Die jecke „Ecke“ feiert sich selbst
Bild: Dresmann
Betörend war der Auftritt der Linteler Landjugend-Mädchen mit heißen Duellen und coolen Tänzen aus dem wilden Westen. Das Publikum riss es buchstäblich von den Stühlen.  
Bild: Dresmann

Egal ob die „Ecken-Girls“ zu „Eye of the Tiger“, die Landfrauen zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ oder die Landjugend zu Rhythmen aus „Footlose“: Beim 88. „Eckenkarneval“ waren Stimmung und Tempo garantiert. Als die Moderatoren Christian Stiens und Ludger Daut am späten Samstagabend die Landjugend ankündigen wollten, mussten sie sich erstmal gegen laute Anfeuerungsrufe durchsetzen. Die Stimmung in der Halle auf dem Hof Voltmann, die an diesem Abend einem Hexenkessel glich, befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Siedepunkt. Mit ihrem tollen Auftritt rundete die Jugend einen vollkommen gelungenen Abend ab. An dieser Stelle eine Formation herauszuheben, wäre vermessen. Zeigten die monatelang in den einzelnen Gruppen vorbereiteten Auftritte doch, wie sehr die Linteler hinter ihrem Fest und dem Eckenverein stehen. „Es gibt kein Wort, das sagen kann, was ich fühl’, wenn ich an Lintel denk’ –wenn ich an meine Heimat denk’“, sangen Sandra und Jürgen Verhoff auf die kölschen Töne der Gruppe „Cat Ballou“. Das Publikum stand auf den Tischen und sang die Zeilen in maximaler Lautstärke mit.

Schweißtreibende Angelegenheit

Das Prinzenpaar der „Ecke“ dieser Session sind Werner und Cordula Külker. „Jeder Mann sollte im Leben ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einmal Eckenprinz sein“, unterstrich Werner bei seine Begrüßung und strahlte dabei über beide Wangen. Er fühlte sich sichtlich wohl in seiner Rolle. Auch wenn er und vor allem Prinzessin Cordula von den „Eckensängern“ ordentlich ihr Fett weg bekamen. Im hautengen Dress und auf Inlinern rollte Ralf Bultschnieder als sportliche „Eckenprinzessin“ singend auf die Bühne. Und auch an Mundschenk Barbara Wapelhorst hatten die „Eckensänger“ eine Hommage geschrieben: „Die Ecke, Pilsbier und Barbara, sie ist als Mundschenk für alle da. Doch holt sie Bier, ist es plötzlich leer, Grund ist der Selbstverzehr.“ Den „Eckensängern“ ist übrigens klar, warum es in Lintel so viele gut aussehende junge Frauen gibt: „Das Hinterteil von Ortsvorsteher Gerhard Stiens zieht sie alle an“, wussten sie zu berichten. Auf ihres klebten die Linteler Gesangsakrobaten jeweils kurzerhand das Logo der „Ecke Sagemüller“.

Jede Menge Schweiß ist am Samstagabend in der „Voltmann-Arena“ geflossen. Grund dafür waren nicht zuletzt die schnellen Choreografien der verschiedenen Gruppen. Den Anfang machten die „Ecken-Girls“. Die 21 Mädels schwangen in Tigerkostümen ihre Beine zu Hits wie „Eye of the Tiger“ oder „Jungle Drum“. Zu „Gospel Girls“ verwandelten sich die Landfrauen-Turnerinnen. In feinster Robe gekleidet ernteten sie viel Applaus für ihre lustige Darbietung zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Aufklärungsarbeit leistete der Thron. Dessen Mitglieder fragten sich: „Was machen eigentlich die Frauen, während die Männer Zeit an der Pinkelrinne verbringen?“ Die Antwort darauf erfuhren die Besucher aus erster Hand. „Die Frauen, die backen natürlich Kuchen und halten ihren Männern den Rücken frei“, erläuterten die Thronherren, während sie sich an der originalgetreuen Rinne erleichterten.

Gaul Paul hat seine Ohren überall

 Mindestens genauso beweglich wie die zuvor umjubelte Damengarde des WCV „Grüne Funken“ zeigten sich die „Eckentänzer“. Unter der Leitung von Trainerin Renate Sudbrock verwandelten sich die gestandenen Männer in echte Seefahrer aus der Zeit, in der sich Christoph Kolumbus aufmachte, ein neues Land zu entdecken. Zur passenden Musik bauten die Herren Türme oder wirbelten ihre Kollegen über die Bühne. Kein Wunder also, dass das Publikum sie nicht ohne Zugabe von der Bühne ließ. Als „Paul, der Eckengaul“ traute sich Johannes Deittert in die Bütt. Aufmerksam hatte das Kutschenpferd das Dorfleben im vergangenen Jahr beobachtet. Aufgefallen war Gaul Paul etwa, dass die Stadt das Ortsschild um 300 Meter verrückt hatte. „War die Motivation etwa von Bacardi-Cola getragen? Nein, die Stadt möchte unbedingt mehr wunderschönes Lintel haben. Und vor allem, das weiß doch jeder: Kleiner wird dann Rheda“, reimte Deittert und erntete lang anhaltendem Applaus.

Dass jeder, der feiern will, ein dickes Fell braucht, stellte der Eckengaul beim Gedanken an die Wiedenbrücker Schützen fest. Er lobe sich Lintel, wo man in Einklang miteinander die Feste begehe. Mit Blick auf die Politik wurde es Paul ganz anders. Für die Angsthasen unter denAfD-Wählern habe er schon Plätze beim Pferdeschutzhof „Four Seasons“ reserviert, wetterte Paul. Nach dem famosen Finale durch die Landjugend mit Tänzen aus dem wilden Westen feierte die „Ecke“ noch bis tief in die Nacht Karneval – aber vor allem sich selbst. Weitere Bilder im Internet:www.die-glocke.de

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