Bund will Bunker aus den 60ern verkaufen
Bild: Werneke
Zu verkaufen: Die ehemalige Grundnetz-, Schalt-, und Vermittlungsstelle am Haxthäuserweg 146 will der Bund veräußern. Das Bieterverfahren ist abgeschlossen. Der eigentliche Bunker liegt unter der Erde.
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 Mehrere Gebote seien abgegeben worden, seine Kollegin stehe in konkreter Verhandlung mit einem Kaufinteressenten, informierte Frank Gößling, Mitarbeiter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), auf Nachfrage der „Glocke“. 11 444 Quadratmeter groß ist die Liegenschaft, die der Bund veräußern will. Zu ihr gehören im Wesentlichen ein atombombensicherer Bunker und ein eingeschossiges Unterkunftsgebäude. 707 Quadratmeter Gesamtfläche unter der Erde mit 25 Räumen, drucksicheren Stahltüren und einem etwa 65 Meter tiefen Frischwasserbrunnen kennzeichnen gemäß der Immobilienbeschreibung der BImA den Bunker aus Stahlbeton. Das 1963 errichtete Bauwerk ist eine von insgesamt 34 Grundnetz-, Schalt-, und Vermittlungsstellen in den alten Bundesländern, die im Fall eines Atomkriegs die militärische Kommunikation sichern sollten. Dass er am 5. Februar 2013 in die Denkmalliste der Stadt Rheda-Wiedenbrück aufgenommen wurde, unterstreicht die Bedeutung des Tiefbunkers als Zeugnis aus der Zeit des Ost-West-Konflikts und atomaren Wettrüstens. Für die Unterschutzstellung des „Bunkers Nr. 36“ hatte sich Hans Schalück eingesetzt, der sich bereits um den Erhalt des ehemaligen Verstärkeramts an der Eusterbrockstraße verdient gemacht hat, das nicht allzu weit vom Fernmeldebunker entfernt liegt. In ihrer Denkmalwertbegründung hob die Bezirksregierung Detmold auch bau- und technikgeschichtliche Besonderheiten des Bunkers hervor, dessen Betrieb auch im Notfall gewährleistet sein sollte. Das Bauwerk mit etwa drei bis vier Meter dicken Außen- und rund 1,5 Meter dicken Innenwänden war demnach so konstruiert, dass die technischen Geräte „selbst bei einer extremen Erschütterung, angeblich sogar bei einer starken Schräglage des Baus“ funktionieren sollten. Die Fußböden in den Räumen für Nachrichtentechnik erhielten Federn und Puffer. Zur Ausstattung als Nachrichtenstelle gehörten Verteilereinrichtung, Verstärker, Relaisschränke, Fernschreib- und Fernsprecheinrichtungen.

Unterkellertes Unterkunftsgebäude

Schleusentüren aus einer rund sechs Zentimeter dicken Stahlkonstruktion, Dekontaminierungsanlage und Kältemaschine mit Kompressor – über so spezielle Eigenheiten wie der in drei Raumzeilen aufgeteilte „Bunker Nr. 36“ verfügt das oberirdische Unterkunftsgebäude der Bundeswehr, 1963 errichtet, nicht. Rund 22 Räume im Erdgeschoss, davon zwei Küchen und sieben Sanitärräume, sind laut Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in dem unterkellerten Bau untergebracht. Er verfügt über eine Gesamtfläche von rund 1190 Quadratmetern. Auch ein Gebäude, das als Hundezwinger und Garage gedient hat, steht noch. Für die Anlage, die in Zeiten des Kalten Kriegs eine militärische Dienststelle war, gibt es keinen rechtskräftigen Bebauungsplan, informiert die BImA, so dass dem neuen Besitzer kein bestimmtes Bau- oder Planungsrecht zugesichert werden könne. Die Stadt Rheda-Wiedenbrück sei dafür zuständig, Fragen zur möglichen Nutzung und Bebauung zu klären. Derzeit sei der Bereich der Immobilie als „Fläche für Landwirtschaft“ ausgewiesen.

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