Baumfällung in Rheda wirft Fragen auf
Bild: Wassum
Entsetzt über die Abholzungen an der Emser Landstraße in Rheda: (v.l.) Erik Mehl, Ralf Külker, Julia Kirschnick, Maike Rosengarten, Günter Arlt und Edith Risse sprechen von einem „Kettensägenmassaker“. Zahlreiche Bäume wurden gefällt.
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Zur Sicherung der dort im Boden verlaufenden Ferngasleitung, wie die geschockten Anwohner von den Baumfällern vor Ort erfuhren. Befürchtungen der Initiative, dass es sich dabei um einen weiteren Eingriff in intakte Natur im Vorfeld des noch in der Planung befindlichen neuen Gewerbegebiets handelt, widerspricht die Stadtverwaltung.

Stadt widerspricht Anliegern

„Die Gehölzarbeiten, die im Auftrag des Energieversorgers durchgeführt wurden, stehen damit in keinem Zusammenhang“, teilt Rathaussprecherin Maximiliane Plöger mit. Ferngasleitungen müssten „generell freigehalten werden“ , um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Nachdem der Versorger im Rathaus angefragt habe, „gab es einen Ortstermin zur Abstimmung“.

Hintergrund

Für das neue Gewerbegebiet am Kiefernweg in Rheda muss ein Bebauungsplan aufgestellt und der Flächennutzungsplan geändert werden. Im Rahmen einer bereits abgeschlossenen frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung sind Einwendungen von 133 Personen im Rathaus eingegangen. Manche der schriftlich vorgetragenen Bedenken tragen bis zu zehn Unterschriften. Die Zahl der Einwendungen ist also geringer. Deren Auswertung laufe zurzeit, hieß es aus dem Rheda-Wiedenbrücker Rathaus auf Anfrage der „Glocke“. Die Anregungen aus der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit und auch der Behörden werden in die weitere Gewerbegebietsplanung eingearbeitet. Darüber hat dann der Ausschuss für Bauen, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr zu beraten und zu befinden, was frühestens am Donnerstag, 21. März, geschehen wird. Anschließend wird der Plan für das Gewerbegebiet Kiefernweg erneut offengelegt und es besteht für Bürger noch einmal die Möglichkeit, Einwendungen vorzubringen. Am Ende des langwierigen Verfahrens wird ein Ratsbeschluss die Gewerbegebietsausweisung zur Tatsache machen.

Die Anwohnerinitiative ist allerdings skeptisch. Man befürchtet, dass mit der Verwirklichung der Gewerbeansiedlung am Kiefernweg letztlich auch der Bestand des Forsts an der östlichen Seite der Emser Landstraße in Frage gestellt wird.

Zweifel an Aussage des Bürgermeisters

Die Aussage von Bürgermeister Theo Mettenborg, der gegenüber der „Glocke“ sagte, dass „der angrenzende Wald nicht zur Disposition“ stehe, wird zumindest in Zweifel gezogen. Denn, so Günter Arlt: „Zwei Wochen später fand das Kettensägenmassaker statt.“

Ob das Abholzen der Bäume zur Sicherung der Ferngasleitung überhaupt notwendig gewesen ist, stellen die Forstfreunde und Gewerbegebietsgegner ebenso in Frage. Vielmehr wird vermutet, dass mit der Abholzung schützenswerte Fledermäuse vergrämt werden sollten.

„Abholzaktion nach Gutsherrenmanier“

Denn bezüglich dieser Tiere seien noch „Untersuchungen nachzuholen“, hätten die Experten des beauftragten Büros Ökoplanung Münster festgestellt im Rahmen ihres faunistischen Fachbeitrags zur Gewerbegebietsplanung.

Günter Arlt: „Plötzlich ist Gefahr in Verzug und die Bäume an der Emser Landstraße werden ein Sicherheitsrisiko, dessen Behebung keinen Aufschub mehr erlaubt.“

Für den Sprecher der Anwohner-Initiative „A2-Forst retten“ ist mit dem Bäumen auch Vertrauen zerstört worden. „Nach Gutsherrenmanier“ würden Fakten geschaffen.

Man habe „wirklich den Eindruck, das gezielt Naturlebensräume am A2-Forst zerstört werden, damit künftige Untersuchungen dann geringer schützenswerte Habitate feststellen“. Überhaupt lasse die Stadt das Naherholungsgebiet an der Emser Landstraße „verkommen“.

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