Aus Brennerei wird Gesundheitshaus
Bild: Sudbrock
Homöopathische Dosen statt Hochprozentiges: Wo einst Korn gebrannt wurde, sollen demnächst Ärzte Rezepte für Medikamente ausstellen und Therapeuten ihre Patienten behandeln. Das Brennereigebäude (Mitte) wird saniert und um einen Neubau ergänzt.
Bild: Sudbrock

Der Stadtrat hat dem Verkauf und den damit verbundenen Umgestaltungsplänen am Dienstagabend zugestimmt. Sprecher aller Fraktionen brachten ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass sich auf dem „innerstädtischen Filetgrundstück“ (O-Ton Hans-Hermann Heller-Jordan, Grüne) nach Jahren des Wartens etwas bewegt. Auf dem 1616 Quadratmeter großen Areal zwischen Widum- und Nadelstraße soll voraussichtlich vom kommenden Jahr an ein Neubau in Giebelgeschossoptik entstehen. Parallel soll das ehemalige Brennereigebäude aus rotem Backstein saniert werden, erläuterte Beigeordnete Christine Zeller, die das Projekt bei der Stadtverwaltung koordiniert.

4600 Quadratmeter nutzbare Fläche

Nach Abschluss der umfangreichen Baumaßnahmen, die nach Einschätzung der Beigeordneten mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen, werden in dem neuen Gebäudekomplex sowie in der historischen Bestandsimmobilie insgesamt 4600 Quadratmeter nutzbare Fläche zur Verfügung stehen. Christine Zeller erklärte weiterhin, dass der Schwerpunkt der künftigen Nutzung „eindeutig auf dem Bereich Gesundheit“ liegen solle. Mindestens 75 Prozent der Fläche sollten demnach für Arzt- und Therapeutenpraxen oder auch eine Apotheke vorgehalten werden. Nur Restbereiche kämen damit für Wohnzwecke infrage. Das habe man mit dem Investor vertraglich vereinbart.

Als gesetzt gilt nach Auskunft der Beigeordneten, dass eine orthopädische und eine chirurgische Praxis bei Pott-Hartwig einziehen. Eine Hausarztpraxis oder ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit entsprechendem Schwerpunkt seien ebenfalls vorgesehen, doch diesbezüglich befinde man sich noch in Gesprächen. „Wir können heute noch nicht sagen, welche Variante zum Tragen kommt“, sagte Christine Zeller. Keinen Hehl machte die Beigeordnete daraus, dass die Stadt sich ein MVZ wünsche. Denn das biete den Vorteil, dass unter diesem organisatorischen Dach beliebig viele Ärzte angestellt werden könnten – übrigens auch in Teilzeit, was für immer mehr Mediziner ein wichtiges Kriterium sei.

„Grundsätzlich wäre auch die Umsetzung beider Modelle denkbar“, unterstrich Christine Zeller und verwies darauf, dass in der Doppelstadt ein akuter Hausärztemangel bestehe. Zurzeit gebe es in Rheda-Wiedenbrück zwölf Allgemeinmediziner zu wenig, Tendenz steigend.

Rheda soll nicht sein Gesicht verlieren

Bürgermeister Theo Mettenborg bezeichnete den Verkauf und das damit verbundene Nutzungskonzept als „großartiges Ergebnis“. Die lange Suche nach einem geeigneten Investor habe sich ausgezahlt. „Wir hätten die Fläche schon mehrmals massiv bebauen können, aber das hätte der Stadt nicht gut getan“, verwies Mettenborg darauf, dass es in der Vergangenheit andere Interessenten für Pott-Hartwig gegeben habe. Architekt Andreas Grube, von dessen Büro der Umgestaltungsentwurf stammt, sagte, dass es ihm um eine behutsame Weiterentwicklung des historisch gewachsenen Quartiers gehe. „Alles andere würde dazu führen, dass Rheda sein Gesicht verliert. Aber das kann niemand wollen.“

Doch keine Tiefgarage

Dass die scheinbar endlose Geschichte namens Pott-Hartwig nun doch einen guten Abschluss findet, begrüßten in der Ratssitzung alle Fraktionen. „Das ist eine tolle Entwicklung für eine sensible städtebauliche Stelle“, sagte Uwe Henkenjohann (CDU). Eine bis zu 100-prozentige Nutzung als Gesundheitshaus sei aus seiner Sicht erstrebenswert. Hans-Hermann Heller-Jordan (Grüne) warf hingegen die Frage auf, ob im Neubau und in der Bestandsimmobilie nicht mehr Wohnungen möglich seien als bislang geplant. Sieben Einheiten seien seiner Fraktion vor dem Hintergrund der in der Stadt grassierenden Herbergsnot zu wenig. „Endlich.“ Mit diesem einen Wort sprach Dirk Kamin (UWG) wohl den meisten Ratsmitgliedern aus der Seele.

Er freue sich, dass es nach langen Jahren der Stagnation bald vorangehe. Zugleich regte Kamin an, jetzt auch die Sanierung der angrenzenden Fachwerkhäuser und des Wohnhauses Berliner Straße 27, das einst zur Brennerei gehörte, zu forcieren. „Wir stimmen bedingungslos zu“, bekräftigte Peter Berenbrinck für die SPD-Fraktion. Dass der Investor aus Raumnot auf eine Tiefgarage verzichte, sei zwar schade, aber nachvollziehbar. Stattdessen sollen nun 22 Pkw-Stellplätze ebenerdig angelegt werden. „Damit können wir leben“, betonte Berenbrinck.

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