Bauhoftrupp auf Schneechaos vorbereitet
Foto: Stephan
Der Streusalzbunker ist randvoll. Nur knapp 50 von eingelagerten 500 Tonnen sind in der laufenden Saison bislang verbraucht worden, erläutert Andreas Rehage, kommissarischer Leiter Winterdienst.  
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Danach ist bei Böen um 50 Stundenkilometern mit einsetzendem Schneefall zu rechnen. Im schlimmsten Falle kann es zuvor noch zu Eisregen kommen. Welche Kapriolen auch immer das Wochenendwetter schlägt - der für die Sicherheit von Straßen, Plätzen, Brücken, Geh- und Radwegen im Stadtgebiet verantwortliche Bauhof Rheda-Wiedenbrück ist auf alles bestens vorbereitet.

Für Mitarbeiter am Wochenende „absolutes Alkoholverbot“

„Wir schauen täglich kurz vor Feierabend im Internet auf die Seite des Deutschen Wetterdienstes. Von daher wissen wir meist, was auf uns zukommt“, sagt Bauhofverwalter Andreas Rehage. Der 41-jährige gelernte Straßenwärter und Straßenbaumeister ist kommissarischer Leiter des Winterdiensts, weil die Stelle aktuell vakant ist. Seit Mittwochabend weiß Rehage, dass er und sein Team sich das freie Wochenende abschminken können.

Vorsorglich hat er seine 19 Wintereinsatzkräfte, darunter auch Mitarbeiter der Stadtgärtnerei, für die Zeit von Samstag, 3 Uhr, bis zum Dienstantritt am Montagmorgen um 7.30 Uhr in Rufbereitschaft versetzt. Das bedeutet zum Beispiel „absolutes Alkoholverbot“ für die gesamte Zeitspanne. Schließlich müssen alle Kräfte absolut nüchtern sein, wenn sie nachts zum frühestmöglichen Zeitpunkt ausrücken müssen. Ob und in welchem Umfang ein Einsatz notwendig ist, entscheidet Andreas Rehage mitten in der Nacht um 2.30 Uhr. Dann rasselt daheim in Pixel sein Wecker.

Danach steckt Rehage seine Nase in den Wind und prüft die Wetterlage. Hält er einen Räum- oder Streueinsatz für denkbar, macht er sich auf den Weg in seinen Arbeitsort Rheda-Wiedenbrück, wo oft als erstes die Fürst-Bentheim-Straße ansteuert. „Die und die Mühlenstraße im Ortsteil Wiedenbrück sind so etwas wie ein Glatteisindikator“, sagt der Tiefbauexperte. Wegen einer Lehmschicht im Unterbau seien sie nicht so frostsicher und von daher besonders gefährdet, mithin früher glatt als andere Straßen. Sollte sich Rehage zu diesem frühen Zeitpunkt für einen Streu- und Räumeinsatz entscheiden, folgt die telefonische Benachrichtigung seiner Mitarbeiter, die sich danach mit zwei großen Lastwagen, zwei Schmalspurfahrzeugen für Rad- und Fußwege sowie mehreren Kleinwagen für Zebrastreifen, Brücken und Spielplätze nach einem festgelegten Routenplan auf den Weg durch die Stadt machen.

Insgesamt 100 Kilometer Wegenetz

Insgesamt 100 Kilometer umfasst das Wegenetz der beiden Dringlichkeitskategorien I und II. Für das Gelände der Flora Westfalica sind deren Mitarbeiter zuständig. Für die Landstraßen außerhalb der Stadtzentren ist der Bauhof des Kreises und für die Bundesstraßen im Stadtgebiet Straßen NRW verantwortlich. Zwischen viereinhalb und fünf Stunden dauert ein Durchlauf der städtischen Räumkommandos. Im Winter 2020/21 mussten die Streu- und Räumdienste bislang fünfmal ausrücken. Nur knapp 50 von eingelagerten 500 Tonnen Streusalz sind dabei verbraucht worden.

„Mit den Fahrzeugen der neuesten Generation können wir viel genauer und damit auch umweltschonender dosieren“, erklärt Andreas Rehage. Je nach Gefährdungslage würden zwischen zehn und 15 Gramm Salz je Quadratmeter gestreut. Im Führerhaus der Fahrzeuge sitzen die Männer und Frauen vom Winterdienst grundsätzlich zu zweit. „Einer fährt das mit Sicherheitskomponenten ausgestattete Fahrzeug, der andere dokumentiert auf dem Beifahrersitz im Routenplan den Einsatz. So können wir später auf mögliche Beschwerden mit Fakten reagieren“, erläutert Andreas Rehage.

Mögen viele Menschen mit dem bevorstehenden Wintereinbruch nicht mehr gerechnet haben, so kommt er für die Männer und Frauen vom Bauhof weniger überraschend. „Wir haben den Winter noch lange nicht abgeschrieben. Bis Ostern kann es immer noch glatt werden“, sagt Benjamin Stipp. Der 37-Jährige leitet seit Oktober vergangenen Jahres den Bauhof. Zuvor war der Engeraner in Bielefeld Leiter der Müllabfuhr. Damit es im Einsatz nicht zu unliebsamen Störfällen kommt, werden Streu- und Räumfahrzeuge sowie das gesamte Equipment regelmäßig zu Beginn und am Ende der Wintersaison gewartet.

Worauf müssen Anlieger achten?

Muss ich den öffentlichen Gehweg vor meinem Grundstück bei Glätte streuen und bei Schneefall räumen? Und – wenn ja – innerhalb welcher Zeit muss das geschehen? Dies sind Fragen, die Mitbürger*innen in diesen Tagen aus aktuellem Anlass beschäftigen. Antworten darauf gibt die Stadt Rheda-Wiedenbrück in einem Informationsblatt zum Thema „Winterdienst/Straßenreinigung“. Die darin enthaltenen Vorschriften basieren auf einer Satzung vom 27. März 2017, die auch auf der Internetseite der Stadt eingesehen werden kann. Nach dieser vom Stadtrat verabschiedeten Satzung haben Anlieger*innen und Grundstückseigentümer*innen die Pflicht, in der Zeit von 7 bis 20 Uhr gefallenen Schnee unmittelbar nach Ende des Schneefalls zu beseitigen. Ist aufgrund der Wetterlage in dieser Zeitspanne eine Glatteissituation entstanden, muss sogar „unverzüglich“ gestreut werden. Die Nachtruhe bleibt indessen unangetastet.

Glätte und Schneefall nach 20.00 Uhr müssen erst am Folgetag werktags bis 7.00 Uhr und sonntags bis 9.00 Uhr beseitigt werden. Dabei gilt: Gehwege sind in einer Breite von 1,5 Metern und Fußgängerzonen in einem Streifen von 2,0 Metern Breite von Schnee zu befreien. Wichtig aus Gründen des Umweltschutzes: Zum Streuen bei Glatteis dürfen nur abstumpfende Mittel wie Sand oder Kies verwendet werden. Der Einsatz von Tausalzen ist nur in Ausnahmefällen gestattet, wenn andere Mittel nicht die nötige Wirkung erzielen. Keine Streu- und Räumpflicht besteht übrigens für die Anlieger von reinen Fahrradwegen, denn dafür ist die Stadt zuständig. Wer dagegen ein Grundstück besitzt, das an einem kombinierten Geh-/Radweg liegt, kommt um seine Pflicht nicht herum.

Noch etwas: Der weggeschaufelte Schnee ist am Gehwegrand so anzuhäufen, dass die Verkehrssicherheit nicht gefährdet wird. Außerdem sind Gullys und Straßenrinnen bei einsetzendem Tauwetter so weit freizuschaufeln, dass das Schmelzwasser abfließen kann. Schließlich weist die Stadt darauf hin, dass Grundstückseigentümer*innen für die Sicherheit auf ihrem Terrain und angrenzenden Gehwegen haften. Wer selbst nicht in der Lage ist diese Pflicht zu erfüllen – sei es aus Alters-, Krankheits- oder Abwesenheitsgründen – muss für eine Vertretung sorgen. So kann die Pflicht beispielsweise ganz offiziell – durch eine schriftliche Erklärung an die Stadt – auf Mieter übertragen werden. Zum Schluss appelliert die Stadt auch an den Solidaritätsgedanken. „Sicherlich ist es auch im Rahmen der Nachbarschaftshilfe möglich“, schreibt sie in ihrem Informationsblatt, „in Einzelfällen den Winterdienst zu übernehmen oder eine erforderliche Unterstützung zu leisten.“

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