Dieter Nuhr zeigt Fotografien in Rheda
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Publikumsmagnet: Keine Illusionen machte sich Dieter Nuhr darüber, dass das Besucherinteresse weniger den gezeigten Bildern als seiner Person galt. Zusammen mit Kuratorin Melanie Körkemeier und Flora-Geschäftsführer Ralf Hammacher (v.l.) eröffnete er die Ausstellung.
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Dieter Nuhr machte sich wenig Illusionen, dass das Publikumsinteresse mehr seiner Person als seinen Arbeiten galt. „Vielleicht kommen Sie ein andermal wieder, dann können Sie sich auch die Fotos anschauen“, kommentierte Nuhr leicht ironisch das Gedränge zu seinen Füßen, während er mit Ralf Hammacher, dem Geschäftsführer der Flora-Westfalica-GmbH, und Melanie Körkemeier eine Wendeltreppe hinaufstieg, damit ihn alle gut sehen und hören konnten.

Mehrfacher Comedypreisträger

Nuhr, der seit Jahrzehnten als Kabarettist und Alleinunterhalter in Fernseh- und Radiosendungen präsent ist und mehrfach den deutschen Comedypreis gewann, offenbarte in der Orangerie eine in der Öffentlichkeit weniger präsente Seite seiner Persönlichkeit. Zu sehen gibt es insgesamt zwölf auf zwei große weiße Blöcke montierte Fotografien, je zwei kleinformatige an den Schmal- und eine Großaufnahme an den Längsseiten.

Kontrastreiches Zusammenspiel

Noch ehe der Betrachter erkannte, was er da eigentlich vor sich hatte, erzeugte das kontrastreiche Zusammenspiel von Licht und Farbe bereits eine starke Wirkung. Die Materialeigenschaften von Stein, Plastik oder Stoffen trugen ihren Teil zur Bildimmanenz bei.

Melanie Körkemeier bedankte sich für die „extrem unkomplizierte“ Zusammenarbeit und hob das Malerische in den Fotografien hervor. Diese stammen aus verschiedenen Regionen der Erde, seien es Kisten auf dem Fischmarkt in Tokio, Textilmuster aus Oman oder zerfallende Fabrikhallen in Albanien.

„Reisen ist Teil meines Lebens“

„Das Reisen ist Teil meiner Lebensform“, ergänzte Dieter Nuhr, der auch ein Kunststudium auf Lehramt absolvierte und den es häufig in Länder und an Orte ziehe, die den meisten Touristen verborgen bleiben. „Bitte suchen Sie in meinen Bildern keine Pointe. Ich mag es vielmehr, wenn das Ganze einen morbiden Charme hat, und finde es interessant, wenn das Leben an den Objekten nicht spurlos vorübergegangen ist“, warb er dafür, seine fotografische Arbeit nicht mit seiner Rolle als kritischer Spaßmacher zu vermischen.

Unter den noch bis Mitte April in der Orangerie ausgestellten Aufnahmen findet sich zum Beispiel der Blick in die kahle Halle einer ehemaligen albanischen Textilfabrik. Wo sich eine Außen- und eine Innenmauer treffen, fällt Licht durch die Fensterfront auf der rechten Seite und illuminiert den abplatzenden Putz in der linken Bildhälfte, unter dem grauer Schimmel in diversen Schattierungen zum Vorschein kommt.

Sinnbild der sozialistischen Gesellschaft

Ein zweites Großformat aus demselben Gebäude zeigt ein kupferfarbenes Figurenfries, auf dem uniformierte Frauen mit starrem Blick im Profil nebeneinander marschieren, als Sinnbild der sozialistischen Gesellschaft.

Die kleinformatigen Bilder sind paarweise angeordnet. Zwei von ihnen zeigen je eine Hauswand, mal in zartem Orange und mal in hellem gelb. Diese Flächen werden durch ein grünes Tor und einen brauen, geschlossenen Fensterladen gesprengt.

Auf dem rechten Foto kommen zur orangenen Wand und dem grünen Tor noch ein gelbes Metallfass und hellblaue Farbtupfer auf der Wand. Über dem Tor hängt ein Schild mit tamilischen Schriftzeichen, das bei genauem Hinschauen den Ort der Aufnahme verrät.

Ausstellung auch über Ostern zu sehen

Die Ausstellung „Nuhr in Rheda“ in der Orangerie am Steinweg ist bis zum 13. April montags bis freitags von 15 bis 17 Uhr, samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags, Karfreitag und Ostermontag von 11 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet.

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