Atelierbesuch bei Andrea Laukemper
Bild: Werneke
Den Charakter alter Balken und Bretter aus Holz weiß Andrea Laukemper zu schätzen. Die Malerin nutzt das Naturmaterial für ihre ausdrucksstarken Bilder.
Bild: Werneke

 Doch noch schweigen die Schleifgeräte, vielmehr erfüllt eine beruhigende Stille die vier Wände, die wie ein sakraler Ort auf den Betrachter wirken. Hier hat die 43-Jährige, Mitglied der neuen Ateliergemeinschaft im Haus Repke an der Hauptstraße 24 in Wiedenbrück, anlässlich der offiziellen Eröffnung der kreativen Stätte im Mai ihre illuminierten Arbeiten in Szene gesetzt. Diese hat sie eigens für ihre Ausstellung „Wir, Menschen“ im Jahr 2006 im Stift Börstel entwickelt. Seinerzeit füllten ihre Bilder die Kreuzgangfenster des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters und entfalteten ihre Wirkung durch Lichter im Innenhof. Zur Landesgartenschau in Rietberg waren sie im Franziskanerkloster zu sehen, nun zeugen sie an der neuen Wirkungsstätte der gebürtigen Rietbergerin in Wiedenbrück von ihrer Experimentierfreude. Mit welcher Technik sie ihre Menschen auf Leinwand gebracht hat, die indirekt beleuchtet eine intensive Tiefenwirkung entfalten, verrät sie nicht. Wohl aber ihren künstlerischen Anspruch: „Man muss etwas fühlen, wenn man ein Bild sieht.“ Wie bei ihrem Klosterprojekt strebt Andrea Laukemper danach, sich mit der menschlichen Existenz auseinanderzusetzen. Porträts sind daher wichtiger Bestandteil ihrer Werke. Zwei tröstend aneinander gelehnte Köpfe trauernder Eltern, der nachdenkliche Blick des Mädchens, der in die Ferne schweift, die Heiterkeit in den Augen der jungen Frau, der verzweifelt aufgerissene Mund: Die in Wiedenbrück lebende Kreative, deren Lieblingsmaler der österreichische Expressionist Egon Schiele ist, beobachtet genau, und sie verleiht ihren Werken starke Ausdruckskraft. Besonders begeistert sich Andrea Laukemper, die sich seit etwa 13 Jahren ernsthaft mit bildender Kunst beschäftigt, für die Malerei auf altem Holz. Immer auf dem gleichen Material, wie etwa Leinwand und Pappe zu arbeiten, fand sie langweilig. Holz reizt sie, weil es einen eigenen Charakter mitbringt, den sie in ihren Schaffensprozess mit einfließen lässt. „Ich habe mich so gefreut“, ist sie ganz angetan von ihrem jüngsten „Fund“, einem 350 Jahre alten Stück Raucheiche, beugt sich zu ihm auf den Boden und lässt ihre Hand darüber gleiten. „Ich habe das Bild dafür schon vor Augen“, sagt sie. Ist es fertig, soll das wandfüllende Werk im Eingangsbereich ihres mehrere Räume umfassenden Ateliers an der Hauptstraße einen gebührenden Platz finden.

Malerin setzt auf Reduktion

„Auf Holz kann man wunderbar malen“, findet Andrea Laukemper, die stets mit offenen Augen für Balken und Bretter durch die Welt geht. Doch bevor sie zu Pinsel und Farben greift, muss sie das Naturmaterial bearbeiten. Dreck und Erde holt sie aus den Ritzen bevor es ans Abschleifen geht, zum Teil mit Geräten, zum Teil mit der Hand. „Die Ursprünglichkeit des Holzes bleibt erhalten“, betont die 43-Jährige. Sie betrachtet genau die Maserung des Eichenholzes, nimmt seine Risse und Astlöcher in den Blick, bevor sie die Farben – etwa Eitempera und Öl – zum Teil auch mit den Fingerspitzen aufträgt. Das über Jahre gewachsene und gealterte Holz und der aktuelle Kreativitätsprozess gehen ein interessantes Zusammenspiel ein. Zart und sensibel mutet zum Beispiel ihr Bild des Mädchens in hellen Blau- und Beigetönen an. Fast schwebend wirkt es durch die partielle Aufhebung von Konturen. Mitten durch ihr Gesicht verläuft der Riss in der Rinde, als wollte er die Zerbrechlichkeit unterstreichen. Die Malerin, die einige Jahre eine private Kunstakademie besucht hat und seit eineinhalb Jahren mit Kunstprofessor Piotr Sonnewend arbeitet, liebt es nicht nur, willkürliche Verläufe von Material und Farbe mit exakten Konturen in interessante Spannungsverhältnisse zu bringen. Sie spielt auch gern mit Perspektiven und reduziert bewusst in der Darstellung. Durch diese fragmentarischen Elemente fordert sie zur aktiven Betrachtung heraus. Für einige ihrer Werke hat ihr schon geduldig eine ihrer Töchter Modell gestanden, verrät die Mutter dreier Kinder, die sich aktuell auch dem Gipsdruck widmet. Mit dem Gießen von Gipsskulpturen hat die 43-Jährige, die ihre künstlerische Laufbahn mit Öl- und Acrylbildern als Auftragsarbeiten gestartet hat, bereits Erfahrung. Ein wenig an Alberto Giacometti erinnert etwa ihre Figur, die sie in einer Installation – mit alten Holzbalken, versteht sich – in Szene gesetzt hat.

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