Bei Tönnies droht wieder Ärger
Mit der Harmonie zwischen Robert (l.) und Clemens Tönnies, wie sie dieses Bild von einem gemeinsamen Termin in Berlin im Frühjahr 2018 zu zeigen scheint, ist es erst einmal wieder vorbei. Robert Tönnies hat beim Landgericht Bielefeld einstweilige Verfügungen gegen die Tönnies Holdung und drei Geschäftsführer des Tönnies-Konzerns beantragt. Er fühlt sich bei unternehmerischen Entscheidungen übergangen.           

Nach „Glocke“-Informationen hat Robert Tönnies einen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen die Konzern Holding und drei Tönnies-Geschäftsführer beim Landgericht Bielefeld gestellt. Robert Tönnies, der mit 50 Prozent am Konzern beteiligt ist, kritisiert Pläne zur Übernahme von zwei deutschen Standorten des schweizerischen Unternehmens Bell, weil die Werke in Suhl (Thüringen) und Börger (Niedersachsen) mit zusammen rund 400 Mitarbeitern laut einem Medienbericht Verluste schreiben.

Streit um Übernahme

 „Der Vertrag zur geplanten Übernahme der Wurstwarenwerke der Firma Bell ist bereits rechtswirksam“, teilte dazu Konzern-Sprecher Dr. André Vielstädte mit. Die Übernahme erfolge vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung der Kartellbehörden. Der neue Streit kommt überraschend, denn nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen hatten Clemens Tönnies (63) und sein Neffe (41) sich vor gut zwei Jahren auf eine Art Friedensvertrag geeinigt. Kernpunkt der Einigung war die Bildung eines Beirats, dem neben Robert mit Clemens Tönnies fünf weitere Manager des Unternehmens angehören. Dieser Beirat soll zu wichtigen Konzernentscheidungen gehört werden – und bei Uneinigkeit zwischen den Hauptgesellschaftern die Entscheidungen treffen.

Geschäftsführung überrascht

Der Beirat ist in diesem Fall aber gar nicht eingeschaltet worden: „Die Entscheidung zur Übernahme hat die Geschäftsführung der Tönnies Holding einstimmig getroffen und unterlag keiner Zustimmungspflicht durch den Beirat“, berichtete Vielstädte. Die Holding-Geschäftsführung werde paritätisch durch die beiden Familienstämme der Gesellschafter besetzt (je zwei Geschäftsführer). Sollte ein Gesellschafter eine andere Einschätzung als die zuständige Holding-Geschäftsführung haben, sieht der 2017 geschlossene Gesellschaftervertrag vor, den Beirat anzurufen, erklärte der Konzern-Sprecher das Verfahren. Das sei im konkreten Fall aber nicht geschehen. Stattdessen wurde der Rechtsweg beschritten. „Entsprechend verwundert und überrascht ist die Reaktion in der Unternehmensführung“, erklärte Vielstädte. An der Rechtswirksamkeit der beschlossenen Übernahme werde dieses Verhalten aber nichts ändern. Der schweizerische Hersteller Bell vertreibt seine Wurstwaren unter anderem unter dem Markennamen Zimbo und erzielt etwa 70 Millionen Euro Jahresumsatz. Die beiden Bell-Food-Werke sollen der Zur-Mühlen-Gruppe von Tönnies zugeordnet werden.

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