Aurea: Tönnies baut  Innovationspark
Bild: Evers
Das neue Werk im Modell: 21 Millionen Euro investiert der Tönnies Konzern in die Produktion von Roh-Heparin im Gewerbegebiet Aurea zwischen Oelde und Rheda-Wiedenbrück. Die Aufbauphase begleiten v. l. Pharma-Action Geschäftsführer Erol Thomas Isim, Clemens Tönnies und Frank Duffe, Tönnies-Spezialist für die Vermarktung von Schlachtnebenprodukten.
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 „Wir wollen den Konzern breiter aufstellen“, sagte Firmenchef Clemens Tönnies gestern bei der Vorstellung der Pläne. Weil die Margen im Geschäft mit Schweinebauch, Koteletts und Eisbein immer geringer werden, sucht das Unternehmen neue Geschäftsfelder. Nebenprodukte, die beim Schlachten anfallen, will der Konzern selber weiter veredeln.

Heparin ist einer der zentralen Wirkstoffe in der Pharmazie. Der Wirkstoff sorgt dafür, dass das Blut langsamer gerinnt. Ärzte setzen Heparin zum Beispiel ein, um Thrombosen zu verhindern. Weil das Blut dünner wird, kann es in den Blutgefäßen nicht so leicht verklumpen. Erforderlich ist das zum Beispiel bei Patienten, die sich längere Zeit nicht bewegen können oder bei alten bettlägerigen Menschen. Auch bei vielen Herz-Krankheiten wird Heparin genutzt, damit das Blut leichter durch den Körper fließt. Bisher wurde Heparin laut Tönnies vor allem in China hergestellt.
2008 kam es zu einem Medikamentenskandal im Zusammenhang mit Heparin. Das Mittel löste bei Hunderten Patienten in den USA allergische Reaktionen aus – es werden 19 Todesfälle damit in Verbindung gebracht. Der Hersteller hatte Rohheparin aus China bezogen. Nach Untersuchungen der chinesischen Gesundheitsbehörde entstand dort auch die Verunreinigung. (be)

Beispiel Heparin: Der Rohstoff für den Blutgerinnungshemmer, der gegen Thrombosen und Embolien schützt, wird aus dem Darmschleim von Schweinen gewonnen. Jeden Tag fallen in den Tönnies-Schlachthöfen 60 Tonnen der Mucosa genannten Substanz an. Bisher hat das Unternehmen den Stoff weiterverkauft, den Großteil davon nach Spanien. Nach dem geplanten Produktionsstart Mitte 2014 wird die Substanz vollständig im Konzern verarbeitet.

Tönnies hatte bereits im Mai die Mehrheit an dem Berliner Heparin-Spezialisten Pharma Action erworben. Im Gewerbegebiet Aurea wird für 21 Millionen Euro eine Fabrik mit 20 Mitarbeitern errichtet. Das vollautomatisierte Gebäude mit Reinräumen hat eine Grundfläche von 3100 Quadratmetern. 

Aus den 60 Tonnen Darmschleim wird in der Anlage täglich 150 Liter Heparin-Grundstoff gewonnen, der am Stammsitz von Pharma Action in Berlin dann weiter veredelt wird. Mit dem so gewonnenen Heparin-Wirkstoff könnten jährlich bis zu 450 Millionen Thrombose-Spritzen gefüllt werden. Der Anteil des Tönnies- Konzerns am weltweiten Heparin- Markt soll bei 4,6 Prozent liegen. Der Konzernchef erwartet einen Jahresumsatz von 60 bis 70 Millionen Euro.

Das Heparin aus dem Tönnies- Konzern erfüllt nach Angaben von Clemens Tönnies höchste Qualitätsstandards. „Wir werden den frischsten, sichersten und hochwertigsten Wirkstoff liefern“, sagte er. Das Unternehmen sei weltweit der erste Heparin-Hersteller, der eine hundertprozentige Rückverfolgbarkeit vom Bauern bis zum Endprodukt garantiere. Derzeit werde der größte Teil des Heparin- Rohstoffs in vielen kleinen Schlachthöfen in China erzeugt. Es gebe großes Interesse der Pharmahersteller an dem Produkt „Made in Germany“.

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