Bewährungsstrafe für EC-Karten-Betrüger
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Mindestens 17 Mal soll ein 56-jähriger Mann in Rheda-Wiedenbrück vom Konto eines an Demenz und Alzheimer Erkrankten Geld abgehoben haben. Den Schaden bezifferte das Gericht am Freitag auf 10.000 Euro.
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Die Freundin des Geschädigten, die zugleich sein Vormund ist, kam dem Treiben auf die Spur: Der 56-jährige Angeklagte benutzte die EC-Karte des Kranken, deren Geheimnummer er kannte. Am Freitag zeigte sich der Betrüger, der seit 1998 einschlägig vorbestraft ist, reuig. Ein Jahr und sechs Monate Gefängnis lautete das Urteil des Schöffengerichts Gütersloh.

Die Strafe wird aufgrund einer günstigen Sozialprognose auf Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte konnte nachweisen, dass auf ihn eine Lebensgefährtin wartet, die um seine Vorstrafen weiß und bereit ist, ihn dennoch bei sich aufzunehmen. Ein Zuhause hat er nämlich ebenso wenig wie ein geregeltes Einkommen. Seit März sitzt er in der Justizvollzuganstalt Brackwede. Auch krankenversichert ist er nicht, so dass der Diabetiker und Prostatakrebserkrankte jetzt ziemlich ratlos dasteht.

Vor diesem Hintergrund empfanden zwei Schöffen und die Richterin Mitleid mit einem Gestrauchelten, der seit seiner Ehescheidung 2005 ein geordnetes Leben zwar ersehnt, aber bisher nicht erreicht hat.

Am Freitag musste sich der Angeklagte nicht nur wegen Unterschlagung verantworten. Nachdem er zwischen Mai und September 2013 an Sparkassenautomaten in St. Vit und in Wiedenbrück an der Wasserstraße abkassiert hatte, verfügte der ehemalige Koch und Betriebstechniker über fast 10.000 Euro in bar. Das kleine Vermögen war das Ergebnis eines „Datenverarbeitungsvorgangs, der durch die unbefugte Verwendung von Daten beeinflusst worden ist“, wie es im Juristendeutsch heißt.

Weil das Geld für den lang ersehnten Traumwagen nicht reichte, wurde der aus der Lutherstadt Eisleben stammende Mann abermals kriminell. In einem Autohaus ließ er sich einen BMW-Jahreswagen im Wert von 35 000 Euro zeigen. Er wolle erst seine Frau von dem „Schnäppchen“ überzeugen, erklärte der Betrüger dem Verkäufer – und fuhr auf und davon. Erst im Frühjahr 2015 wurde er geschnappt und hinter Gitter gebracht. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon 10.000 Kilometer mit dem gestohlenen BMW absolviert.

Jetzt will er „alles wieder gut machen“, versicherte der 56-Jährige im Gerichtssaal. Dass in seinem Leben, das vorwiegend straffrei verlaufen ist, seit 17 Jahren der Wurm steckt, sei ihm bewusst, räumte der Angeklagte ein. Am Freitag konnte er erstmal aufatmen: Der Haftbefehl gegen ihn wurde aufgehoben.

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