Der Stachel im Tönnies-Fleisch
Bild: von Stockum
Sagen Missständen in der Fleischindustrie den Kampf an: Mustafa Kuyucu, Betriebsratsvorsitzender bei der Firma Tönnies, die Ombudsfrau Gudrun Bauer, der Integrationsbeauftragte der Stadt Rheda-Wiedenbrück, Ernst-Jürgen Michaelis, und der Referent für Arbeitsrecht bei Tönnies, Martin Blumentritt.
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Die Firma Tönnies, größter Arbeitgeber in dem Bereich weit und breit, steht dabei besonders im Fokus. Der Imageschaden ist beträchtlich. Auch deshalb begrüßte das Unternehmen am Mittwoch ausdrücklich Gudrun Bauer, die sich als unabhängige Ombudsfrau der Sorgen und Nöte der zumeist osteuropäischen Mitarbeiter annehmen will. Obwohl vom Konzern und einem Runden Tisch ausgehend, weist die 55-Jährige darauf hin, dass sie unternehmensunabhängig und somit auch Ansprechpartnerin für alle Bürger beziehungsweise Werkvertragsarbeiter sämtlicher in Rheda-Wiedenbrück ansässigen Firmen ist.

Bei 5500 Tönnies-Mitarbeitern am Standort Rheda – die Hälfte davon sind bei Subunternehmern angestellt und zumeist osteuropäischer Herkunft – darf davon ausgegangen werden, dass nicht in jeder Wohnung beziehungsweise in jedem Arbeits- oder Mietvertrag alles mit rechten Dingen zugeht. Obwohl man sehr viel Energie investiere, um Missstände zu beseitigen, hätte mancher Hemmungen, auf seinen Arbeitgeber oder zuständige Behörden zuzugehen, weiß der Arbeitsrecht-Referent bei der Firma Tönnies, Martin Blumentritt.

Ähnliches hat auch Ernst-Jürgen Michaelis, Integrationsbeauftragter in Diensten der Stadtverwaltung, erfahren: „In den Herkunftsländern der Werkvertragsarbeiter haben Behörden ein denkbar schlechtes Image, weswegen man uns auch hier manchmal misstraut.“ Umso wichtiger sei es deshalb, mit Gudrun Bauer eine ehrenamtliche, unabhängige und ausgesprochen erfahrene Persönlichkeit gewonnen zu haben, die sich der Sorgen und Nöte von Werkvertragsarbeitern und Bürgern annehme.

Gudrun Bauer machte während eines Pressegesprächs am Mittwoch deutlich, dass Schwierigkeiten von Werkvertragsarbeitern und ihren Familien nicht allein die Firma Tönnies, sondern die fleischverarbeitende Industrie insgesamt betreffe. Sie ist seit gestern zentrale Anlaufstelle für jene, die beispielsweise Unterstützung in Bezug auf ihre Unterbringung, ihren Arbeitsalltag oder im Krankheitsfall benötigen. Sie vermittelt Kontakte, hat aber auch ein offenes Ohr für Bürger, die Missstände melden wollen.

Mehr zum Thema in der Rheda-Wiedenbrücker Ausgabe der „Glocke“ am Donnerstag, 29. Januar 2015.

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