Bürgerhalle auf Dauer nur an neuem Standort
Bild: Werneke
Bürgerinformation im Reethus in Rheda-Wiedenbrück: Das Bild zeigt (v. l.) Uwe Henkenjohann, Tanja Schrooten, Bürgermeister Theo Mettenborg, Inga Linzel und Ralf Hammacher, Geschäftsführer der Flora Westfalica.  
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 Doch nicht das „Wo“ und „Wie“ einer Stadthalle bestimmte die dem Vortrag folgende Diskussion.Vielmehr rückten etliche Veranstaltungsteilnehmer die Frage danach, ob ein Neubau überhaupt notwendig sei, in den Blickpunkt. Eine Ratsentscheidung steht noch aus. Soviel stellte Bürgermeister Theo Mettenborg klar: An bisheriger Stelle an der Mittelhegge wird es für das zur Landesgartenschau 1988 geschaffene Reethus keine Zukunft geben. „Dieser Standort ist auf Dauer nicht genehmigungsfähig“, erklärte er. Das gilt nicht nur mit Blick auf einen Neubau. Auch für bestimmte Sanierungen könnten, wie die Zuhörer der gut besuchten Veranstaltung erfuhren, Genehmigungen nach gegenwärtigem Standard erforderlich werden. Laut Studie machbar und bevorzugter Standort für eine neue Bürgerhalle wäre die Fläche links neben der Zufahrt zum Gasthof Klein an der Hauptstraße. Dort stehen der Stadt rund 1,6 Hektar Grund zur Verfügung.

Tanja Schrooten vom Planungsbüro und Inga Linzel, Leiterin des Fachbereichs Stadtplanung und Bauordnung, erläuterten wesentliche Überlegungen. Ausgegangen worden sei dabei von 700 Sitzplätzen bei Tischbestuhlung wie bisher und einer Größe von rund 2590 Quadratmetern (zurzeit 2100 Quadratmeter). Zu den „Knackpunkten“ zähle laut Schrooten der Lärmschutz. Die Idee: Der Schallschutz wird gebäudetechnisch gewährleistet. Saal und Bühne würden dann „in Gebäudeteile einpackt, die ruhiger sind“, zum Beispiel Nebenräume. Mit diesem „schalltechnischen Rücken“ würde die Halle zur Hauptstraße hin platziert, der Eingang wäre zum Park ausgerichtet. In einer Linie mit der Halle wären weitere Bauten erforderlich. Dort sollten wegen der Lärmempfindlichkeit am besten gewerbliche Nutzer einziehen. Die Stellplätze – gerechnet wird mit rund 180 – würden rückwärtig der Baukörper positioniert, also in einem erweiterten Bereich der schon vorhandenen Parkfläche. Im hinteren Bereich zur Mittelhegge und zum Park hin könnte laut Inga Linzel mit Wall-Wandkombinationen für den Lärmschutz gearbeitet werden. Mit dieser bevorzugten Planungsvariante erübrigt sich die Notwendigkeit einer bis zu sechs Meter hohen Schallschutzanlage, die bei einer anderen Variante ins Spiel kam.

Kritiker bezweifeln Notwendigkeit

„Brauchen wir eine Bürgerhalle?“ Mit dieser Frage eröffnete der Wiedenbrücker Ortsheimatpfleger Christoph Beilmann den Reigen an Wortbeiträgen von Bedenkenträgern und Befürwortern. (Folge-)Kosten, Auslastung und mögliche Alternativen kamen zur Sprache. Für einen Neubau gehe man laut Bürgermeister Theo Mettenborg derzeit von rund acht Millionen Euro für die Halle, zwei Millionen Euro für Stellplätze und zwei Millionen für Lärmschutz als Eckpfeiler aus. „Die Stadt ist gezwungen, andere Projekte mit Priorität durchzuziehen“, sagte das ehemalige CDU-Ratsmitglied Dieter Braun und nannte das „Stichwort Schule“. Schon jetzt sei die finanzielle Situation angespannt, meinte er und sprach von „Traumtänzerei“. Er halte eine neue Halle „für die nächsten zehn Jahre für unrealistisch“. Die an dem Abend genannte Reethusauslastung von 200 Veranstaltungen pro Jahr nahm der FDP-Fraktionssprecher Patrick Büker kritisch unter die Lupe. 2011 und auch aktuell seien es weniger. Mit Blick auf dieses Jahr sei zu bedenken, dass es sich zum Teil um Hochzeiten und Trödelmärkte handele. „Wir haben große Zweifel an der Notwendigkeit der Halle, weil wir in der Stadt Alternativen sehen“, erklärte er und fragte nach möglichen Verhandlungen mit dem A 2-Forum.

Gesprächsbereitschaft signalisierte Jörg Begemann, Geschäftsführer der A 2-Forum-Management-GmbH. „Auch bei uns gibt es Planungssicherheit“, wandte er sich zudem an Jörg Johannpaschedag, Vorsitzender des Karnevalvereins KG Helü. Der hatte aus Sicht der Vereine die Befürchtung geäußert, in einem Messezentrum womöglich in Konkurrenz zu anderen Veranstaltern ins Hintertreffen zu geraten. Den Vorschlag, über Kooperationsmöglichkeiten zu reden, unterbreitete Ralph Fritzsche, kaufmännischer Betriebsleiter der Stadthalle Gütersloh – dies fände auch die Zustimmung des Kulturdezernenten der Dalkestadt. Wiederholt wurde an dem Abend auch der Vorschlag eines Busses nach Gütersloh ins Gespräch gebracht.

Zukunftsgerichtet planen

„Es schneit nicht, Sie können alle beruhigt sitzen bleiben“, hatte Bürgermeister Theo Mettenborg noch zu Beginn der Veranstaltung im Reethus gescherzt. Im Rückgriff darauf betonte er später: „Wir haben eine eingeschränkt ertüchtigte Halle.“ Müsste diese einmal geschlossen werden, würde sicherlich gefragt: „Warum haben die nicht vorbereitend geplant?“

 Die Stadt sei zu einer zukunftsgerichteten Planung angehalten, betonte auch Uwe Henkenjohann, Aufsichtsratsvorsitzender der Flora-Westfalica-GmbH und CDU-Fraktionsvorsitzender, dass ein Konzept erarbeitet werden müsse. „Sie finden keine Akteure mehr, die hier auf die Bühne wollen“, führte er mit Blick auf die Auslastung den Zustand der alten Halle ins Feld. Zudem gehe es um die Stadt als attraktiven Standort. Er unterstrich, dass von einer „Bürgerhalle“ ohne Orchestergraben die Rede sei, nicht von einem „Schmuckwerk“. Eine Sanierung sei auf Dauer nicht möglich, unterstrich der stellvertretende Bürgermeister Norbert Flaskamp. Er wolle sich später einmal nicht nachsagen lassen „da haben irgendwelche Ratsherren 2015 geschlafen“.

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