Baudenkmal wird stilecht restauriert
Bild: Sudbrock
Lichtdurchflutet: Durch den geöffneten Dielenbogen (im Hintergrund) wirkt der Innenraum des „Alten Gasthauses“ wesentlich heller. Auf die Neueröffnung im Dezember freuen sich (v. l.) Architekt André Liscioch, Eigentümer Franz-Josef Krane, sein Sohn Sebastian Krane, Markus Korfmacher (Brauerei Hohenfelde), Architekt Frank Hurlbrink, Wirt Filippo Speranza und Marie-Theres Krane.
Bild: Sudbrock

Hinter der weißen Putzschicht, die viele Jahre den Blick auf das typische Fachwerkgefache versperrt hatte, ist die ursprüngliche Schönheit des im Jahr 1690 errichteten Baudenkmals wieder zum Vorschein gelangt. Die Restaurierung, die kurz vor dem Abschluss stehe, beschreibt Eigentümer Franz-Josef Krane als „Befreiungsschlag“ für das Haus. Das Gebäude habe sein Licht viel zu lange unter den Scheffel stellen müssen. „Aber das ist jetzt vorbei“, sagt Krane erfreut.

Der Wiedenbrücker Unternehmer, dem einst die bundesweit agierende Optikerkette Krane gehörte, hatte das Fachwerkhaus an der Langen Straße vor einigen Monaten von der Langenberger Privatbrauerei Hohenfelde gekauft. Seit dem Sommer lässt er es innen wie außen restaurieren – mit der Zielsetzung, deutlich näher an den Originalzustand der geschichtsträchtigen Immobilie zu kommen, als dies in den zurückliegenden Jahrzehnten der Fall gewesen ist.

Freilegung des Torbogens

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist mit der Freilegung des markanten Torbogens bereits getan. Der war nämlich fast komplett hinter der nachträglich aufgebrachten Putzfassade verschwunden. Nur der Torbalken mit der Inschrift, die Aufschluss über die Bauherren des Hauses gibt, hatte man bei der nicht gerade von Fingerspitzengefühl zeugenden Komplettsanierung der Vorderfront vor einigen Jahrzehnten ausgespart.

 Die goldene Inschrift an der Giebelschwelle hatte weniger Glück. „Sie wurde verputzt und war deshalb viele Jahre nicht mehr zu lesen“, sagt Architekt Frank Hurlbrink, der für die Restaurierung des „Alten Gasthauses“ verantwortlich zeichnet. Die Rekonstruktion des ursprünglichen Texts gelang trotzdem: Denn in einem Buch über Wiedenbrücker Hausinschriften von 1935 war der Originalwortlaut widergegeben: „All mein Thun zu jeder Frist geschehe im Nhamen Jesu Christ, der stehe mir bey fruh undt spath bis all mein Thun ein Ende hat. Ach, Herr beschütze Statt und Landt, undt dieses Haus vor Fewersbrandt.“

Unterstützt wurde Hurlbrink bei dieser Sisyphusaufgabe von der St. Viter Bildhauerin Petra Rentrup. „Schließlich wollten wir die einzelnen Buchstaben möglichst wirklichkeitsgetreu nachzeichnen“, erklärt der Architekt. Durch die Putzschicht seien die Lettern indes arg in Mitleidenschaft gezogen worden.

Neueröffnung für Dezember geplant

Nicht nur außen tut sich in diesen Tagen einiges beim „Alten Gasthaus“, auch im Inneren wird fleißig gearbeitet. Zwar gibt es in Gastraum, Küche und den Nebenräumen bis zur geplanten Neueröffnung Anfang Dezember noch reichlich zu tun, aber Eigentümer Franz-Josef Krane ist zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt er.

Wer die Gaststätte, die zuletzt mehr als 25 Jahre lang von Heinrich Hecker unter der Bezeichnung „Altes Gasthaus“ betrieben wurde, von früher kennt, wird sich über den hellen Innenraum wundern. „Durch den freigelegten Torbogen, den Rückbau des dahinterliegenden Windfangs und die Vergrößerung der Fenster zur Langen Straße gelangt wesentlich mehr Tageslicht als früher hinein“, erläutert Architekt Frank Hurlbrink. Vorbei sind künftig also die Zeiten, in denen die Gäste bei Glühbirnenatmosphäre ihr Bier trinken oder ihr Schnitzel essen mussten. An den fast schon historischen Einbausitzbänken wollen Hurlbrink und Krane hingegen festhalten. „Die haben einfach etwas und sollen modern interpretiert weitergenutzt werden“, unterstreicht der Eigentümer. „In Kombination mit neuen Einrichtungsgegenständen und der umgestalteten Theke ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild“, ist sich auch der Architekt sicher.

Weiterhin gastronomisch genutzt

Das sieht Filippo Speranza genauso. Die Gaststätte an der Langen Straße 26, die künftig „1690 Wiedenbrücker Gasthaus“ heißen wird, ist seine neue Wirkungsstätte. Der nach eigenem Bekunden dienstälteste Gastronom der Emsstadt, der sich 1979 als 24-Jähriger mit dem Bistro „Papillon“ am Büschersplatz selbstständig machte, übernimmt in der Krane-Immobilie voraussichtlich Anfang Dezember das Ruder. Das „Papillon“ gibt er zeitgleich ab, denn: „Auf zwei Hochzeiten kann man als Gastwirt nur schwer tanzen“, sagt der gebürtige Italiener.

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