Der Letzte macht das Licht aus 
Bild: Nienaber
Haben gut lachen: Chefarzt Dr. Eugen Klein und eine seiner letzten Patientinnen, Rosalie Fink, gehen ein letztes Mal über den Flur der Station eins.  
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Ein letztes Mal geht Chefarzt Dr. Eugen Klein über den Flur „seiner“ Chirurgie. An seiner Seite Rosalie Fink. Die Rhedaerin zählte zu den letzten Patientinnen, die auf Station 1 behandelt wurden. Vor zwei Wochen hat sie in einer minimalinversiven Operation eine Hüftprothese bekommen, heute kann sie schon wieder längere Strecken laufen, ohne auch nur einen Anflug von Schmerzen oder sonstigen Einschränkungen. Eine medizinische Erfolgsgeschichte, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Kapiteln an der Gütersloher Straße geschrieben wurde.

„Niemals geht man so ganz“

„Niemals geht man so ganz“ – unter diesem Motto stand das Abschieds- und gleichzeitig auch Dankeschönfest der Rhedaer Betriebsstätte des Klinikums Gütersloh. Dazu bot sich sowohl für ehemalige Patienten des Hauses als auch für die nun nach Gütersloh umziehenden Mitarbeiter noch einmal Gelegenheit, die bewegte Geschichte des Krankenhauses Revue passieren zu lassen. Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, berichtete beispielsweise Monika Ludwig. Sie war 23 Jahre im Pflege- und Funktionsbereich der Einrichtung tätig, das Krankenhaus sei für sie in dieser Zeit zu einem zweiten Zuhause geworden. „Wir sind alle traurig, dass das Krankenhaus nun Geschichte ist. Aber wir freuen uns auf einen Neuanfang in Gütersloh“, erläuterte die Mitarbeiterin. So wie Monika Ludwig fühlten an diesem Tag viele der zuletzt rund 60 Mitarbeiter der Betriebsstätte. „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man jetzt durch die leeren Räume geht. Vor allem Wehmut macht sich dabei bei mir breit“, beschrieb Harald Geier Besuchern des Abschiedsfests seine Gefühlslage. Geier war lange Jahre Verwaltungsdirektor der Evangelischen Stiftung und hat bereits die stürmischen Zeiten 2005 miterlebt, als das Rhedaer Krankenhaus vorübergehend geschlossen wurde. Dass trotz der traurigen Tatsache der Schließung der Betriebsstätte alle Mitarbeiter übernommen und für sie am Klinikhauptstandort in Gütersloh neue Wirkungskreise gefunden werden konnten, erfreue ihn obgleich der derzeitigen Endzeitstimmung.

Möglichkeit für einen Neuanfang

Mit dem offiziellen letzten Öffnungstag des Krankenhauses in Rheda gestern ist für Pflegedirektor Jens Alberti nicht nur eine Ära, sondern auch der arbeitsintensive Prozess der Übergangsplanung zu Ende gegangen. „Seit Anfang des Jahres haben wir mit Dienstrotationen bereits auf einen geschmeidigen Übergang für alle Beteiligten hingearbeitet, heute findet dieser aufwendige Prozess endlich seinen Abschluss“, sagte Alberti. Er könne nachvollziehen, dass bei vielen noch Traurigkeit über die Schließung der langjährigen Wirkungsstätte vorherrsche. Gleichzeitig berge der Schlussstrich unter Jahrzehnten der Arbeit am Standort Rheda die Möglichkeit für einen Neuanfang in einer gelebten Gemeinschaft im Gütersloher Klinikum. „Was in Rheda seinen Anfang hatte, findet nun in Gütersloh Bestand“, betonte Pflegedirektor Alberti. Dass die Bürger ihr „kleines Krankenhaus mit familiärem Charakter“, wie es eine ehemalige Patientin auf den Punkt brachte, vermissen werden, das wurde beim Dankeschönfest in zahlreichen Gesprächen deutlich. Viele Besucher machten gestern keinen Hehl daraus, dass mit der Schließung des Hauses ein Stück Rhedaer Geschichte für immer verblasse.

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