Betreuung von Flüchtlingskindern etabliert
Bild: von Stockum
An fünf Tagen in der Woche tollen ab sofort Flüchtlingskinder über die Wiese am Burgweg, lassen sich schminken, beschäftigen sich mit Gesellschaftsspielen und Altersgenossen – all das unter professioneller Anleitung beziehungsweise Aufsicht durch den DRK-Ortsverein.
Bild: von Stockum

 Was derzeit noch weitgehend unter freiem Himmel stattfindet, soll in wenigen Tagen in passend dimensionierte Zelte verlegt werden. 317 Menschen, die zumeist aus Ägypten, dem Irak und aus Syrien stammen, sind aktuell in der Notunterkunft am Burgweg untergebracht. Darunter sind 46 Mädchen und Jungen, die sechs Jahre und jünger sind. Hatte man am Anfang angenommen, dass viele der Flüchtlinge nur wenige Tage in Wiedenbrück zu Gast sein würden, stellt sich die Situation nun völlig anders dar: Ein Großteil der Menschen lebt bereits seit vier Wochen in der Sportstätte. Also drückten die Verwaltung und das DRK jüngst aufs Gaspedal, um Beschäftigungsmöglichkeiten zu finden – zumindest für die Jüngsten unter den Flüchtlingen.

Personell gut aufgestellt

So hat sich der DRK-Ortsverein Rheda-Wiedenbrück auf Anfrage des Fachbereichs Jugend, Bildung und Sport bereit erklärt, ein Angebot zu etablieren, dass Kindern bis zu einem Alter von sechs Jahren sowie interessierten Eltern Abwechslung bietet. Dabei baut die Organisation auf die Erfahrung beim Betrieb diverser Tagesstätten in der Doppelstadt. Auch personell ist das Deutsche Rote Kreuz ob seiner Aktivitäten gut aufgestellt: 18 zum Teil auch ehrenamtliche Mitarbeiter, darunter Erzieherinnen, Heilpädagogen sowie Ergo- und Verhaltenstherapeuten, sind für den Betreuungsbetrieb am Burgweg abgestellt worden.

Betrieb mindestens bis Ende März

Von Montag bis Freitag, 9.30 bis 11.30 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr, tollen Kinder über die Wiese, lassen sich schminken, beschäftigen sich mit Gesellschaftsspielen oder Altersgenossen – all das unter professioneller Anleitung beziehungsweise Aufsicht. Und auch die Eltern haben offenkundig ihre Freude daran, sich in das Geschehen einzubringen. Steht aktuell nur ein kleiner Container zur Verfügung, der kaum einem halben Dutzend Steppkes adäquaten Raum bietet, soll in den nächsten Tagen ein großes Zelt aufgebaut werden, in das der Kindergarten auf Zeit einzieht. Denn so viel hat die Regierungspräsidentin bereits verlauten lassen: Die Stadt Rheda-Wiedenbrück könne davon ausgehen, dass sie mindestens bis Ende März eine Notunterkunft betreiben werde.

„Mit Händen und Füßen“

Wie die Verständigung während der Betreuung funktioniere, wird DRK-Geschäftsführerin Andrea Jochim am Mittwochmorgen gefragt. „Mit Händen und Füßen“, sagt sie. „Und mit Musik und Lachen“, ergänzt der Leiter der Notunterkunft am Burgweg, Herbert Ewers. Der Kindergarten auf Zeit ist in jeder Beziehung besonders – auch, weil man über manche bürokratische Hürde gesprungen ist. Innerhalb eines Tages habe das Konzept gestanden, berichtet Reinhild Birkenhake, Leiterin des Fachbereichs Jugend, Bildung und Sport bei der Stadtverwaltung. Etwaige Traumatisierungen und daraus resultierende Trennungsängste seien wider Erwarten kein Thema gewesen, betonen die Verantwortlichen. Binnen kürzester Zeit habe sich ein ausgesprochen vertrauensvolles Verhältnis entwickelt. Dabei sei erstaunlich, wie schnell die Steppkes Deutsch lernten, erzählt Ewers: „Die Kinder saugen unsere Sprache förmlich auf.“ Gleichwohl erfordere die Betreuung der Kinder ebenso wie die der Erwachsenen eine Menge Improvisationstalent.

Perspektiven bieten

„Wir werden noch so manche Herausforderung zu bewerkstelligen haben“, blickt Reinhild Birkenhake voraus. Unter anderem seien an den Schulen weitere Sprachauffangklassen zu bilden, um Flüchtlingskindern aus aller Herren Länder den Einstieg zu erleichtern. „Vor allem müssen wir aber auch die Eltern mit unserem System vertraut machen“, sagt sie. „Wir wollen den Menschen in dieser Stadt eine Perspektive bieten.“

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