Ausstellung mit Arbeiten Anton Wallers
Bild: Frielinghaus
Vorstudien sakraler und profaner Kunst um 1900: Eine Ausstellung mit Zeichnungen des Kirchenmalers Anton Waller (1861-1934), der einige Jahre in Wiedenbrück lebte, startet am Mittwoch, 16. März,  im Museum „Wiedenbrücker Schule“. Die Skizzen hat der Heimatverein von Wallers Großenkel Gero Waller geschenkt bekommen. Das Bild zeigt (v. l.) Manfred Schumacher (ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins), Dr. Werner Rulf (Nachfahre Wallers) und Alfons Brielmann (Heimatverein).
Bild: Frielinghaus

Dabei handelt es sich unter anderem um sechs Skizzen des Kreuzwegs, dessen Originale in der St.-Aegidius-Kirche in Wiedenbrück zu finden sind. Vor etwa einem Jahr habe sich der am Niederrhein lebende Gero Waller, ein Nachkomme des von 1888 bis 1911 in Wiedenbrück tätigen Kirchenmalers, dazu entschieden, dem Heimatverein Wiedenbrück-Reckenberg einen Teil des Vermächtnisses seines Urgroßvaters zu schenken. „Die Ausstellung umfasst nur einen Bruchteil von dem, was uns vorliegt“, sagt Manfred Schumacher, ehemaliger Vorsitzender des Heimatvereins. Insgesamt hätten mehr als 250 Zeichnungen ihren Besitzer gewechselt. Anton Waller habe sich vorwiegend der nazarenischen Kunst gewidmet, erklärt Kunsthistorikerin Christiane Hoffmann im Pressegespräch. Diese Richtung der Malerei orientiere sich am Buchdruck und sei durch ihren zeichenhaften Charakter geprägt. Im Vordergrund stehe nicht mehr die farbige Gestaltung wie beispielsweise im Barock, sondern die Darstellung einer Szene mit Fokus auf den leidgeplagten Gesichtern und Körpern der Protagonisten. Die Farbe sei hingegen nur noch ein dienendes Element.

Neben einigen weiteren Vorstudien können Besucher in der Ausstellung Szenen des 16-teiligen Kreuzwegs, der 1901 eigens für die St.-Aegidius-Kirche angefertigt wurde, betrachten. Diese Motive Wallers seien zusätzlich durch ihre „lebendige Rückkopplung in die Stadt“ geprägt. Darunter versteht die Kunsthistorikerin, dass der Maler Gesichter aus dem Wiedenbrücker Leben portraitiert und als Vorbilder für seine Gemälde verwendet hat. Zudem tauche das Stadtbild Wiedenbrücks auf, zum Beispiel der Turm der Pfarrkirche.

Die Vorstudien Wallers seien nicht als ästhetische Kunstwerke, sondern als Vorlagen für die originalen Gemälde zu verstehen, erklärt Christiane Hoffmann. Das mindere ihren historischen Wert allerdings nicht. Im Gegenteil: „Es ist ein Glück. Nur selten werden solche Vorstudien überliefert“, sagt sie. Und obwohl die Kohleskizzen bereits vor mehr als 100 Jahren – um 1900 – entstanden sind, seien die Konturierungen noch recht gut erhalten. Erstaunlich, weiß Heimatfreund Alfons Brielmann. Schließlich seien die Exponate an vielen verschiedenen Orten gelagert worden.

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