Demo gegen „das System Tönnies“
Bild: Werneke
Kritiker des Tönnies-Konzerns versammelten sich am Freitag zur Demonstration in Rheda. Sie zogen vom Bahnhof zum Unternehmenssitz.
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Applaus kommt auf, als der Publizist während einer Kundgebung dort dem Rhedaer Schlachtkonzern, aber auch anderen Branchenriesen schlechte Arbeitsbedingungen, ein Billiglohnsystem und die Führung eines Angstregimes vorwirft. Initiiert von der Aktion gegen Arbeitsunrecht, gehen am Freitag bundesweit in 30 Städten Menschen auf die Straße und demonstrieren gegen „das System Tönnies“, wie sie es nennen. Es ist ein breites Bündnis, das sich da zusammenfindet. Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung stehen Seite an Seite mit Attac-Aktiven, außerdem mischen Die Linke, der BUND, die „Fridays for future“-Bewegung und etliche andere mit. Ganz vorne mit dabei das Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung, das die Demonstration mit anschließendem Zug zur Konzernzentrale des Schlachtbetriebs mitorganisiert hat.

Bundestagsabgeordnete spricht von „Tierquälerei“

„Das System Tönnies“ müsse gestoppt werden, ist vor dem Bahnhof in Rheda immer wieder zu hören. Es sei nicht sozialverträglich, stattdessen umweltschädigend, heißt es seitens der Veranstalter, zumal es „ein kriminogenes Milieu aus mafiösen Subunternehmern“ fördere. „Selbst Leiharbeiter sind Tönnies noch zu teuer“, sagt Rügemer, „außerdem haben sie zu viele Rechte“. Von einer „entsetzlichen Tierquälerei“ spricht die Bundestagsabgeordnete Amira Mohamed Ali (Die Linke), „und die Kontrolleure stehen teilweise daneben“. Dieser Lobbyismus müsse ein Ende haben, „wir dürfen das nicht länger dulden“. Dazu brauche man den Druck von der Straße.

Genauso abgeschafft gehöre die gegenwärtige Form der Landwirtschaft, die die Lebensgrundlage der Menschen ruiniere. „Unsere Generation frisst die Zukunft unserer Kinder“, findet auch Aktivistin Dr. Bettina Rehberg (Ariwa OWL) am Freitag deutliche Worte. Tiere seien mitfühlende, emotionale Wesen und keine Fleischlieferanten. „Die Menschheit braucht wieder mehr verantwortungsbewusstes Handeln.“ Wenige Minuten zuvor singt Musiker Manuel Blaze, der mit Bruder Tobias gekommen war: „Es fällt uns schwer, eure Gewalt zu verstehen.“ Man werde erst Ruhe geben, „wenn dieser Laden geschlossen ist“, kündigt die stellvertretende Kreissprecherin der Linken, Camila Cirlini, an.

Demonstranten ziehen zum Unternehmenssitz

Die Aktion gegen Arbeitsunrecht stellt an diesem Freitag, den 13., Tönnies an den Pranger: Gespräche mit dem Konzern lehnt man kategorisch ab. Man lasse sich weder instrumentalisieren noch funktionalisieren, wettert Camila Cirlina, die die etwa 200 Demonstranten durch das Bühnenprogramm führt, ehe man gemeinsam zum Stammsitz des Unternehmens zieht.

Handzettel werden an Mitarbeiter verteilt

„Ein Dialog wird nur im Sinne von Tönnies geführt“, sagt die Linke. Zeitgleich werden Handzettel verteilt, die sich an Mitarbeiter des Konzerns richten. Sie werden in mehreren Sprachen gebeten, Kontakt aufzunehmen und anonym über Missstände bei Tönnies zu berichten.

Konzern lädt zum Familienfest am Sonntag ein

„Heute ist kein schwarzer Freitag, sondern der Beginn eines bunten Wochenendes“, erklärte Tönnies-Sprecher Dr. André Vielstädte mit Blick auf das Demonstrationsmotto „Schwarzer Freitag“. Er verwies darauf, dass bei Tönnies Menschen aus 87 Nationen beschäftigt seien und das Familienfest am morgigen Sonntag die gesamte Vielfalt des Unternehmens widerspiegeln solle. Mehrere tausend Besucher würden dazu am Konzernsitz in Rheda erwartet.

Fleischwerk wehrt sich gegen Anschuldigungen

Man sei offen für den Dialog mit Kritikern, doch die Anschuldigungen des Aktionsbündnisses seien schlichtweg nicht zutreffend. „Selbstverständlich respektieren wir das Demonstrationsrecht und die freie Meinungsäußerung“, betonte Vielstädte. „Allerdings wehren wir uns gegen Falschbehauptungen, Beschimpfungen und Verunglimpfungen.“ Alle Interessenten seien eingeladen, sich bei Werksführungen selbst ein Bild von den Arbeitsbedingungen zu machen. Anmeldungen seien online möglich.

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