Brennerei als Teil der Kulturachse
Bild: Sudbrock
Es war einmal: Die Zeiten, als in den Brennereigebäuden an der Nadelstraße Hochprozentiges abgefüllt wurde, sind vorbei. Inzwischen hat die Stadt die Immobilien gekauft. Obwohl es bereits einen Architektenwettbewerb gab, wurde über die Nachnutzung noch nicht entschieden.
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Verschoben wurde zudem die Eröffnung einer Ausstellung, die die elf Vorschläge von Architekturbüros zum künftigen Erscheinungsbild des Areals der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Die Ausstellung war bereits im Dezember für Ende Januar angekündigt worden. In der jüngsten Sitzung des Gremiums teilte Baudezernent Gerhard Serges den Politikern mit, dass dieser Termin nicht zu halten gewesen sei. Stattdessen werde nun die Eröffnung der Pott-Hartwig-Ausstellung in etwa vier Wochen angestrebt, sagte er.

Vorschläge liegen seit 2014 auf dem Tisch

Den Beschluss zur Durchführung eines Architektenwettbewerbs für die Brachfläche in der Rhedaer Innenstadt hatte der Bauausschuss im April 2013 gefasst. Seit August 2014 liegen die Vorschläge der elf beteiligten Büros im Rathaus vor. Passiert ist mit den Konzepten seither wenig, was vor allem UWG-Ratsherr Dirk Kamin immer wieder kritisiert. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass Rat und Verwaltung dieses Filetgrundstück so stiefmütterlich behandeln“, ärgerte sich der Unabhängige Wähler in einer der zurückliegenden Bauausschusssitzungen. „Nichts übers Knie brechen“ will hingegen Uwe Henkenjohann. Der CDU-Fraktionschef wies darauf hin, dass die Entscheidung über die Folgenutzung gut überlegt sein müsse. Denn eine zweite Chance zur Umgestaltung der stadtbildprägenden Immobilie unweit des Rhedaer Rathauses gebe es nicht.

Jury favorisiert Vorschlag aus Gütersloh

Eine Jury hat die Wettbewerbsergebnisse inzwischen bewertet und sich mehrheitlich für das Konzept des Gütersloher Büros Grube, Jakel und Löffler (GJL) ausgesprochen („Die Glocke“ berichtete). Dreh- und Angelpunkt ist die Schaffung einer Kulturachse, die der „Masterplan 2020“ für die ehemalige Fürstenstadt an der Ems vorsieht. Das Pott-Hartwig-Gelände soll nach Vorstellung der Architekten eine Station auf dieser Achse werden. Das Brennereigebäude aus rotem Backstein soll bestehen bleiben und saniert werden. Vielfältige kulturelle und gesellschaftliche Nutzungsmöglichkeiten sind laut GJL denkbar: Als Gastronomiefläche, für Kulturveranstaltungen oder für Kinovorführungen. Auch Gruppenräume für Bürger-, Senioren- oder Jugendtreffen wären möglich.

Wohnquartier für Jung und Alt

Neben dem Brennereigebäude könnte nach Vorstellung der Architekten Grube, Jakel und Löffler ein Neubau in Form einer integrativen Servicewohnanlage entstehen. Dem Büro schwebt ein Haus für Jung und Alt vor, das aber auch für Menschen mit Behinderungen geeignet ist.

Identitätsstiftender Charakter als Ziel

17 barrierefreie Wohnungen mit Nutzflächen zwischen 55 und 100 Quadratmetern wären in den Obergeschossen des Neubaus auf einer Teilfläche des früheren Pott-Hartwig-Geländes möglich. Im Erdgeschoss soll darüber hinaus ein Einzelhandelsgeschäft als „Vertriebsplattform für regionale, nachhaltige Produkte“ entstehen. „Biolandwirte könnten als Genossenschaft auftreten und ihre Erzeugnisse zum Verkauf anbieten“, heißt es in dem Vorschlag von GJL. Dadurch erhalte das neue Quartier einen „identitätsstiftenden Charakter“.

Inklusion und Integration wollen die Autoren des von der Wettbewerbsjury favorisierten Konzepts mit der Kombination aus alter und neuer Architektur ebenfalls erreichen. So sollen vorwiegend Menschen mit Behinderungen in dem Lebensmittelgeschäft Arbeit finden. Wohnen könnten sie weitgehend selbstständig in den darüberliegenden Einheiten.

Noch ist nichts entschieden

Entschieden ist aber noch nichts. Sicher ist bislang nur, dass man dem Areal auch im Rathaus eine zentrale Bedeutung beimisst. „Die ehemalige Brennerei Pott-Hartwig befindet sich im Spannungsbereich zwischen der in den 1970er-Jahren sanierten Innenstadt und des in seiner ursprünglichen Struktur weitgehend erhaltenen Teils der Altstadt“, heißt es in der Wettbewerbsausschreibung. Trotz seiner Lage in unmittelbarer Nähe zum Rathaus besitze das Gelände an der Nadelstraße bis heute einen Hinterhofcharakter.

Im Gebiet zwischen der Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern auf der einen Seite und dem achtstöckigen Rathaus mit der angrenzenden Geschäftsstraße auf der anderen Seite ist nach Einschätzung der Verwaltung ein „Bruch in der Stadtstruktur“ zu erkennen. Davon zeugten nicht zuletzt die „deutlichen Maßstabsbrüche“ in diesem Abschnitt, die insbesondere auf die Modernisierungswelle in den 1970er-Jahren zurückzuführen seien. Auch auf diese Problemstellung mussten die Entwürfe der elf beteiligten Büros Antworten liefern.

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