Doku nimmt hiesige Fleischindustrie ins Visier
Bild: Max-Ophüls-Preis
Der Beitrag mit dem Titel „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist einer über den Zustand der Arbeit in der Fleischindustrie und Fragen der Moral, wo offene Landes- und Marktgrenzen für die einen Gefahr und für die anderen Kapital bedeuten.
Bild: Max-Ophüls-Preis

Es sind nicht nur die Arbeiterinnen in der westfälischen Provinz, die eine zentrale Rolle in dem Film einnehmen. Daneben zählen auch Aktivisten zu den Protagonisten, die sich für die Rechte der Frauen einsetzen. In München probt zur gleichen Zeit eine Theaterklasse ein Stück von Brecht und denkt über die deutschen Wirtschaftsstrukturen nach.

Am 21. Januar ist Premiere

Das alles ist der Stoff, aus dem Lokshina einen Dokumentarfilm gemacht hat. Der Beitrag „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist einer über den Zustand der Arbeit und Fragen der Moral, wo offene Landes- und Marktgrenzen für die einen Gefahr und für die anderen Kapital bedeuten, heißt es in der Darstellung zum Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken. Es ist das wichtigste Festival für den jungen deutschsprachigen Film. Es steht seit mehr als 40 Jahren für die Entdeckung junger Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Lokshinas Dokumentation wird dort am 21. Januar uraufgeführt. Ausschnitte, die bereits veröffentlicht worden sind, lassen erahnen, dass der Film harter Stoff ist – zumindest für die Verantwortlichen in der hiesigen Fleischbranche.

Gespräche mit Insidern

„Dort sollte man einen Film drehen“, sagt ein osteuropäischer Gesprächspartner in die Kamera, „aber das ist unmöglich. Nicht mal ein Foto. Dort würdet ihr sehen, wie die Menschen arbeiten. Da ließe sich richtig was drehen, wenn man euch reinlassen würde. Keine Chance“, erzählt der Mann lachend, während er am Abendbrottisch sitzt. „Dort würdet ihr sehen, wie die weißen Nigger arbeiten.“

Geboren 1986 in Moskau, studiert Lokshina seit 2011 sie Dokumentarfilmregie an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Im Rahmen ihrer Arbeit am Forum Internationale Wissenschaft Bonn entstehen parallel audiovisuelle Projekte an der Schnittstelle von Film und Wissenschaft sowie Vorträge und Publikationen zum Dokumentarischen.

Nicht immer die offensichtlichen Dinge im Fokus

„Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist Lokshinas Diplomfilm. Produziert worden ist der 92-minütige Wettbewerbsbeitrag von Isabelle Bertolone und Marius Ehlayil (wirFILM, München). „An vielen Stellen geht es um das nicht im Blick Stehende, das in Vergessenheit Geratene: versteckte Waldcampingplätze, vergessene Arbeitsunfälle, die gedehnte Zeit auf dem Nachhauseweg in der Nacht; um Lehrer, die an Protest glauben und Jugendliche, die nicht rebellieren wollen“, sagt Lokshina.

„Um die unsichtbare Ausbeutung und vage Hilflosigkeit gegenüber globaler Wirtschaft und persönlichem Alltag. Aber auch um das diffuse Feld, das sich zwischen den Leidtragenden und den Verantwortlichen befindet. Das Feld, in dem wir uns selbst verorten mit all unseren Illusionen und unserer Naivität.“

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