Arzneimitteln im Abwasser den Kampf ansagen
Bild: Wassum
Auf dem Luftbild zeigt Abwasser-Betriebsleiter Wolf-Uwe Schneider, wo die neue vierte Reinigungsstufe des Klärwerks in Rheda entstehen soll.
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Mit 3,4 Millionen Euro an Fördermitteln wird gerechnet. Mit 220 000 Euro schlagen die in diesem Jahr anfallenden Planungskosten zu Buche. Die Inbetriebnahme ist für 2016 geplant. Es geht vor allem um Arzneimittelrückstände im Abwasser, die bislang alle mechanischen und biologischen Reinigungsstufen nahezu unbeschadet überstehen – und als Mikrobestandteile des geklärten Abwassers in der Ems landen. Und allein im Jahr 2012 hat die Jahresablaufmenge aus der zentralen Rheda-Wiedenbrücker Kläranlage 6,4 Millionen Kubikmeter betragen. Durch die Zugabe von Ozon kurz vor dem Ablauf in die Ems sollen künftig Mikroschadstoffe ausgefällt werden und sich letztlich im Klärschlamm wiederfinden. Schlamm, von dem übrigens zurzeit 13 000 Kubikmeter im Jahr in Rheda „produziert“ werden und der ausschließlich auf nord- und nordostdeutschen Feldern ausgebracht wird, wie Betriebsleiter Schneider informiert. Er geht aber davon aus, dass Klärschlamm in wenigen Jahren aufgrund verschärfter Bestimmungen nur noch verbrannt werden kann. Für die Belastung mit Mikroschadstoffen gebe es noch keine Grenzwerte, erläutert der Betriebsleiter, doch damit sei künftig zu rechnen. Gleichwohl gebe bereits die EU-Wasserrichtlinie den Klärwerksbetreibern auf, Vorsorge zu treffen. Für das Klärwerk in Rheda-Wiedenbrück sei die Elimination von Mikroschadstoffen „von besonderer Wichtigkeit“, betont Wolf-Uwe Schneider. Unterhalb der Einleitstelle in die Ems lägen drei Wasserschutzgebiete, in denen Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat betrieben werde: im Rhedaer Forst (in zirka drei Kilometer Entfernung), in Harsewinkel (etwa 13 Kilometer weit weg) und im Bereich des Wasserwerks Vohren (etwa 20 Kilometer entfernt). Übrigens: Die Stadtteile Batenhorst und St. Vit werden ausschließlich durch die Wasserversorgung Beckum aus dem Wasserwerk Vohren mit Trinkwasser beliefert, für Rheda wird in Vohren gefördertes Wasser beigemischt.

Gebührenerhöhung

In einer Machbarkeitsstudie hat sich die Ozonierung als die für Rheda-Wiedenbrück kostengünstigste Verfahrensvariante zur Mikroschadstoff-Eliminierung herausgestellt. Der Einsatz von Aktivkohle wäre die Alternative gewesen. Die Jahreskosten werden mit 704 000 Euro kalkuliert. Ein zwölf mal zehn Meter großes geschlossenes Gebäude mit Reaktionsbecken muss für die neue Reinigungsstufe errichtet werden. Dafür hat man im Osten des Klärwerkgeländes noch Platz gefunden. Bis zu 1000 Kubikmeter vorgereinigtes Abwasser könne pro Stunde mit dem farblosen und giftigen Ozon behandelt werden, erklärt Betriebsleiter Wolf-Uwe Schneider. Als Sauerstoff werde das Gas am Ende freigesetzt. Aber nicht alles, was an Arznei und Diagnosemitteln im Abwasser lande, sei einfach herauszufiltern. Röntgenkontrastmittel zum Beispiel ließen sich nur schwer oder nur in geringem Umfang reduzieren. Hingegen lasse sich Diclofenac, das in Schmerzmitteln verwendet wird, schon mit geringen Ozon-Dosierungen um über 95 Prozent aus dem Abwasserstrom entfernen. Schneider: „Für die Kläranlage Rheda bedeutet dies eine Elimination von jährlich rund 4,4 Kilogramm reiner Wirksubstanz“ – was etwa 350 000 Schmerztabletten entspräche. Mit höheren Ozon-Beigaben könne dem Betablocker Metoprolol zu mehr als 90 Prozent im Abwasser ein Ende gesetzt werden. Das entspräche 7,2 Kilogramm reiner Wirksubstanz im Jahr. Mit der neuen Reinigungsstufe werden die Abwassergebühren steigen. Doch die rund neun Euro Mehrbelastung im Jahr setzt Schneider in Relation zu den 500 Euro, die jeder Bundesbürger im Jahr für Medikamente ausgibt. So gesehen, meint der Betriebsleiter, „ist das wenig“.

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