Bäume fallen der Säge zum Opfer
Bild: Sudbrock
Ihr grüner Traum ist ausgeträumt: Die Anwohnerinnen Renate Weller, Ursula Cramer, Helga Steffensmeier, Gisela Bösel sowie Joana-Marie und Melanie Beforth (v. l.) sind traurig, dass lediglich ein kleiner Teil der Bäume des Wäldchens an der Fritz-Burmann-Straße/Ecke Lümernweg in Wiedenbrück stehen bleiben soll. „Unser Viertel verliert dadurch seine grüne Lunge“, sagen die Anliegerinnen. Auf dem Areal entstehen in Kürze mehrere Gebäudekomplexe mit insgesamt etwa 40 Wohnungen. Investorin ist die Familie Haupt-Dingel aus Münster.
Bild: Sudbrock

Fast alle Bäume, die auf dem Grundstück zwischen Lümernweg, Fritz-Burmann-Straße und Wippermannstraße jahrzehntelang der Sonne entgegen wuchsen, sind in den vergangenen Tagen der Säge zum Opfer gefallen. Auf dem Gelände, das einem Münsteraner Investor gehört, soll wie bereits berichtet eine größere Wohnanlage entstehen.

Gegen dieses Vorhaben haben die Anwohnerinnen ausdrücklich nichts einzuwenden. „Wir wissen schließlich auch, dass Wohnraum gerade in der heutigen Zeit ein knappes Gut ist“, sagt Melanie Beforth. Und natürlich könne man von keinem Grundstückseigentümer verlangen, dass er sein Gelände für immer brachliegen lässt. Derartige Forderungen seien realitätsfern. Trotzdem empfinden die Frauen Wehmut, wenn sie in diesen Tagen auf die abgeräumte Fläche vor ihren Häusern und Wohnungen blicken. „Ich lebe hier mit meiner Familie seit mehr als 35 Jahren. Das kleine Waldstück gehörte in all der Zeit irgendwie dazu“, sagt Gisela Bösel. „Wenn wir jetzt aus dem Fenster sehen, sieht die Welt ein Stückweit anders aus“, ergänzt Melanie Beforth.

An den Pranger stellen wolle man niemanden, unterstreicht Anwohnerin Ursula Cramer – weder die Stadt, die den Bau des neuen Wohnkomplexes genehmigt habe, noch den Münsteraner Eigentümer der Fläche, der verständlicherweise Rendite aus seinem Grundstück am Rand des Wiedenbrücker Ortszentrums ziehen wolle. „Wir möchten aber deutlich machen, dass niemand von uns ohne die Natur leben kann. Deshalb sollten sich die Entscheidungsträger stets zweimal überlegen, ob ein Baum tatsächlich gefällt oder eine Freifläche unbedingt versiegelt werden muss.“ Für die grüne Oase an der Fritz-Burmann-Straße gebe es zwar keine Rettung mehr, wohl aber für andere innenstadtnahe Grünflächen. Dass möglicherweise fünf Bäume stehen bleiben werden, ist für Ursula Cramer und ihre Mitstreiterinnen nur ein schwacher Trost. „Wir fänden es besser, wenn der Investor einen kleineren Teil des Grundstücks bebauen würde. Dann hätte die grüne Insel vor unserer Haustür nicht gänzlich weichen müssen.“

Wohnquartier geplant

Ein Wohnquartier für alle Generationen plant die Münsteraner Familie Haupt-Dingel auf dem Grundstück zwischen Lümernweg, Fritz-Burmann-Straße und Wippermannstraße in Wiedenbrück. Dreigeschossige Giebelhäuser mit danebenstehenden zweigeschossigen Dachterrassenbauten sollen dort entstehen. Insgesamt sind maximal 40 Wohnungen geplant, doch nicht alle Häuser sollen gleichzeitig hochgezogen werden. Man orientiere sich am Bedarf, erklärte Joerg Preckel vom Planungsbüro Pfeiffer, Ellermann und Preckel aus Münster bei der Vorstellung des Projekts im Oktober 2014.

 Beim Zuschnitt der einzelnen Wohneinheiten sollen die Kundenwünsche soweit wie möglich berücksichtigt werden. „Verträgliche Mieten“ und eine zugleich „hohe Architekturqualität“ seien das erklärte Ziel der Investorenfamilie. Parkplätze für Besucher sollen vor und neben den Häusern vorgehalten werden, die Bewohner können ihre Autos in Tiefgaragen unterhalb der Wohnanlagen abstellen. Durch Zäune oder andere Einfriedungen zerschnitten werden soll das Grundstück nicht, sondern – wie ein kleines Wohnquartier – eine gestalterische Einheit bilden.

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