kunden“, die bei ihm Betäubungsmittel kauften. Mit seinen Einnahmen habe er, davon geht das Gericht aus, ausschließlich seinen eigenen Rauschgiftkonsum finanziert.

Pech für die Schneiderin und den ausgebildeten Kaufmann: Bei einer Hausdurchsuchung wurde ein Dolch in der Küche entdeckt. Die Anklage bezog die Waffe mit ein: Beiden drohte damit wegen des Verdachts des bewaffneten Handelstreibens in nicht geringer Menge (100 Gramm Marihuana, 172 Gramm Amphetamine, 26 Ecstasy-Tabletten) eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren. Den Dolch, den sich der abergläubische Drogenabhängige zugelegt hatte, verstaute er unter seinem Bett. Nach einem Wasserrohrbruch legte er das verzierte Dekostück mit stumpfer Klinge jedoch in die Küche.

Verteidiger Martin Rother und sein Kollege Rolf Kramer legten sich gestern ins Zeug: Vor der zehnten Kammer bat Kramer, seinem Mandanten eine neue Chance mittels Therapieangebot zu geben. Rother argumentierte, seine Mandantin habe weder einen gemeinsamen Tatplan gehabt noch „Tatbeiträge“ geleistet. Sie habe indessen mehrfach ihren Ex aufgefordert, den Handel mit Betäubungsmitteln in ihrer Wohnung zu unterlassen. Dies habe er aber ignoriert. Bevor sie ihn wieder an die Luft setzen konnte, war die Polizei da. Er verbrachte acht Wochen in U-Haft, sagte gestern: „Da wurde mein Verstand wieder heller.“ Und: „Ich möchte einen echten Job.“ Der Maßregelvollzug anstelle eines weiteren Therapieanlaufs trifft den 42-Jährigen, der noch während seiner Bewährungszeit straffällig wurde, hart. Eine Gutachterin hatte jedoch gestern dem Gericht eine entsprechende Empfehlung nahegelegt.

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