Auktionator will „keine Ruhe geben“
Über die Denkmalwürdigkeit der ehemaligen Lübke-Villa wird diskutiert.

„Ich werde auf keinen Fall Ruhe geben“, verspricht der vereidigte Sachverständige im Telefonat mit der „Glocke“. Am 30. August vergangenen Jahres hatte Jentsch den noblen 386-Quadratmeter-Bungalow in bester Lage am Emsufer im Auftrag versteigert. Für 1,15 Millionen Euro wechselte das Anwesen seinerzeit den Besitzer. Weit unter dem Preis, den Detlef Jentsch erwartet hatte. Es gab am Auktionstag auch nur einen Bieter. Dafür macht Jentsch noch heute vor allem die Stadt Rheda-Wiedenbrück verantwortlich, weil sie kurz vor dem Versteigerungstag die „weiße Villa“ unter vorläufigen Denkmalschutz gestellt habe. „Da stimmt etwas nicht“, ist sich der Auktionator sicher.

Jentsch verweist unter anderem auf ein Gutachten, das er für die Versteigerung in Auftrag gegeben hatte. Im Juli 2014 wurde demnach bei der Stadt angefragt, unter anderem mit dem Ergebnis: „Das Baulastenverzeichnis enthält keine wertbeeinflussenden Eintragungen“ für die Lübke-Villa aus dem Jahr 1969. Und weiter: „Aufgrund des Baujahrs (...), der Gebäudeart und Bauweise wird (...) unterstellt, dass Denkmalschutz nicht besteht.“

Expertise zu Denkmalwürdigkeit

Im Gespräch teilt Detlef Jentsch mit, dass die neue Eigentümerin, eine Bielefelder Unternehmerfamilie, ebenfalls eine Expertise „bei einer Koryphäe in Sachen Denkmalschutz“ in Auftrag gegeben habe. Auch dieser Experte sei zu dem Ergebnis gekommen: Die Lübke-Villa ist nicht denkmalwürdig. Jentsch geht fest davon aus, dass gegen eine endgültige Unterschutzstellung geklagt wird.

Keinen Spielraum habe die Stadt, nachdem der Landschaftsverband (LWL) als Obere Denkmalbehörde kürzlich die Denkmalschutzwürdigkeit des Bungalows an der Rektoratsstraße festgestellt habe, informierte Pressesprecherin Maximiliane Plöger auf Anfrage: „Die Stadt muss dem LWL Folge leisten.“ Die Eigentümerin habe jetzt allerdings Gelegenheit, dagegen Bedenken vorzubringen – oder „zu warten, bis der Verwaltungsakt abgeschlossen ist“. Dann kann die Bungalowbesitzerin den Rechtsweg beschreiten. Detlef Jentsch („Die Lübke-Villa ist ein Abklatsch von Bauhausstil“) geht fest davon aus, das der Denkmalsschutz keinen Bestand haben wird.

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