Bürger fordert Erlass einer Baumschutzsatzung
Bild: Werneke
Über das Thema Baumschutzsatzung soll  im Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschuss diskutiert werden.
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Am  Donnerstag, 4. Mai,  soll im zuständigen Ausschuss über einen Bürgerantrag abgestimmt werden, in dem gefordert wird, eine solch verbindliche Richtschnur zu erlassen. Der Antragsteller, dem ein kleiner Bauernhof in der Doppelstadt an der Ems gehört, beklagt: „Ringsum wird wie verrückt gebaut, so gut wie alle größeren Bäume fallen den Gebäuden und der Ordnungssucht der Neubesitzer (Laub, Schatten, Vogelkot etc.) zum Opfer.“ An ihre Stelle würden allenfalls kleine Edelgehölze oder Trockenbodenpflanzen in Granitschotter rücken. Solchen „Kahlschlag“ kritisiert er. „Ich fordere die Stadt Rheda-Wiedenbrück auf, für einen verbesserten Schutz und den Erhalt der Natur in der Stadt zu sorgen, ehe es zu spät ist und nur noch Suburbia in seiner Eintönigkeit bleibt“, heißt es in dem Schreiben. Er beantragt, „eine eindeutige Baumsatzung, wie es in aufgeklärten Gemeinden üblich ist, zu erlassen“.

Stadtbildprägend oder nicht?

In ihrer Vorlage zur Sitzung des heutigen Bau-, Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrsausschusses erörtert die Stadtverwaltung, welche Vor- und Nachteile einer Baumschutzsatzung sie sieht, und kommt für sich zu dem Schluss, dass die Nachteile überwiegen. Bislang ist die Bewahrung von Bäumen so geregelt, dass die Verwaltung lediglich Gehölze, die als stadtbildprägend gelten, durch Festsetzungen in den Bebauungsplänen vor der Säge schützen kann. Gäbe es eine Satzung, könnten öffentliche und private Bäume ab einer bestimmten Größe pauschal unter Schutz gestellt werden, heißt es aus dem Rathaus.

Die Stadt nennt eine Reihe positiver Wirkungen, die somit abgesichert werden könnten. Die grünen Riesen können gestalterische, architektonische und städtebauliche Funktionen, etwa zur optischen Führung von Straßen, übernehmen. Sie sind in der Lage, Sichtschutz sowie Abschirmung zu bieten. So entstehen Ruhezonen, in denen der Mensch sich wohl fühlen kann. Er darf im wahrsten Sinne des Wortes durchatmen, denn die Sauerstoffproduzenten, die zugleich Staub binden, tragen zur Lufthygiene bei. Sie wirken temperaturausgleichend und die Luftfeuchtigkeit beeinflussend auf das Kleinklima. In diese Richtung argumentiert auch der Antragsteller: „Ich halte diese Naturreste in der Stadt für äußerst wichtig, weil das Klima und die Natur dadurch erhalten bleiben.“

Stadt hat Kosten im Blick

Falls sich die Politiker für den Erlass einer Baumschutzsatzung aussprechen würden, sieht die Stadtverwaltung Herausforderungen auf sich zukommen: „Zum Beispiel ist für die Prüfung und Bearbeitung der Anträge, die im Rahmen einer Satzung gestellt werden, nicht nur finanzieller, sondern auch personeller Aufwand erforderlich.“ Sie rechnet damit, dass rund 120 Anträge pro Jahr gestellt werden könnten und etwa 42 Prozent einer vollen Arbeitsstelle gebunden würde. In der Nachbarkommune Gütersloh, die über ein Baumschutzsatzung verfügt, würden im Schnitt pro Jahr 300 Anträge eingehen.

Als weitere mögliche Nachteile befürchtet die Stadt, dass Bürger rasch noch ihre privaten Bäume fällen lassen und „vollendete Tatsachen“ schaffen, bevor die Neuregelung eingeführt würde. Vielleicht würde sich auch mancher mit Blick auf geänderte Richtlinien schon von vornherein gegen eine Neuanpflanzung entscheiden.

Durch eine Neuregelung könnten, so heißt es in der Sitzungsvorlage, übrigens auch die Rechte von Nachbarn eingeschränkt werden, wenn es darum geht, ob Kronen- und Wurzelbereich auf dem angrenzenden Grundstück zu entfernen sind. Von einem solchen Konflikt weiß auch eben jener Bürger zu berichten, der in diesem Januar seinen Antrag stellte: Seine Nachbarn hätten herüberragende Kronen seiner Birken und Eschen gestört.

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