„Die Geschäftsstelle gehört zur DNA“
Seit etwa einem Jahr bilden Emilian Klein (l.) und Werner Twent die Führungsspitze der Kreissparkasse Wiedenbrück.

Dennoch blickt der Vorstand zufrieden auf 2020 zurück. Leicht höhere Aufwendungen im Bereich der Verwaltung und „ein trotz Coronakrise unauffälliges Bewertungsergebnis“, wie Sparkassendirektor Werner Twent sagt, führten 2020 zu einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Der Überschuss beläuft sich auf etwa eine Million Euro. 

Luft zum Atmen fehlt

„Das haben wir so noch nie gehabt“, sagt Werner Twent mit Blick auf die Einlagenbestände. In Krisenzeiten neigen die Menschen zum Sparen – was angesichts der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank die Finanzexperten in Wiedenbrück besonders fordert. „Der Zuwachs an Geldanlagen ist ein riesiger Vertrauensbeweis“, meint Twents Kollege, Vorstandsmitglied Emilian Klein. 

„Bei aller Freude darüber nimmt uns diese heftige liebevolle Umarmung zunehmend betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen. Einlagen kosten real Geld und verlieren schrittweise ihren Wert.“ Man rate also zu Alternativen mit positiver Rendite, „und die finden wir heute fast ausschließlich in Immobilien und an den Kapitalmärkten“. Bei letzterer Variante tendieren Sparer offenbar zunehmend zu Nachhaltigkeitsfonds. „Das ist ein Mega-Trend“, sagt Klein. Die Menschen hätten ein neues Bewusstsein entdeckt – für ein besseres Klima, mehr soziale Gerechtigkeit und Unternehmen, die ohne Skandale auskommen. Wer nicht in Papiere investierte, der steckte sein Geld häufig ins Eigenheim beziehungsweise in Objekte, die er zu vermieten gedenkt. 

Zunehmend Kartenzahlung

Grundlegend verändert hat die Coronakrise die Bereitschaft, digitale und mobile Angebote der Kreissparkasse zu nutzen. 72 Prozent der Kunden führen ihr Konto inzwischen online. Im Einzelhandel werden inzwischen nur noch 41 Prozent der Zahlungen bar beglichen. Im bundesweiten Vergleich lag die Wiedenbrücker Institution beim kontaktlosen Karteneinsatz im Dezember auf Platz eins unter 376 Instituten. 

Auch wenn die digitalen Zugangswege immer weiter ausgebaut werden, versichern Twent und Klein: Die Geschäftsstelle werde dauerhaft zur DNA der Kreissparkasse gehören. Ein umfassendes digitales Leistungsangebot kombiniert mit persönlicher Beratung vor Ort sei unabdingbar.

Soziales Engagement

838.000 Euro hat die Kreissparkasse Wiedenbrück im vergangenen Jahr Vereinen, Kindergärten, Schulen, gemeinnützigen Organisationen und anderen zur Verfügung gestellt. 64.000 Euro gingen allein an 22 Alten- und Pflegeheime im Geschäftsgebiet. Damit soll es den Bewohnern ermöglicht werden, sich in der Zeit nach der Pandemie „schöne Momente“ zu gönnen, wie Direktor Werner Twent sagt. Abgerundet wird das finanzielle Engagement durch die Aktivitäten der Stiftung des Hauses. Der eigene Corona-Hilfsfonds ist unlängst verdoppelt und auf 200 000 Euro aufgestockt worden. Von ihm sollen beispielsweise Vereine und Verbände profitieren, die keine Möglichkeiten haben, staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen. 

Sturm brach im März los

Ging man Anfang 2020 noch von einem Jahr mit guter Wirtschaftsentwicklung aus, „brach ab März ein Sturm über uns los“, erinnert Twents Vorstandskollege Emilian Klein. Es habe einen Run der Unternehmen gegeben auf der Suche nach Liquiditätshilfen, Corona-Förderkrediten und Ratenstundungen. Allein in den ersten zehn Wochen der Pandemie habe man mehr als 600 Beratungsgespräche mit den gewerblichen Kunden geführt. 162 Stundungen der Zins- und Tilgungsleistungen bei Privat- und 317 bei Firmenkunden seien vorgenommen worden. Es seien Förderkredite in Höhe von 32,4 Millionen Euro bewilligt worden.

Sparen, sparen, sparen

In Krisenzeiten neigen die Menschen dazu, etwas zur Seite zu legen. So stieg die Sparquote im vergangenen Jahr bundesweit auf ein Rekordniveau von 16,3 Prozent (2019: 10,9 Prozent). Vor diesem Hintergrund haben die Kunden der Kreissparkasse Wiedenbrück 2020 neue Einlagen von 260 Millionen Euro gebracht. Das entspricht 11,2 Prozent Zuwachs.

Rechtsschutz stark nachgefragt

Bemerkenswert hat sich das Versicherungsgeschäft bei der Kreissparkasse entwickelt. Insgesamt betrug der Zuwachs dort 2020 zwar nur 3,1 Prozent. Zwei Formen von Policen jedoch waren besonders stark nachgefragt. So ist die Anzahl der verkauften Rechtschutzversicherungsverträge im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent gesteigert worden. Auch bei Lebensversicherungen ging es vorwärts. Der Absatz wuchs von 39,8 auf 45 Millionen Euro.

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