Die Alltagsmenschen sind wieder da
Bild: Werneke
Neu im Reigen der Alltagsmenschen in Wiedenbrück ist die Gruppe „Sommerfest“ an der Langen Straße. Bei den hellen Figuren kam Kreidetechnik zum Einsatz. Zur Aufstellung der Skulpturen am gestrigen Montag waren Christel Lechner (l.) und Laura Lechner zu Gast. Vom heutigen Dienstag an kann die Freiluftausstellung bis zum 20. September erkundet werden.
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Womöglich hätten die Publikumsmagneten zu viele Besucher auf die Straße gelockt. Im Rahmen allgemeiner Lockerungen habe die Stadt vorigen Montag grünes Licht für die Freiluftausstellung der Burckhard-Kramer-Stiftung gegeben, berichtete Projektkoordinatorin Ute Ehlert am Aufbautag am Montag.

Rund 90 Figuren

Kaum kitzelt die Sonne die Nasenspitzen der freundlichen Alltagsmenschengesichter, feiern die drallen Betonbürger auch schon ein Sommerfest an der Langen Straße 14 und genießen auf der Landzunge zwischen Ems und Emssee als „Strandläufer“ das sie umgebende kühle Nass. Die Formationen „Sommerfest“ und „Strandläufer“ sind neu im bunten Figurenreigen. Sie seien „eigens anlässlich des Ausstellungsjubiläums“, so bezeichnete Ute Ehlert die diesjährige 15. Auflage, gefertigt worden. Bereits im Herbst, mit Beginn der Konzeption, seien die zwei neuen Gruppen von Margot und Burckhard Kramer in Auftrag gegeben worden, informierte Ehlert.

Ebenfalls neu in der Schar der mittlerweile rund 90 Figuren – voriges Jahr waren es rund 80 – sind „Käthe und Kurt“. Das mehr als zwei Meter große Paar grüßt mit seinen Dackeln weithin sichtbar an der Schanze die Besucher. Es handelt sich um einen vorübergehenden Tausch, denn das bisherige Tanzpaar ist dieses Jahr zur Gartenschau nach Kamp-Lintfort verreist. Zudem dürfen sich, so unterstrich Ehlert, die Alltagsmenschen-Freunde auf einen bunten Mix neuer und alter Standorte freuen.

Die zwei neuen Kompositionen hat Christel Lechners Tochter Laura gefertigt. Die Anregung zu der Sommerfestgruppe habe ein Urlaubsfoto gegeben, das sie während des sogenannten weißen Karnevals auf La Palma geschossen habe, berichtet Christel Lechner. Mit weißem Mehl hätten sich die Feiernden bestäubt, blickte die Bildhauerin zurück. Von den allgemein eher bunten Schwergewichten würde sich das Weiße abheben, unterstrich ihre Tochter und merkte mit Blick auf die Fassaden im Hintergrund zu den Figuren an: „Die passen unheimlich gut hierhin“.

Einladung zur Entdeckungstour

Nach der Stippvisite bleibt Christel Lechner den Wiedenbrückern auf besondere Art bis zum Ausstellungsende erhalten. Sie stand Modell für eine der Strandläuferskulpturen. „Dazu habe ich sie verdonnert“, gestand ihre Tochter. Ein geblümtes Kleid wie die Figur besitze sie tatsächlich, verriet Christel Lechner. Im Moment des Hochraffens festgehalten wirkt es sogar in Beton nachgebildet lebendig und leicht wie Stoff.

Um 6 Uhr hat sich das bereits einspielte Aufbauteam der Firma Effertz am Montag an die Arbeit gemacht, um die Betonskulpturen an 27 Standorten in Wiedenbrück aufzustellen. Vom heutigen Dienstag an werden sie bis Sonntag, 20. September, zu sehen sein. Außer neuen Alltagsmenschen gibt es auch alte Bekannten an ungewohntem Ort zu entdecken. Zwei Frauen etwa warten nach dem „Einkaufsbummel“ an der Mitfahrbank, und die „Sonnenanbeter“ tummeln sich auf der Terrasse am Seecafé. Das Faltblatt mit Skulpturenplan liegt ab sofort öffentlich aus und kann im Internet heruntergeladen werden.

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