Baumfällung an der B64 in Wiedenbrück
Bild: Ebel
Hans-Peter Schnitzler ist sauer. Entlang der Böschung an der B 64 in Wiedenbrück wurden viele Bäume abgeholzt. Der Anwohner stuft diese Maßnahme als unnötig und umweltschädlich ein.
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Einige Anwohner sehen darin einen Eingriff in die Umwelt und den Lärmschutz. „Die Bäume bieten Feldhasen und Greifvögeln einen Rückzugsort, der mit dieser Maßnahme zerstört wird“, sagt ein 49-jähriger Anwohner der Krumholzstraße, der seinen Namen nicht nennen möchte. Ähnlich sieht das Hans-Peter Schnitzler, der von seinem Garten aus die lauten Fällarbeiten beobachtet.

Verkehrsgeräusche wurden geschluckt

„Im Sommer haben die Bäume die Verkehrsgeräusche der Bundesstraße geschluckt. Ich möchte nicht wissen, wie laut es künftig sein wird. In meinen Augen ist das ein Radikalschnitt.“ Tatsächlich wird die Mehrzahl der Gehölze auf der Böschung entfernt. Beauftragt wurde ein Unternehmen aus dem Märkischen Kreis, das auf der Westseite auf einer Strecke von 600 Metern Rodungsarbeiten vornimmt. Die Eschen und Wildkirschen sind laut Aussage von Schnitzler aber kerngesund – eine Abholzung, die „ohne Verstand“ durchgeführt werde. „Mit der Entfernung der großen Exemplare macht man zudem die kleineren umliegenden Bäume und Pflanzen kaputt“, behauptet der 55-Jährige, der sein gesamtes Leben gegenüber der Böschung wohnt und sich an die Errichtung der B 64 erinnert.

„Als ich 16 Jahre alt war, bin ich über die Böschung auf die leere Straße gelaufen. Die Bäume wurden damals frisch gepflanzt. Es ist unmöglich, was hier passiert“, blickt der Wiedenbrücker zurück. Laut dem 49-jährigen Anwohner verstoßen die Gehölzarbeiten gegen Artikel 15 des Bundesnaturschutzgesetzes, wo es heiße, dass der Verursacher des Eingriffs vermeidbare Beeinträchtigungen in der Natur zu unterlassen habe. „Es würde mich interessieren, worauf die Verantwortlichen ihre Entscheidung stützen“, sagt der 49-Jährige Wiedenbrücker. Hans-Peter Schnitzler sagt: „Aktuell wird viel über Umweltschutz diskutiert.“ Kinder würden dazu ermuntert, neue Sauerstoffspender im Wald zu pflanzen. Es sei widersprüchlich, wie man diese gesunden Gehölze an der B 64 entfernen könne.

Bäume als Gefahrenquelle erachtet

Verantwortlich für die Gehölzarbeiten an der B 64 ist der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen (Straßen NRW) und die dazugehörige Straßenmeisterei in Rheda-Wiedenbrück. Betriebsdienstleiter Andreas Deppe sagt zu den Beschwerden der Anwohner: „Ich kann die negative Reaktion verstehen. Aber diese Maßnahme ist im Hinblick auf Sicherheit notwendig.“

Zum Teil bruchgefährdete Exemplare

Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht müssen 40 Jahre alte Bäume abgeholzt werden, was an der besagten Böschung der Fall sei. Nicht alle Exemplare seien betroffen. „Die Trockenheit hat den Bäumen geschadet. Sie sind zum Teil bruchgefährdet“, berichtet der Mitarbeiter der Straßenmeisterei. Besonders problematisch sieht Deppe die Situation der Anlieger an der Krumholzstraße und der Bernd-Hartmann-Straße. Dort bestehe die Gefahr, dass Äste oder Stämme bei starken Stürmen in den Garten fallen. „Die Sicherheit der Anwohner war bei der Entscheidung der Maßnahme ein wichtiger Faktor.

Gesetzliche Regelung zu Naturschutzgebieten

Die unmittelbaren Anlieger haben darum gebeten, dass dort gehandelt wird“, erklärt er. Auf den Vorwurf, dass die Maßnahme gegen Artikel 15 des Bundesnaturschutzgesetzes verstoße, sagt Andreas Deppe: „Dieses Gesetz greift nur bei Naturschutzgebieten. Die Böschung ist ein Bauwerk, das mit der B 64 verbunden ist. Hierbei wird die Verkehrssicherheit berücksichtigt.“

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