Bürger und Planer in Rheda unterwegs  
Foto: Stephan
Die Kennzeichnung von Radwegen war ein wichtiges Thema der Bürgerbeteiligung am Samstag in Rheda. Eine Gruppe machte sich mit Verkehrsplaner Dr. Lothar Bondzio (7. v. l.) auf den Weg zur Schloßstraße, Ecke Wilhelmstraße.
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30 Millionen Euro an Steuergeldern sollen nach Aussage von Bürgermeister Theo Mettenborg in den kommenden Jahren in die Neugestaltung der beiden Zentren von Rheda und Wiedenbrück fließen. Am Samstag setzten sich gerade einmal 20 Interessenten, darunter noch eine Handvoll Kommunalpolitiker, mit den Planern an einen Tisch. Womöglich habe der eher technisch klingende Projektname manch einen von einer Teilnahme abgehalten, lautete eine Vermutung aus dem Kreis der Beteiligten. Gleichwohl fiel das Fazit am frühen Nachmittag nach Präsentation der bisherigen Analyseergebnisse, zwei Stadtrundgängen, zwei Workshops und einer Schlussrunde ausgesprochen positiv aus.

Baudezernent Pfeffer lobt „konstruktiven Dialog“

 „Die Diskussionen waren sehr sachlich. Dieser Tag hat richtig Spaß und Lust auf Planung gemacht“, sagte Projektleiter Gerold Kalkowski vom Dortmunder Planungsbüro Pesch Partner. Rheda-Wiedenbrücks Baudezernent Stephan Pfeffer geriet ins Schwärmen: „Wir haben einen sehr konstruktiven Dialog erlebt und werden es schaffen, Rheda in eine andere Dimension des Lebens zu bringen“, waren seine Schlussworte nach gut viereinhalbstündiger Tagung. Zuvor hatten der Bochumer Verkehrsplaner Dr. Lothar Bondzio und zwei beteiligte Bürgerinnen den Anwesenden die Ergebnisse der beiden Stadtrundgänge sowie Workshops zu den Themen „Verkehr“ und „Stadtmobiliar, Beleuchtung, Gebäude, Werbung und Außengastronomie“ präsentiert. Bereits in der Vorab-Analyse hatten Bondzio und seine Mitarbeiter zwei Leitbilder erarbeitet. Leitbild eins: eine umfassende Entwicklung des Verkehrsnetzes. Leitbild zwei: eine teilweise Verbesserung des Bestands.

Nach dem Stadtrundgang mit der Betrachtung kritischer Stellen und anschließender Diskussion mit Teilnehmern kam Bondzio zu dem Ergebnis, dass es im Fall der Rhedaer Innenstadt wohl auf das Leitbild eins hinauslaufe. „Der Rahmen ist jetzt festgelegt. Wir haben eine schlüssige klare Vorgehensweise. Nun geht es darum, Maßnahmen festzulegen“, äußerte er. Um den automobilen Parksuchverkehr in der Innenstadt einzudämmen, schlägt der Planer ein Parkleitsystem und eine Reduzierung des Stellplatzangebots im Kernbereich bei gleichzeitigem Aufbau der Kapazitäten an den Standorten der drei Parkdecks an Rathaus, Schloßstraße sowie Domhof vor. Bondzio: „Wir wollen die Gesamtzahl der Parkplätze nicht reduzieren. Das würde der Rhedaer City nicht gut tun.“

Mehr Sicherheit für Radfahrer schaffen

Die in der Vergangenheit diskutierte (Wieder-)Öffnung der Berliner Straße im Bereich der Oelder Straße hält Bondzio für keine gute Lösung. Sein Urteil lautete während der Isek-Bürgerbeteiligung am Samstag: „Das würde der Straße eine andere negative Qualität geben.“ Breiten Raum nahm während des Stadtrundgangs in Rheda das Thema Fahrradverkehr ein. Eine der Kernfragen lautete: Sollen Fahrradfahrer die Straße benutzen oder über den Seitenraum geführt werden? Die übereinstimmende Meinung der Teilnehmer auch mit Blick auf die höhere Durchschnittsgeschwindigkeit durch neue Radtypen lautete: Radspuren in roter Farbe auf der Straßenfahrbahn und alle 50 Meter ein Piktogramm – das veranlasst Autofahrer zu vorsichtigerem Steuern ihres Wagens und würde damit auch mehr Sicherheit für diejenigen schaffen, die in die Pedale treten. Auch mit Blick auf die gestiegene Wertigkeit von Fahrrädern sehen die Planer großen Bedarf an zusätzlichen, auch überdachten Abstellplätzen für Velos – zum Beispiel denken sie in diesem Zusammenhang an leerstehende Geschäftslokale.

669 Leuchten gezählt

Weitere Ideen und Anregungen aus dem Kreis der Teilnehmer der Bürgerbeteiligung: eine Verlängerung der Fürst-Bentheim-Fahrradstraße bis zur Berliner Straße, die Sperrung der Berliner Straße für den Autoverkehr im Bereich des Doktorplatzes nach 17 Uhr und die Nutzung der Berliner Straße durch Radfahrer in Gegenrichtung auch im Abschnitt bis zur Wilhelmstraße. „Licht lockt Leute. Dazu muss man aber etwas bieten“, ist einer der Kernsätze von Architekt und Lichtplaner Peter Brdenk. In seiner Bestandsaufnahme ist er auf insgesamt 669 Leuchten und eine große Typenvielfalt im Rhedaer Isek-Gebiet gekommen. Brdenks Verbesserungsvorschlag zu diesem Aspekt lautete: Reduzierung der Leuchtenarten und Konzentration auf das energiesparende Leuchtmittel LED. Die ausgemusterten Exemplare, so sein Vorschlag, könnten dann zum Beispiel zu einem Lichtkunstwerk im öffentlichen Raum zusammengestellt werden. 

Schattenspendende Bäume gewünscht

Aus Sicht der Teilnehmer gibt es mehrere Standorte, die für ein solches Unterfangen in Frage kämen: Der Bahnhofvorplatz in Rheda, das Gelände des ehemaligen Reethus’ und die City von Wiedenbrück. Licht, so eine weitere Idee aus dem Kreis der Teilnehmenden, könnte – passend eingesetzt – auch die unterschiedliche Baugeschichte Rhedas hervorheben und damit zu mehr Verweilqualität beitragen. Zum Stichwort Verweilqualität ergab sich Folgendes: Die wünschen sich Bürger auch für den Bereich des Doktorplatzes und des Bahnhofvorplatzes – etwa durch mehr Begrünung und Schatten spendende Bäume – im Bereich des Rathausplatzes durch die Wiederbelebung des Elements Wasser und an der Ecke Bahnhofstraße/Neuer Wall/Schulte-Mönting-Straße durch eine neue Platzgestaltung. Eine Teilnehmerin: „Hier könnte mit Baumpflanzungen und weiteren Sitzmöglichkeiten ein Aufenthaltsraum geschaffen werden, an dem man nichts konsumieren muss.“

Drostenhof aus Schattendasein holen

Weitere Ideen aus dem Teilnehmerkreis zur Aufwertung Rhedas waren diese: Den historischen Drostenhof aus seinem Schattendasein hervorholen und wie auch den Domhof besser an das Umfeld anbinden, die Parkdecks mit mehr Licht ausstatten, Hausfassaden mit Rosenstöcken optisch aufwerten, die Eingangssituation am Nordende der Berliner Straße attraktiver gestalten und die in die Jahre gekommene städtische Hinweistafel am FSC-Sportplatz an der Gütersloher Straße durch eine modernere Variante ersetzen und diese mehr ins Zentrum rücken. Nach der jetzt erfolgten Bürgerbeteiligung sind erst einmal wieder die Planer am Zug. Vom kommenden Monat an werden sie die Projekte weiterbearbeiten. Im Januar gibt es dann erneut eine Möglichkeit für Bürger sich zu beteiligen. Die Fertigstellung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts Rheda ist für die zweite Jahreshälfte 2021 vorgesehen.

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